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Vor 30 Jahren: Erste Pilotinnen in einem Lufthansa-Cockpit

Das war damals eine Sensation: Vor 30 Jahren startete die erste Pilotin im Cockpit eines Lufthansa-Flugzeugs zu einem Linienflug. Frauen sind heute beim Cockpit-Personal aber immer noch in der Minderheit. Weltweit liegt ihr Anteil bei gerade einmal fünf Prozent.

16.08.2018

Elke Hieber ist bei der Lufthansa Kapitänin auf dem Airbus A380. © Lufthansa

Die beiden Frauen waren Pionierinnen, Wegbereiter im wahrsten Sinne des Wortes: Nicola Lisy (geborene Lunemann) und Evi Hetzmannseder (geborene Lausmann) haben 1988 geschafft, in eine Männerbastion einzudringen, die aus heutiger Sicht absurd erscheint. Die beiden Frauen starteten Ende August 1988 als erste Co-Pilotinnen für die Lufthansa im Liniendienst.

Nicola Lisy, geb. Lunemann (links) und Evi Hetzmannseder, geb. Lausmann, die ersten von Lufthansa ausgebildeten Pilotinnen, absolvierten im August 1988 im Cockpit einer Boeing 737-200 als 2. Offiziere ihre ersten Linienflüge. © Roland Fischer/Lufthansa

Vorstellung durch den Vorstand

Der damalige Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Heinz Ruhnau hatte es sich im März 1986 nicht nehmen lassen, die beiden Kandidatinnen zu Beginn ihrer Pilotenausbildung im Rahmen einer Pressekonferenz selbst vorzustellen, um zu unterstreichen, dass er hinter der – damals im Konzern durchaus umstrittenen – Entscheidung stand, Frauen den Weg ins Cockpit der Lufthansa zu ebnen. Lisa und Hetzmannseder absolvierten an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen und in Phoenix, im US-Bundestaat Arizona, im 154. Nachwuchsflugzeugführerlehrgang gemeinsam mit 14 männlichen Kollegen ihre Ausbildung. Den Abschluss der Ausbildung bildete das Type Rating auf der Boeing 737-200, das beide nach ihrem Training in Montreal in Kanada erhielten. Wie üblich flogen die beiden mit Check-Piloten (Ausbilder und Prüfer) zunächst einige Monate als Zweite Offiziere auf dem europäischen Streckennetz, bevor sie als Erste Offiziere im Cockpit der Boeing 737 Platz nahmen. Nicola Lisy wurde zehn Jahre später, am 31. Januar 2000, erster weiblicher Kapitän bei der Lufthansa wurde. Evi Hetzmannseder erhielt ihren vierten Streifen auf den Schulterklappen nur wenige Tage später.

Frauenanteil im Cockpit soll weiter steigen

„Frauen im Cockpit sind schon lange keine Sensation mehr. Aber, das lässt sich nicht leugnen: Etwas Besonderes sind Frauen in den vermeintlich klassisch-männlichen Luftfahrtberufen noch immer. In den Cockpits der Lufthansa Group Airlines arbeiten mehr als 10.000 Pilotinnen und Piloten, mehr als 4.000 davon bei Lufthansa. Rund sechs Prozent des Cockpitpersonals in der Lufthansa Group ist weiblich. Für die Kernmarke Lufthansa sind es aktuell sieben Prozent“, schreibt die Lufthansa in einer Mitteilung. Mit diesem Anteil liegt die Kranich-Airline über dem weltweiten Durchschnitt. Das kanadische Trainingsunternehmen CAE hat festgestellt, dass nur rund fünf Prozent aller Berufspiloten weltweit weiblich sind.

Magdalena Gruhn ist eine von vier Flugschülerinnen im aktuellen Jahrgang der European Flight Academy. © Lufthansa

Die Lufthansa hat für sich das klare Ziel gesteckt, nicht nur mehr Frauen für den Pilotenberuf zu begeistern, sondern auch mehr Frauen in Management-Positionen zu bringen. Nach Unternehmensangaben sind bereits 15 Prozent der Pilotenanwärter in den aktuellen Lehrgängen der European Flight Academy weiblich.

„Frauen sind ganz selbstverständlich bei unseren Lehrgängen dabei und stehen in den Leistungen ihren männlichen Kollegen in nichts nach. Wer einmal der Faszination des Fliegens erlegen ist, der verfolgt das Berufsziel Pilot mit großer Entschlossenheit – auch da stellen wir keinen Unterschied bei den Geschlechtern fest“, sagt Stefan-Kenan Scheib, Process Owner Pilot Schools Lufthansa Group und A320-Kapitän.

Pilotinnen fliegen alle Muster der Lufthansa-Gruppe, vom Bombardier CRJ900 bis zum Airbus A380. Elke Hieber ist Kapitänin auf dem Lufthansa-Flaggschiff A380. Sie begann 1988 als einzige Frau in einem 17-köpfigen Lehrgang ihre fliegerische Karriere. „Pilotin ist der perfekte Beruf mit spannenden Aufgaben und großer Flexibilität, um Familie und Beruf zu kombinieren“, sagt sie, die sich als Mutter zweier Kinder je zwei 18-monatige Auszeiten genommen hat und in unterschiedlichen Teilzeitmodellen flog. Dass die Berufswahl unabhängig vom Geschlecht sei, müsse mitunter erst in den Köpfen der Gesellschaft ankommen: „Viele Frauen kommen einfach nicht auf die Idee, sich für diesen Beruf zu bewerben.“

Volker K. Thomalla

 

 

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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