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Australischer Veteran wiedervereint mit seiner Cessna O-2A

Ein Flugzeugmodellbauer aus Apeldoorn fand durch Zufall Fotos eines stockfleckigen Logbuches eines Piloten aus dem Vietnamkrieg im Internet. Er erkannte, dass die Registrierung zu einem Flugzeug gehört, das heute in den Niederlanden zu Hause ist. Also machte er sich auf die Suche nach dem Piloten und wurde in Australien fündig.

28.08.2018

Rollbereit steht die O-2 vor dem Skydeck Hangar auf dem Teuge Airport. © Bob Fischer

Jerry Burgstede aus Apeldoorn in den Niederlanden ist begeisterter Modellbauer. Bei seinen Recherchen im Internet stieß er zufällig auf ein vergilbtes Piloten-Logbuch aus der Zeit des Vietnamkrieges. Der Pilot hieß David Robson und war Australier, der im Vietnamkrieg für die US Air Force geflogen war. Was Burgstede aber besonders ins Auge stach, war die Ziffernfolge 21300 in der Spalte „Registration“ des Logbuches.

David Robson und „seine“ O-2A

Das war doch genau die ehemalige Air Force-Registrierung des Cessna O-2A Skymaster, die heute zu dem kleinen Museum der Postbellum Foundation auf dem Flugplatz Teuge gehört, der nur drei Kilometer von Jerry Burgstedes Heimatstadt entfernt liegt. Und die O-2A fliegt noch regelmäßig!

Also informierte Burgstede die Postbellum Foundation, die sich auf die Suche nach dem australischen Piloten machte. Und sie fand ihn. David Robson lebt in Australien. Die heutigen Besitzer der O-2 und Robson nahmen per E-Mail Kontakt auf, und Robson wollte „sein“ Flugzeug gerne in den Niederlanden wiedersehen. An der Rumpfseite prangte ja sogar der Känguru-Aufkleber, den er in den frühen siebziger Jahren dort aufgebracht hatte.

50 Missionen auf der O-2A

Am Montag, den 27. August 2018, besuchte Robson dann das Postbellum Museum in Teuge, und wurde mit „seiner“ O-2A wiedervereint. Zuvor hatte er sich mit den Mitgliedern der Postbellum Foundation unterhalten und dann einige Pressegespräche geführt, bevor er zu einem Flug mit der top-restaurierten Skymaster startete. Das war für ihn ein bewegender Moment. Am Abend hielt er einen Vortrag über seine Erfahrungen und seine 50 Missionen, die er während des Vietnamkrieges geflogen hatte. Damals, so berichtete er, wurde die O-2 nur von Fighter-Piloten geflogen, denn diese wussten, wie die andere Fighter-Piloten dachten. Wenn die O-2 Skymaster ein Ziel am Boden ausgemacht hatte, markierten sie es mit Raketen, die weißen Rauch aufsteigen ließen, so dass die Jagdbomber es angreifen konnten.

Die Geschichte der Cessna O-2A Skymaster in Teuge ist sehr gut dokumentiert. Am 16. Mai 1967 wurde die O-2A mit der Werknummer 337M-0006 als sechste je gefertigte O-2A an die U.S. Air Force übergeben. Dort erhielt sie die Seriennummer 67-21300, wobei die ersten beiden Ziffern das Haushaltsjahr darstellen, in dem das Flugzeug beim Hersteller bestellt wurde. Wie alle anderen O-2A des Vietnamkrieges wurde auch die 67-21300 ohne Autopilot aus den USA über den Pazifik nach Vietnam geflogen. Die 44th Aircraft Delivery Group war für diese Aufgabe bestimmt.

Ohne Sitze über den Pazifik

Vom Hersteller in Wichita ging es in Viererformationen zunächst auf die Hamilton Air Force Base am Nordufer der San Francisco Bay in Kalifornien. Dort wurden alle Sitze bis auf einen entfernt, um Gewicht zu sparen. Die Sitze wurden mit separaten Transportflugzeugen nach Vietnam transportiert. In der Kabine installierten die Mechaniker Zusatztanks, inklusive eines Tanks für Motoröl. Und auf diese Tanks kam noch ein zusätzliches HF-Funkgerät.

Mit Zwischenlandungen auf der Hickam Air Force Base auf Hawaii, der Naval Air Station auf Midway Island, dem Wake Island Airfield, der Andersen Air Force Base auf Guam und der Clark Air Base auf Luzon in den Philippinen gelangten die Flugzeuge nach Vietnam.

Die 67-21300 kam zunächst zur 504th Tactical Air Support Group auf der Binh Thuy Air Base und ab Oktober 1967 zur 23rd Tactical Air Squadron in Nakhon Phanom in Thailand. Im Mai 1969 wurde sie der 19th Tactical Air Support Squadron auf der Bien Hoa Air Base in Vietnam zugeteilt und unterstützte südvietnamesische, australische und US-Truppen bei der Vorbereitung der Invasion von Ost-Kambodscha. Ab September 1970 war die 67-21300 auf der Cam Ranh Bay Base in Vietnam beheimatet. Im Februar 1971 kehrte die O-2A wieder in die USA zurück, dieses Mal aber an Bord einer C-124-Globemaster-II-Transportmaschine.

Wechsel zur US Navy

Dort war sie noch einige Zeit im aktiven Dienst und wechselte sogar die Teilstreitkraft. Ab August 1982 gehörte sie zur US Navy, die sie bis 1986 mit dem Kennzeichen NJ-590A als Überwachungsflugzeug über Schießbahnen einsetzte. Das Ende ihrer aktiven Dienstzeit erlebte die O-2A auf der Naval Air Station Lemoore in Kalifornien. Dort wurde sie im September 1990 ausgemustert. Es dauerte allerdings noch eine Weile, bis sie an einen zivilen Eigner verkauft wurde. Ab 2000 ließ ihr neuer Eigner sie in Camarillo in Kalifornien komplett restaurieren. Sie erhielt ihr neues Lufttüchtigkeitszeugnis und die zivile Restaurierung N590D am 13. April 2007.

Im Mai 2013 wurde sie von der Aircraft Guaranty Corp Trustee aus Onalsaka in Texas übernommen, eine Firma, die es Ausländern ermöglicht, legal N-registrierte Flugzeug zu betreiben. Das Flugzeug gehört nämlich der Postbellum Foundation auf dem Teuge Airport. Nach einem Überführungsflug über den Atlantik landete die N590D schließlich am 3. Juni 2013 auf ihrem neuen Heimatplatz, dem Flugplatz Teuge.

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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