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C42/CS mit Elektroantrieb hat Erstflug absolviert

Beim deutschen UL-Hersteller Comco Ikarus will man jetzt in Bezug auf Antriebe mehrgleisig fahren. Ein Teil der künftigen Flugzeuge soll mit alternativen Antrieben fliegen, wenn dies wirtschaftlich umsetzbar ist. Elektroflug heißt die Devise.

22.04.2018

Die elektrisch angetriebene C42/CS Electro von Comco Ikarus hat am 15. April 2018 ihren Erstflug erfolgreich absolviert. © Hellmut Penner

Um Elektroflug sinnvoll anzuwenden benötigt man keine vollkommen neuen Flugzeuge, wie es manche Experten fordern, ist man beim UL-Hersteller Comco Ikarus in Menge überzeugt. Im letzten Jahr präsentierte das kleine oberschwäbische Unternehmen auf der AERO erstmalig eine auf Elektroantrieb umgerüstete C42, dem deutschen Standard-UL.

Eigentlich wurde unter der Cowling nur der bewährte Rotax-Verbrennungsmotor gegen einen Elektromotor von Geiger Engineering ausgetauscht. Dazu wurde etwas Elektronik nebst Batterien eingebaut. „Bloß keine Wissenschaft daraus machen“, lautete die Devise. Über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) der Bundesregierung flossen bescheidene Mittel zur Entwicklung eines Antriebsstranges elektrischer Art. Mit im Programm natürlich auch Geiger Engineering.

Flugerprobung zunächst mit kleinem Motor

Das Entwicklungsziel war unter anderem ein luftgekühlter 50 kW-Elektromotor, doch des Realisierung bereitete  noch kleinere Probleme rein fertigungstechnischer Art. Joachim Geiger regte an, doch zumindest interimsweise es mit dem bewährten 2-Scheiben Außenläufer mit 32 kW zu versuchen, den er umgehend aus der laufenden Serie bereitstellte.

Toni Roth, inzwischen ein alter Fuchs in Sachen Elektroantriebe, stellte, nachdem bei der Comco ein Motorträger-Adapter entwickelt wurde, aus seinem Reservoir einen Batteriesatz, bestehend aus vier Lithium-Batterien mit je knapp 3,5 kWh und zwei Controller für den 32 kW HPD von Geiger Engineering zu Verfügung und assistierte sehr kurzfristig zur Vorbereitung des Comco-Teams bei der Anpassung des Antriebsstranges.

Wenige Tage vor Beginn der AERO in Friedrichshafen, am 15. April 2018, stieg Geschäftsführer Horst Lieb selbst ins Cockpit der C42/CS, die fortan die zusätzliche Bezeichnung „Electro“ führen wird, und startete am Flugplatz Mengen zu einem ausgedehnten ersten Erprobungsflug. Es waren keine 150 Meter, nach denen Lieb bereits abhob und in den Steigflug überging, obwohl der zusätzlich und kurzfristig ausgeliehene Propeller noch nicht einmal optimal an das Flugzeug angepasst war.

Nach gut 20 Minuten Flugzeit setzte Lieb zur Landung an. „Ich war erstaunt darüber, wie problemlos ich mit dem kleineren Geiger-Motor starten konnte, und auch die Steig- und Flugleistungen waren in Ordnung. Das ist alles noch nicht optimal und immer noch improvisiert, doch das Potenzial ist da! Nun steht fest: Wir werden an diesem Antriebskonzept dranbleiben. Mit einem größeren Batterie-Package sollten wir 90 Minuten Flugzeit herausholen können“, sagte Horst Lieb nach der Landung.

Wenn die Kalkulationen korrekt sind, wird der komplette Antriebsstrang nicht sehr viel mehr als der üblich verbaute Rotax 912 UL kosten. Strom kommt aus der Steckdose, und dann kostet eine Stunde Flugzeit nicht mehr als vier Euro! Welcher der Geiger-Motoren letztendlich in das Serienflugzeug kommt, ist noch nicht entschieden, das hängt auch von der weiteren Flugerprobung ab.

 

 

 

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