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Christian Block, Pilot und Bilder-Poet

Ein Pilot muss bei seiner Tätigkeit den Überblick behalten. Der Bonner Pilot und Künstler Christian Block fliegt beruflich Frachtjumbos. Und dabei hat er nicht nur den Blick fürs Wesentliche, sondern hat sich auch die Freude an der Darstellung von Details bewahrt.

Die Farben der Collage Grenzschicht sind klar und strahlend. Sie beleuchten den Raum, ohne ihn zu dominieren. © Christian Block

Christian Block ist ein Fotograf, der Dinge gerne umkehrt: Er hebt mit seinen Arbeiten kleine Details aus seiner Arbeitsumgebung hervor und präsentiert sie auf völlig ungewohnte, überraschende Art und Weise.

„Motive aus den Spannungsfeldern von Natur und Technik werden durch die Form der Abstraktion in meinen Arbeiten neu definiert. Die digitale Fotografie stellt mir dazu die Werkzeuge zur Verfügung. Meine Bilder entstehen in meinen Gedanken und die Natur oder meine technische Arbeitsumgebung werden sie irgendwann freigeben“, erklärt der 747-Pilot die Philosophie seiner Werke.

Zunächst fotografiert er Szenen, Eindrücke, Details, sofern es die Arbeit im Cockpit des Frachtjumbos erlaubt. Dann verarbeitet er seine in der Speicherkarte gefangenen Eindrücke. Er befreit sie und gibt ihnen im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Dimension.

Das Kleine groß machen: Christian Block setzt vermeintlich kleine Dinge gekonnt in Szene. © Christian Block

Viele Werke des 52-Jährigen Bonners sind fast monumental zu nennen. Er verändert die Fotos farblich, und zieht sie groß auf. Als Trägermedium dienen verschiedene Materialien. Bei der Veredlung der großen, teils über zwei Meter großen Werke, kommt mit einem Spezialverfahren auch flüssiges Acryl zum Einsatz, das den Bildern einen besonderen Glanz und eine besondere Tiefe verleiht.

Sein Bild 111 ist ein Makro-Ausschnitt des Primary Flight Displays (PFD) im Instrumentenbrett der Boeing 747. Neben den drei Ziffern sind nur der rosafarbene Heading Bug sowie ein Teil des weißen Kompasskreises zu sehen. Die Ziffern zeigen den Kompasskurs im Augenblick der Aufnahme. Durch die Nahaufnahme erkennt aber nur das geübte Pilotenauge, um welchen Ausschnitt es sich bei dem Bild handelt. Ein Betrachter ohne Luftfahrtbezug freut sich über die klaren Linien und die Formensprache des auf über zwei Meter Größe gezogenen Bildes.

Überwältigende Fotos von der Natur

Das Fliegen bietet viel mehr optische Eindrücke, und Christian Block fängt sie ein. Dadurch entstehen überwältigende Fotos von der Natur, aus einer Perspektive und mit einer Dramatik, die nur jemand erkennen und festhalten kann, der ein Gespür für die Natur hat und sich Respekt für ihre gewaltigen Kräfte erhalten hat. Das Bild „Goldener Morgen“, das 2014 über dem Golf von Bengalen entstanden ist, zeigt einen Sonnenaufgang, wie er dramatischer nicht sein könnte. Die Unterseite von dunkelgrauen Wolken, durch die sich das Licht der Sonne mühsam seinen Weg bahnt, bestimmen das obere Drittel des Bildes. In der Mitte schwelt ein orange-goldener Streifen, fast hoffnungsvoll, im Raum. Im unteren Bilddrittel dominieren die von der Nacht noch nicht freigegebenen Wolken. Das Bild hat einen fast surrealen Charakter. Es fasziniert einerseits als Gesamtkomposition durch das Farbenspiel, andererseits durch seine Detailtreue und die fast im Raum schwebenden Wolken. Im Original ist das Foto 120 mal 90 Zentimeter groß und fängt den Betrachter ein.

Wolkenbilder, wie sie nur Piloten sehen können, setzt Christian Block sehr gekonnt in Szene. © Christian Block

Ungleich farbstärker ist das Bild K2. Es zeigt einen Blick aus Reiseflughöhe über das Karakorum-Gebirge in Richtung Süden. Ein glühendes Orange geht von unten in Blau über, um weiter nach oben in einem rot-schwarz aufzugehen, nur unterbrochen von den schneebedeckten weißen Bergspitzen. In seiner ganzen Breite von über 2,10 Metern zieht das Bild den Betrachter förmlich in sich hinein.

Christian Block hat ein umfangreiches Repertoire

Das umfangreiche Repertoire des Künstlers erschöpft sich aber nicht in Einzelbildern. Er hat bereits mehrere Mehrbilder-Installationen geschaffen. Die Installation Grenzsicht besteht aus 16 Einzelbildern, die – alle farblich unterschiedlich – den Weg von Wassertropfen in der laminaren Luftströmung auf einer Cockpitscheibe zeigen. Die von Block gewählten Farben sind klar: blau, grün, gelb und rot. Sie lassen in ihrer Anordnung das Gesamtbild lebendig erscheinen, fast poetisch sind die Wasserspuren vervielfacht, um zu einem neuen Ganzen zu verschmelzen.

Absolutes Highlight der Arbeiten von Christian Block ist eine Aufnahme der Startbahn 24 des Flughafens Luxemburg bei Nacht. Die weichen, weißen Lichter der Piste drängen sich aus einer unglaublich schwarzen Dunkelheit hervor und streben umrahmt von einer blau schimmernden Korona einem unsichtbaren Fluchtpunkt zu. Piloten erkennen auf den ersten Blick die Piste. Alle anderen überrascht der Widerspruch zwischen dem dynamischen Streben der Lichter zum Fluchtpunkt und den strengen statischen Linien, die die einzelnen Lichter bilden. Das Bild ist im Original wandfüllend. Christian Block hat es auf eine Spezialfolie gezogen und mit einer Hintergrundbeleuchtung versehen. Ein solches Werk kann nur jemand schaffen, der seine Umgebung mit einem unvoreingenommenen Blick wahrnimmt.

Christian Bock hat erst 2003 mit seinen künstlerischen Arbeiten angefangen. Er hat seine Bilder schon auf verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. So waren seine Werke unter anderem schon in Bonn, Prag, Kuala Lumpur und New York zu sehen.

An weiteren Ideen und Motiven mangelt es ihm nicht: „Im Rechner sind über 100 Bilder, die ich sofort ins Labor bringen könnte.“

Volker K. Thomalla

Über Volker K. Thomalla

Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.
Journaliste chez Aerobuzz.fr

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