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General Electric gibt eigenen Flugbetrieb auf

Im Rahmen eines 2-Milliarden-Dollar-Einsparprogramms gibt ausgerechnet General Electric einen Großteil seines eigenen Flugbetrieb auf. Viele Mitarbeiter des Flight Departments werden entlassen, die Jets werden bis auf wenige Ausnahmen verkauft.

17.11.2017

Da war die Welt noch in Ordnung: Michimasa Fujino (li.) von Honda Aircraft und David Joyce von GE Aviation nach einem Flug im HondaJet. © Honda Aircraft

Ausgerechnet General Electric. Der Konzern, der einen Großteil seines Umsatzes mit Triebwerken für Flugzeugen verdient, hat seinen eigenen Flugbetrieb im Rahmen eines vom neuen Vorstandsvorsitzenden John Flannery verordneten Sparprogramms dramatisch reduziert. Rund zwei Milliarden US-Dollar soll das Unternehmen bis Ende 2018 einsparen und profitabler werden, verkündete Flannery bei Amtsantritt.

75 Jahre Flugbetrieb sind Geschichte

Eines der Opfer des Sparprogramms ist der seit 75 Jahren existierende Flugbetrieb  des Unternehmens. General Electric betrieb neben drei Bombardier Challenger 605 auch einen BBJ und mindestens zwei Bombardier Global XRS sowie zwei Hubschrauber vom Typ Leonardo AW139. Erst im März hatte das Unternehmen einen nagelneuen HondaJet in Dienst gestellt, ein zweiter war für das Frühjahr 2018 geplant. Darüber hinaus hat das Unternehmen über Fractional-Ownership-Anbieter auch noch Beteiligungen an Geschäftsreiseflugzeugen. Doch damit ist jetzt radikal Schluss.

Der Konzern will seinen Reisebedarf künftig nicht mehr mit eigenen Flugzeugen bedienen, sondern sich vor allem mit Charterflugzeugen behelfen. Lediglich der HondaJet sowie die Hubschrauber sollen dem Vernehmen nach den Kahlschlag überstehen und im Unternehmen bleiben. Die anderen Flugzeuge will General Electric aus seinen Bücher streichen, indem er sie verkauft.

Dabei hatte der Konzern direkt nach der Einführung des HondaJets in einem Promotion-Video die Vorzüge des eigenen Geschäftsreiseflugzeugs gelobt und über die Einsparmöglichkeiten durch den Betrieb eines eigenen Flugzeugs schwadroniert. Glaubwürdig sind die Aussagen nach den getroffenen Maßnahmen nun nicht mehr.

Volker K. Thomalla

 

Kommentar:

Man muss sich fragen, ob der neue GE-Chef John Flannery eigentlich weiß, in welcher Industrie sich sein Unternehmen bewegt. Dass ausgerechnet GE seinen Flugbetrieb so dramatisch reduziert, um angeblich Kosten zu sparen, ist ein Witz. Vielleicht gibt es im ersten Jahr nach der Reduzierung der Flotte auf zwei HondaJets und zwei Helikopter buchhalterische Einsparungen, weil man die Einnahmen aus den Flugzeugverkäufen auf der Habenseite verbuchen kann, aber mittel- und langfristig werden die Charterflüge anstelle der Flüge mit dem eigenen Flugbetrieb das Unternehmen teuer zu stehen kommen.

Kann man sich vorstellen, dass ein Telekommunikations-Unternehmen seinen Mitarbeitern verbietet zu telefonieren – und stattdessen zum Skypen auffordert, um Kosten zu sparen? Oder das Apple-Mitarbeiter dienstlich Samsung-Geräte zur Verfügung gestellt bekommen, weil die billiger sind als die eigenen? Sicher nicht! Aber genau dieses versucht General Electric gerade.

Selbstredend ist die Entscheidung des Unternehmens Sache von GE. Aber John Flannery hat GE Aviation mit seiner Anordnung, den Flugbetrieb radikal auszudünnen, keinen Gefallen getan. Er hat nämlich das wichtigste, und nicht mit Geld zu bezahlende Kapital des Unternehmens General Electric aufs Spiel gesetzt: Das Vertrauen der Triebwerkskunden in die Zuverlässigkeit von GE als Geschäftspartner.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

1 Kommentar

  • Udo

    Oh, Telefonverbot in einer Telefonfirma ist wirklich nichts Neues – da haben sich schon einige „zu Tode“ gespart.

    Das Prinzip Chartern statt Besitzen hat natürlich einen Spar-Effekt der nicht zu verleugnen ist: Besitz verleitet zu immer mehr Fliegen um die Einheitspreise immer weiter zu senken.

    Wünschen wir GE geschäftlichen Erfolg damit sie demnächst hoffentlich bald wieder fliegen können. Nicht nur beim Triebwerksverkauf – das ganze Fossile Geschäft ist im Wandel, siehe Siemens

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