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JU-AIR verliert Lizenz für gewerbliche Flüge

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) der Schweiz hat der JU-AIR die Genehmigung für gewerbliche Flüge entzogen. Aber sie hat die Möglichkeit, ihre Flüge weiter an Vereinsmitglieder anzubieten. Die JU-AIR hat angekündigt, ihre drei Ju 52 komplett zu restaurieren und im Sommer dieses Jahres einen reduzierten Flugbetrieb anzustreben.

13.03.2019

Die JU-AIR wird alle drei Ju 52 komplett restaurieren und Flüge für Vereinsmitglieder anbieten. © JU-AIR

Die Schweizer JU-AIR steht vor der größten Herausforderung seit ihrer Gründung vor 36 Jahren. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat angekündigt, der JU-AIR die Lizenz für kommerzielle Passagierflüge zu entziehen. Allerdings will das BAZL der Firma den Weiterbetrieb der historischen Ju 52 ermöglichen, indem sie nur noch Vereinsmitgliedern im privaten Rahmen ihre Flüge ermöglicht. Die JU-AIR besitzt drei Junkers Ju 52, die zwischen 70 und 80 Jahre alt sind und führte bislang mit ihnen kommerzielle Flüge durch.

Das BAZL begründet seine Maßnahme: „Nach dem Unfall einer JU-AIR-Maschine im Sommer 2018 hat das BAZL die Risiken von Passagierflügen mit Oldtimern neu beurteilt und ist zum Schluss gekommen, dass ein kommerzieller Weiterbetrieb mit historischen Luftfahrzeugen die heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllt. Dieser Entscheid wird auch durch Fakten aus der laufenden Unfalluntersuchung durch die SUST gestützt. Zusätzlich wird sich die europäische Gesetzgebung für Oldtimer ab Mitte 2019 ändern und einen kommerziellen Betrieb nicht mehr zulassen.“

Höhere Anforderungen an größere Oldtimer

Weiter teilte das BAZL mit: „Da Flugzeuge wie die Junkers Ju 52 eine grössere Zahl von Passagieren befördern können, müssen sie technisch und operationell höhere Anforderungen erfüllen als kleinere Oldtimerflugzeuge. Erschwerend kommt bei den Ju 52 hinzu, dass es keinen Hersteller mehr gibt, der für die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit verantwortlich ist. Das BAZL ist wie andere nationalen Aufsichtsbehörden schon aus Ressourcengründen nicht in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen. Die privaten Betreiber von grossen Oldtimerflugzeugen müssen sich daher entweder selbst dieses Fachwissen aneignen oder diese Aufgabe an einen externen Betrieb delegieren.“

Die JU-AIR startete am 17. August, zwei Wochen nach dem Unfall der HB-HOT, wieder zu ihren beliebten Rundflügen mit der Junkers Ju 52. © JU-AIR

Die JU-AIR stellt sich dieser Aufgabe und wird alle drei verbliebenen Junkers Ju 52 ihrer Flotte komplett grundüberholen. Da diese Arbeiten Zeit benötigen, wird der Flugbetrieb in diesem und im nächsten Jahr reduziert. 2019 wird nur die Ju 52 mit dem Kennzeichen HB-HOS an den Start gehen. Bei ihr werden seit November umfassende Korrosionsuntersuchungen durchgeführt, in deren Rahmen mit Hilfe neuester, hochauflösender Boroskopkameras auch kleinste Hohlräume in den Flügeln, Leitwerken und im Rumpf untersucht werden. Außerdem wurden die Verbindungspunkte innerhalb der Flügel mit Hilfe von Röntgenverfahren untersucht. Die Analysen der Untersuchungen stehe kurz vor dem Abschluss, teilte die JU-AIR mit.

Grundüberholung bis zum Sommer

Bis zum Saisonstart erhält die HB-HOS eine neue Verkabelung, ein überarbeitetes Cockpit, ein erneuertes Treibstoffsystem sowie eine neue Kabine. 2020 wird die historische Dreimot dann in ihre Baugruppen zerlegt, und die Flügel werden bei einem Spezialunternehmen generalüberholt. Die Generalüberholung der drei Maschinen stehe in keinem direkten Zusammenhang mit dem Absturz der HB-HOT im vergangenen August; sie sei eine freiwillige Investition in die Sicherheit und die Werterhaltung der Flugzeuge, teilte die JU-AIR mit. Die Tragödie und die darauf entstandene Unsicherheit über Ursachen und behauptete Mängel am Unfallflugzeug hätten die JU-AIR aber veranlasst, ihre drei Flugzeuge umfassend zu überholen.

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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