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Die Rettungsflieger der Luftwaffe 1956 bis 1971

Mit dem Buch "Die Rettungsflieger der Luftwaffe" ist es dem Autor Hans-Werner Ahrens gelungen, Daten und Ereignisse detailliert, umfangreich und gut lesbar  darzustellen. Zahlreiche Zeitzeugen kommen zu Wort und erlauben dem Leser einen Blick hinter die Kulissen von Entscheidungen. 

1.11.2019

Hans-Werner Ahrens: Die Rettungsflieger der Luftwaffe 1956 bis 1971 Konzeption - Aufbau - Einsatz

Hans-Werner Ahrens hat wie geplant seinem Werk „Die Transportflieger der Luftwaffe 1956 bis 1971“  ein weiteres Buch folgen lassen. Das in der Reihe „Schriften zur Geschichte der Deutschen Luftwaffe“ erschienene Werk ist als Ergänzung des ersten Buches zu sehen.

Hans-Werner Ahrens beschreibt auf 280 Seiten detailliert und kenntnisreich die Einführung der Hubschrauber bei der Luftwaffe. Der Autor hat nicht nur Zugang zu einer Vielzahl von schriftlichen Primärquellen gehabt, sondern hat auch mit vielen Zeitzeugen Gespräche geführt. Das Ergebnis dieser jahrelangen Recherchen macht sich positiv bemerkbar.

Das Buch schildert im ersten Teil die Geschichte der Hubschrauber in der Bundeswehr, angefangen von den verschiedenen Mustern wie Bell 47G, Bristol Sycamore, Alouette II, Vertol H-21 und Sikorsky H-34 (S-58) bis hin zur Einführung der Bell UH-1D, die besonders umfangreich dargestellt wird. Viele Zitate aus Gesprächen mit Zeitzeugen erlauben dem Leser einen Einblick in die damalige Zeit und zeigen auf, welche Beweggründe hinter einigen Entscheidungen standen. Beispielsweise führt Ahrens aus, dass die Bundeswehr 1964 zwei Truppenversuche zur Neubeschaffung von Hubschraubern angesetzt hatte. Neben der Bell UH-1 Huey stand auch die französische Aérospatiale Super Frelon und die Sikorsky S-61R zur Wahl. Während das Bell-Muster ausführlich getestet werden konnte, lieh die US Air Force der Bundeswehr eine Sikorsky S-61R nur für 14 Testmissionen mit rund zehn Flugstunden. Die Flugversuche fanden bei der Heeresflieger-Waffenschule in Bückeburg statt. Die Super Frelon stand sogar nur für Demonstrationsflüge von einer Dauer von 4:45 Stunden zur Verfügung.

Härtetests mit der Bell UH-1D

Die Bell UH-1D stand sogar für härteste Tests zur Verfügung. Ein Teilnehmer an dem Truppenversuch schildert in dem Buch von Hans-Werner Ahrens: „Viel Aufsehen erregte die Überprüfung der Festigkeit der Hauptrotorblätter bei Baumberührung. Was im normalen Flugbetrieb tunlichst zu vermeiden war, wurde im Versuch absichtlich herbeigeführt – nämlich den Hauptrotor in eine Baumsilhouette hineinzusteigern! Ich kann mich noch lebhaft an die entsetzte Ablehnung der Amerikaner erinnern, als Oberstleutnant Rammelt diese Forderung an sie herantrug! Aber er setzte sich durch, der Versuch fand ohne Probleme statt und die entstandenen Dellen in den Rotorblättern hielten sich in den zulässigen Grenzen.“

Weitere Abschnitte des Buches beschäftigen sich mit dem Such- und Rettungsdienst (SAR), den Luftrettungs- und Verbindungsstaffeln, dem Lufttransportkommando, dem Hubschraubertransportgeschwader 64 in Landsberg und Ahlhorn, der Flugbereitschaft sowie dem Thema Flugsicherheit. In verschiedenen Kapiteln des Buches wird der erste große Einsatz der Rettungsflieger der Bundeswehr anlässlich der Sturmflut im Februar 1962 in Hamburg aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Dieser Einsatz war eine Zäsur in der Geschichte der Rettungsflieger, da er das Bewusstsein der Bevölkerung für die Bedeutung einer solchen Einrichtung schärfte.

Hans-Werner Ahrens ist aber nicht nur Chronist der Rettungsflieger der Luftwaffe. Er schildert auch menschliche Komponenten, die Einfluss auf die Truppe hatten. So stellt er ausführlich dar, wie in der Anfangsphase kriegsgediente Soldaten den Aufbau der Luftwaffe möglich gemacht hatten und dass sie zunächst der Idee der „Inneren Führung“ skeptisch gegenüber standen. Er beschreibt auch die Differenzen zwischen der Kriegsgeneration und der nachfolgenden Generation, die nach und nach Verantwortung in der Truppe übernahm. Die Transportflieger der Bundeswehr – und die Hubschrauberpiloten im Besonderen – hatten lange um Anerkennung zu kämpfen, denn sowohl in der Bundeswehr als auch in der Bevölkerung wurde ihre Arbeit geringfügiger wertgeschätzt als die der Kampfflugzeugpiloten.

Das Buch ist ein Standardwerk zum Thema Rettungsflieger der Luftwaffe und lässt sich gut lesen, da es strukturiert Daten und Ereignisse mit Zeitzeugen-Aussagen verbindet. Hans-Werner Ahrens war selbst Transportflugzeugführer und hat es im Laufe seiner militärischen Laufbahn bis zum Rang eines Generalmajors der Luftwaffe gebracht. Von 2005 bis 2010 war er der letzte Kommandeur des Lufttransportkommandos (LTKdo) in Münster. Es ist zu hoffen, dass er sich weiteren Themen annimmt und diese genauso kenntnisreich aufbereitet.

Das Buch „Die Rettungsflieger der Luftwaffe 1956 bis 1971 Konzeption – Aufbau – Einsatz“  ist über den Verlag, Books on Demand oder bei Amazon zu beziehen. Es ist im Carola Hartmann Miles-Verlag in der Reihe Schriften zur Geschichte der Deutschen Luftwaffe als Band 9 erschienen. Die  ISBN lautet 978-3-945861-93-6, der Preis beträgt 19,80 Euro.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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