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Die „Landshut“ ist in Friedrichshafen gelandet

Die Boeing 737-200, die als Lufthansa-Maschine "Landshut" 1977 von Terroristen entführt worden war, ist wieder in Deutschland. Das demontierte Flugzeug landete am Samstag an Bord einer An-124 und einer Il-76 auf dem Flughafen Friedrichshafen. Mit der Restaurierung wird begonnen, sobald ein Ausstellungskonzept erarbeitet ist.

23.09.2017

Die Entladung der An-124 wurde von über 100 Medienvertretern beobachtet. © Dornier Museum Friedrichshafen

Am Samstag um genau 09.21 Uhr setzten die Räder des Hauptfahrwerks der Antonow An-124 mit dem Kennzeichen RA-82045 auf der Piste des Flughafens Friedrichshafen auf. Damit endete die Odyssee der Boeing 737-200, die zuletzt auf dem brasilianischen Flughafen Fortaleza verrottete. Das 1970 für die Lufthansa gebaute Flugzeug war berühmt geworden, da es 1977 von palästinensischen Terroristen entführt worden war. Die Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes,GSG 9, stürmte das Flugzeug nach einem fünf Tagen dauernden Irrflug und befreite die Geiseln auf dem Flughafen von Mogadischu. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen D-ABCE und dem Taufnamen „Landshut“ wurde damals repariert und blieb bis 1985 bei der Lufthansa. Sie flog dann für verschiedene Airlines in den USA, in Frankreich und Malaysia, bevor sie 2002 als Frachtflugzeug für die TAF Lineas Aereas endete. Im Januar 2008 stellte die TAF den Twinjet auf dem Flughafen Fortaleza ab und überließ ihn seinem Schicksal. Die Airlines stellte 2009 ihren Betrieb ein, und der Flughafen behielt das Flugzeug.

Die „Landshut“ wird in Friedrichshafen restauriert und ausgestellt. © Dornier Museum Friedrichshafen

In diesem Jahr gründete sich eine Initiative zur Rettung der „Landshut“. Das Auswärtige Amt kaufte das Flugzeug, und die Lufthansa Technik demontierte in über 4.000 Arbeitsstunden mit einem 15-köpfigen Team die 737-200, damit sie per Lufttransport zur Restaurierung nach Deutschland gebracht werden könnte.

Eine gecharterte An-124 flog den Rumpf und einige Unterbaugruppen von Fortaleza mit einer Zwischenlandung in Espargos auf den Kapverdischen Inseln direkt nach Friedrichshafen. Die Tragflächen sowie die restlichen Teile der Landshut folgten am selben Tag an Bord einer Iljuschin Il-76, die ebenfalls auf den Kapverden zwischenlandete.

Über die Kapverden nach Friedrichshafen

In Friedrichshafen begrüßte eine große Menschenmenge die Ankunft der „Landshut“. Das Dornier Museum, die künftige Heimat des Flugzeugs, hatte aus diesem Grund zu einem Bürgerfest mit freiem Eintritt geladen. Statt des Eintritts hatte das Museum die Besucher um eine Spende für den Aufbau des Flugzeugs gebeten. Museumsdirektor David Dornier sagte zur Ankunft der An-124: „Das Team des Dornier Museums hat hart dafür gearbeitet, die Landshut nach Friedrichshafen zu holen. Dass sie jetzt hier ist, macht mich stolz.“

David Dornier, Jürgen Vietor, Diana Müll und Gabriele von Lutzau an der „Landshut“, bevor sie aus der An-124 geladen wurde. © Dornier Museum Friedrichshafen

Die „Landshut“ ist unter Federführung des Auswärtigen Amtes nach Deutschland geholt worden. Mit dem Ausladen wechselte die Verantwortung des Projektes vom Außenministerium zur Staatsministerin für Kultur. Unter ihrer Federführung wird nun ein Ausstellungskonzept entwickelt.

Die „Landshut“ soll auf dem Gelände des Dornier Museums einen eigenen Trakt bekommen, der auch separat besichtigt werden kann. Erst wenn das museale Konzept steht, wird mit den Arbeiten zur Restaurierung des des Flugzeugs begonnen. David Dornier geht davon aus, dass im Oktober 2019 die restaurierte „Landshut“ in einer eigenen Halle präsentiert werden kann.

Volker K. Thomalla

 

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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