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Kunstprojekt: Künstler begräbt MiG-21 in Tschechien

Der britische Künstler Roger Hiorns hat in der Tschechischen Republik im Rahmen eines Kunstprojekts eine MiG-21 vergraben, die bei den tschechoslowakischen Luftstreitkräften geflogen ist. Der ehemalige Fighter soll aber nicht das einzige Flugzeug bleiben, das Hiorns beerdigt. 

4.10.2017

Im Rahmen eines Kunstprojekts wurde diese MiG-21 in der Tschechischen Republik vergraben. © Ruldofinum

Roger Hiorns ist ein britischer Künstler, der vor allem durch Installationen und Objekte bekannt wurde. Für sein neuestes Kunstwerk hat er einen überschallschnellen Kampfjet vom Typ MiG-21 benutzt. In Zusammenarbeit mit der Galerie Rudolfium aus Prag und dem Luftfahrtmuseum Koněšín hat er am vergangenen Sonntag in Dolní Břežany, südlich von Prag, den früheren Jagdbomber „begraben“. Er will damit die ländlichen Kunstformen in Bezug setzen zu dem wieder erstarkenden Phänomen der Übertragung von traditionellen Rituale in unsere heutige globalisierte Gesellschaft. Um den dem Menschen angeborenen Traum vom Fliegen zu verwirklichen, wurde leistungsstarke Maschinen erfunden, so der Künstler. Apparate, die Macht demonstrieren und zementieren, die den Triumph des Menschen unterstreichen, sich über die Schwerkraft erheben zu können, und die Technologie und Fortschritt repräsentieren.

Konfrontation von Maschine und Ritual

Genau diese Maschinen konfrontiert Hiorns mit dem letzten Ritus eines Menschen, als ein Akt des einsamen Lösens. Ein stiller Triumph in einer rückwärtsgewandten Landschaft, ein kurzes skulpturelles Happening mit einer unterschwelligen Sozialkritik.

Der Künstler hat den Ort Dolní Břežany gewählt, da er über eine lange Geschichte und eine interessante Gegenwart verfügt. Eine keltische Siedlung aus dem 6. Jahrhundert vor Christus wurde hier nachgewiesen, später gab es hier ein Renaissance-Schloss. Nun ist in der Nähe ein architektonisch interessanter, neuer Friedhof für die dynamisch wachsenden Bevölkerung des Ortes entstanden. Und hier wird auch an der Zukunft gearbeitet: Das ELI Beamlines Research Center des physikalischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik baut hier den mit 10 Petawatt stärksten Laser der Welt. Die MiG-21 ist auf einem öffentlich zugänglichen Teil des ELI Beamlines-Projektgeländes begraben.

MiG-21 war nicht einfach zu bekommen

Der Kurator des Projekts, David Korecky, sagte, es sei nicht einfach gewesen, überhaupt eine MiG-21 für dieses Kunstprojekt zu finden, da viele Sammler es abgelehnt hätten, einen Jet unter die Erde zu bringen. Der tschechische Flugzeugsammler Zdeněk Svobodník hat schließlich eine MiG-21 zur Verfügung gestellt. Das Flugzeug war 1971 von Aero Vodochody in der Tschechoslowakei in Lizenz gebaut worden und diente bis 1996 bei den Luftstreitkräften des Landes, bevor es ausgemustert wurde.

Ein weiteres Hindernis bei der Realisierung des Kunstprojektes waren Bedenken wegen Umweltschutz. Man hatte befürchtet, dass das begrabene Flugzeug den Boden verseuchen könne. Spezialisten des tschechischen Luftfahrtmuseums  Koněšín hätten aber sämtliche noch verbliebenen Flüssigkeiten und Schmiermittel aus dem Flugzeug entfernt, so dass von ihm keine Gefahr für den Boden ausgehe.

Hiorns will die MiG-21 nicht allein begraben, er strebt an, verschiedene Flugzeugmuster an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Kontexten zu beerdigen.

Volker K. Thomalla

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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