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Falcon 50-Unfall: Beide Piloten ohne korrekte Lizenz

Die misslungene Landung einer Falcon 50 in Greenville Ende letzten Monats scheint nach ersten Erkenntnissen der Unfallforscher des NTSB auf ein unglückliches Zusammentreffen von mehreren Faktoren zurückzuführen. Unter anderem waren beide Piloten nicht im Besitz der notwenigen Lizenz beziehungsweise des Ratings, um den Trijet in dieser Konfiguration zu fliegen.

8.10.2018

Die beiden Piloten der Falcon 50, die in Greenville verunglückt ist, hatten beide keine korrekten Lizenzen beziehungsweise Berechtigungen für dieses Muster. © Greenville Police Department

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) hat einen Zwischenbericht zu dem Unfall der Dassault Falcon 50 am 27. September 2018 in Greenville im US-Bundesstaat South Carolina veröffentlicht. Die Autoren des Berichts weisen ausdrücklich darauf hin, dass dieser Unfall weiter untersucht werde und dass der Zwischenbericht keine finalen Aussagen zur Unfallursache treffe.

Die zweiköpfige Besatzung der Falcon 50 wollte am 27. September aus Clearwater in Florida kommend in Greenville landen. Nach einem normalen Anflug und einem problemlosen Aufsetzen auf der Piste 19 aktivierte die Crew die Schubumkehr. Allerdings kam der Trijet nicht mehr vor dem Ende der Runway zum Stehen und schoss über das Pistenende hinaus. Das Flugzeug zerbrach, und beide Piloten kamen ums Leben. Die beiden Passagiere in der Kabine des Business Jets überlebten den Unfall schwer verletzt.

Triebwerke liefen noch nach dem Crash

Zwei der Triebwerke liefen noch 20 Minuten nach dem Crash, eines sogar noch 40 Minuten nach dem Unfall. Rettungskräfte hatten ausgesagt, dass eines der Besatzungsmitglieder während der Landung bewusstlos geworden war und die Schubhebel nach vorne geschoben hätte.

Die Anti-Skid-Funktion der Bremsen funktionierte bei dieser Falcon 50 nicht, und dies war auch der Besatzung bekannt. Ein Wartungstechniker hatte einen Aufkleber „INOP“ (inoperable = nicht benutzbar) am Tag des Unfalls neben dem entsprechenden Schalter im Cockpit abgebracht, schreibt das NTSB.

Die beiden Piloten waren nicht im Besitz einer für diesen Flug gültigen Lizenz beziehungsweise eines entsprechenden Ratings, stellt die NTSB in ihrem Zwischenbericht fest. Der Kapitän war mit über 11.000 Flugstunden ein gleichwohl erfahrener ATPL-Inhaber, allerdings hatte er keine Berechtigung, die Falcon 50 als Kapitän zu fliegen. Er durfte sie lediglich als Co fliegen. Der Copilot war weniger erfahren und hatte lediglich eine Privatpilotenlizenz. Er hatte kein Jet-Rating und keine Ausbildung auf dem verunglückten Muster.

Das NTSB strebt an, einen Abschlussbericht der Unfalluntersuchung in spätestens 18 Monaten zu veröffentlichen und dann auch eine endgültige Aussage über die Unfallursache zu treffen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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