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Flugzeuglackierung: Schön allein reicht nicht

Die Farbgebung eines Flugzeugs ist ein Aushängeschild des Besitzers beziehungsweise Betreibers. Die Lackierung ist aus gutem Grund arbeitsaufwendig, denn an die Außenhaut eines Flugzeugs werden extreme Anforderungen gestellt. Augsburg Air Service hat eine reiche Erfahrung mit der Ganz- und Teillackierung von Flugzeugen und Flugzeugkomponenten.

23.01.2020

Bei jedem Arbeitsgang werden die Flächen, die nicht mit Beize oder Farbe in Berührung kommen dürfen, sorgfältig angeklebt. © Augsburg Air Service

Die Lackierung eines hochwertigen Industrieproduktes wie eines Flugzeugs ist Vertrauenssache, denn sie muss im ersten Anlauf gelingen und begleitet den Auftraggeber einige Jahre. Sie spiegelt im Fall eines Privatflugzeugs auch ein Stück weit die Persönlichkeit und den Geschmack des Auftraggebers wider. Abgesehen davon ist eine Lackierung mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden und deshalb muss ein Kunde dem Betrieb vertrauen, den er mit der optischen Auffrischung seines Flugzeugs beauftragt.

Flugzeuglackierung

Gründe für eine Neulackierung gibt es mehrere: Bei Flugzeugen, die von gewerblichen Luftfahrtunternehmen genutzt werden, kann sich im Laufe der Jahre der Markenauftritt ändern, was zu einem neuen Farbschema der Flotte führt. Die Alterung der Farbe ist ein weiterer Grund. Flugzeuge – besonders solche mit einer Druckkabine, die in großen Höhen fliegen – sind starken Temperaturschwankungen unterworfen. 30 Grad Celsius am Boden und -50 Grad Celsius auf Reiseflughöhe sind Stress für die Flugzeugstruktur und den Lack. Auch die UV-Strahlung kann im Laufe der Jahre dem Flugzeuglack zusetzen, denn er ist nur zwischen 70 und 130µ, also zwischen 0,007 und 0,013 Millimeter dick. Autolack ist für Flugzeuge völlig ungeeignet, da er weder die auftretenden Spannungen durch die extremen Temperaturwechsel verträgt noch die UV-Beständigkeit aufweist, die für Flugzeuglack notwendig ist.

Lackierung nach der Instandhaltung

Große Wartungsereignisse erfordern zum Teil für tiefgehende Inspektionen ebenfalls die Entlackung von Komponenten und Baugruppen. Je nach Umfang wird dann eine Teil- oder komplette Neulackierung eines Flugzeugs notwendig.

Augsburg Air Service hat eine große Erfahrung mit der Neulackierung von Luftfahrzeugen. In den firmeneigenen Hallen am Flughafen Augsburg können die Lackierer Flugzeuge bis zur Größe einer Beechcraft King Air 350 mit einem neuen Farbkleid versehen. Pro Jahr lackiert das Unternehmen zwei bis drei Flugzeuge komplett und führt zirka 15 Teillackierungen durch.

Der Lackierprozess ist aufwendig, da er mit viel Handarbeit verbunden ist. Der erste Schritt bei einer Flugzeuglackierung ist zunächst einmal ein gründlicher Waschgang, mit dem Ölrückstände und Verschmutzungen auf dem Flugzeuglack entfernt werden. Diese Rückstände könnten verhindern, dass das Beizmittel bis auf den Lack durchdringt. Vor dem Abbeizen jedoch kleben die Lackierer alle Öffnungen, Fenster und Antennen ab, die durch die Beize Schaden nehmen könnten. „Sauberes Abkleben ist das A und O“, sagt Robert Lemke, Lackierer bei Augsburg Air Service. „Die Beize darf Antennen und Fenster auf keinen Fall berühren und nicht in den Innenraum gelangen, weil sonst die Materialien beschädigt werden können.“

Nach dem Abbeizen steht diese Cessna Citation CJ1+ in ihrem Metallkleid in der Lackierkabine. © Augsburg Air Service

Das Abbeizen wird in der Regel mehrfach wiederholt, bis der letzte Farbrest entfernt ist, und das Flugzeug „nackt bis aufs Metall“ dasteht. Jets seien leichter zu lackieren als Turboprop- oder Kolbenmotorflugzeuge, denn sie haben keine sichtbaren Nieten auf der Oberfläche, was die Bearbeitung vereinfacht. Allerdings müssen bei ihnen aerodynamische Unebenheiten exakt verspachtelt werden, um die Flugzeugleistungen nicht zu beeinflussen. Das Entlacken nimmt in der Regel schon mehrere Arbeitstage in Anspruch.

Danach entfernen die Lackierer alle Abklebungen wieder und schleifen die zu lackierenden Flächen, damit die Grundierung besser auf dem Metall haftet. Für die Grundierung von Metallflugzeugen kommt ein anderer Primer als bei Flugzeugen aus Faserverbundwerkstoffen zum Einsatz. Der gesamteLackiervorgang erfolgt bei kontrollierten Umgebungstemperaturen und bei definierter Luftfeuchtigkeit.

Abkleben, abkleben, abkleben

Dann kommt als erste, später sichtbare Schicht die Deckschichtlackierung auf die Grundierung, natürlich erst, nachdem wieder alle Öffnungen, Fenster und Antennen abgeklebt wurden. Dieser Arbeitsschritt wird für jede einzelne Designfarbe wiederholt. Parallel zum Flugzeug lackieren die Mitarbeiter die zuvor entfernten Anbauteile wie Klappen, Ruder, Handlochdeckel und anderes entsprechend den Vorstellungen des Auftragsgebers. Für einen Leichtjet benötigt man zwischen 60 und 80 Liter Speziallack. Der landet jedoch nicht komplett auf dem Flugzeug, da beispielsweise der Sprühnebel während des Aufbringens seinen Tribut fordert.

Nach Abschluss der Lackierung bauen die Techniker wieder sämtliche zuvor entfernten Teile an. Sollte es Staubeinschlüsse oder Unregelmäßigkeiten im Lackauftrag geben, werden diese anschließend beseitigt. Dann folgt die Endprüfung und das Erstellen des Lack-Protokolls. Die Abnahme durch den Kunden schließt die Lackierung ab. „Wenn der Kunde zufrieden ist, kann er sich nicht nur mehrere Jahre über den fabrikneuen Look seines Flugzeuges freuen, sondern er weiß auch, dass er sein Vertrauen dem richtigen Betrieb geschenkt hat“, sagt Florian Kohlmann, Geschäftsführer von Augsburg Air Service.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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