Homepage » Business Aviation » Erste CJ1+ der LAT im neuen Lufthansa-Farbschema

Der neue Markenauftritt der Lufthansa findet sich nicht nur auf den Verkehrsflugzeugen der Fluggesellschaft wieder. Nun wurde der erste Trainingsjet vom Typ Cessna Citation CJ1+ in Augsburg in dem neuen Farbschema lackiert.

10.04.2019

Die erste von insgesamt fünf Cessna Citation CJ1+ der Lufthansa Aviation Training nach ihrer Lackierung in Augsburg. © Augsburg Air Service

Die Lufthansa hatte im Februar 2018 ihren neuen Markenauftritt an einer Boeing 747-400 präsentiert. Seitdem sind über 40 Flugzeuge der Kranich-Flotte auf das neue Farbschema umlackiert worden beziehungsweise wurden als Neuflugzeuge bereits mit dem neuen Farbkleid der Airline versehen.

Auch ein Teil der Flotte der Lufthansa-Trainingstochter Lufthansa Aviation Training (LAT) wird nun an den neuen Markenauftritt angepasst. Die erste von insgesamt fünf Cessna Citation CJ1+ der Verkehrsfliegerschule der LAT wurde kürzlich beim Augsburg Air Service lackiert.

CJ1+ Lackierung Schritt für Schritt

„Wenn wir das Vertrauen eines namhaften Kunden gewinnen können, freut uns das besonders“,sagt Robert Lemke, Lackierer bei Augsburg Air Service. Ein Flugzeug zu lackieren erfordert einen höheren Aufwand als ein beispielsweise die Lackierung eines Autos. Auch an den Lack werden höhere Ansprüche gestellt, denn das Farbkleid darf auch dann nicht platzen, wenn schnelle Temperatursprünge von -50 Grad Celsius auf Reiseflughöhe zu +30 Grad Celsius nach der Landung den Lack stressen.

Die Citation CJ1+ der LAT wurde nach der Landung in Augsburg zunächst gründlich abgewaschen und gereinigt, um Ölrückstände zu entfernen. Sie würden sonst verhindern, dass das Beizmittel die Farbe auflöst. Anschließend klebten die Mitarbeiter sorgfältig alle Öffnungen, Schlitze, Scheiben, Antennen und den Fahrwerksschacht ab. „Sauberes Abkleben ist das A und O“,sagt Robert Lemke. „Die Beize darf Antennen und Fenster auf keinen Fall berühren und nicht in den Innenraum gelangen, weil sonst die Materialienbeschädigt werden können.“

Niete sind aufwendiger

 Jets sind leichter zu lackieren als Turboprop- oder Kolbenmotorflugzeuge, denn sie haben keine sichtbaren Nieten auf der Oberfläche, und dadurch ist der Lackiervorgang einfacher. Jedoch muss die „Aerodynamic Smoothness“ durch exaktes Spachteln (Filler) ausgeglichen werden. Flugzeuge aus Faserverbundwerkstoffen benötigen im Vergleich zu Metallflugzeugen eine andere Grundierung, dafür benötigen Metallflugzeuge mehr Korrosionsschutz als Composite-Flugzeuge.
Das Abbeizen wird mehrfach wiederholt, bis die letzten hartnäckigen Farbreste entfernt sind und das Flugzeug nur noch sein Metallkleid trägt. Manche Teile werden nicht mit Beize entlackt, sondern mechanisch. Nach dem Entlacken, was mehrere Arbeitstage in Anspruch nimmt, wäscht die Lackiercrew das Flugzeug wieder gründlich und entfernt alle Abdeckungen und Klebebänder. Als nächster Arbeitsschritt folgt das Vorschleifen der zu lackierenden Oberflächen, damit die erste Schicht des Korrosionsschutzesund die Grundierung besser haftet.

Dann kleben die Lackierer den Jet erneut ab und reinigen das Flugzeug komplett mit Silikonentferner. Selbst Fingerabdrücke und Staubpartikel werden entfernt, da sie das spätere Lackierergebnis beeinflussen könnten.

Abkleben ist das A und O beim Lackieren

Nun ist es soweit, dass zum ersten Mal die Spritzpistolen zum Einsatz kommen. Mit ihr bringen die Lackierer in zwei Spritzgängen die Grundierung (Primer) auf. Wenn der unter kontrollierten Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen durchgetrocknet ist, kommt die erste Deckschichtlackierung auf die Grundierung. Dann wird das Flugzeug für die erste Designfarbe abgeklebt und lackiert. Diese Arbeitsschritte wiederholen sich für jede weitere Designfarbe. Ganz am Schluss des eigentlichen Lackiervorgangs packen die Lackierer ihr Werk aus und entfernen alle Abdeckplanen und Klebebänder.

Insgesamt benötigen die Lackierer zwischen 60 und 80 Liter Lack für ein Flugzeug wie die Citation CJ1+ – allerdings landet nicht der gesamte Lack auf dem Flugzeug, ein Teil davon geht als Sprühnebel im Laufe des Arbeitsprozesses verloren. Parallel zum Flugzeug erhalten die Klein- und Anbauteile in separaten Lackierkabinen ihre Farbgebung. Dann bauen Mechaniker alle Ruder, Cowlings, Handlochdeckel, Landeklappen und Kleinteile wieder ein.

Der Lack wird hauchdünn aufgetragen

Den Abschluss ein jeder Lackierung bildet das Entfernen von Unregelmäßigkeiten wie eventuellen Staubeinschlüssen sowie die obligatorische Endprüfung, deren Ergebnis im Lack-Protokoll festgehalten wird. Obwohl der Lack bei einem Jet großen Temperatursprüngen ausgesetzt ist, wird er dennoch nur hauchdünn aufgetragen. Abhängig vom Flugzeugtyp beträgt die Lackdicke zwischen 70 und 130µ, also zwischen 0,007 und 0,013 Millimeter!  „Das Lackieren unter ungewöhnlich strengen Richtlinien – bei der Lufthansa war es von einem Audit begleitet – stellt für uns eine ganz besondere Herausforderung dar“, sagt Lemke. „Aber das Endresultat zu sehen, nachdem ich den Flieger sozusagen ‚blank‘ kenne, freut mich jedes Mal wieder.“

Der Augsburg Air Service kann in Augsburg Flugzeuge bis zur Größe einer Beechcraft King Air 350 lackieren. Aktuell lackiert die Firma pro Jahrzwei bis drei Flugzeuge komplett und führt 15 Teillackierungen durch. Die erste Citation CJ1+ ist jedenfalls zurück in Bremen bei Lufthansa Aviation Training und glänzt nun auf ihren Trainingsflügen in ganze Europa in dem gleichen Farbschema wie ihre großen Schwestern im Linieneinsatz.

Volker K. Thomalla  

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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