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Continental Motors sieht steigenden Bedarf an Jet-Fuel-Motoren

Der Motorenhersteller Continental Motors blickt auf eine über 100-jährige Firmengeschichte zurück. Das Unternehmen ruht sich aber nicht auf den Lorbeeren seiner Tradition aus, sondern investiert in neue Technologien und Produktionsmethoden, um die Zukunft der Allgemeinen Luftfahrt zu gestalten.

20.07.2018

Continental Motors hat bereits eine Vielzahl von STCs, um Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt auf Dieselmotoren umzurüsten. © Volker K. Thomalla

„Wir sehen einen steigenden Bedarf für Jet-Fuel-Antriebe“, sagte Rhett C. Ross, Präsident und Hauptgeschäftsführer (CEO) von Continental Motors aus Mobile im US-Bundesstaat Alabama, im Gespräch mit Aerobuzz.de. Die Wahl des Flugzeugherstellers Piper Aircraft, den zweimotorigen Trainer Piper Seminole DX, mit CD170-Motoren von Continental Motors auszurüsten, unterstreicht diese Aussage. Piper hatte das Programm auf der AERO in Friedrichshafen im April dieses Jahres gelauncht und will die Seminole DX bis Mitte des nächsten Jahres zugelassen haben.

Piper wird die PA-44 Seminole DX mit CD170-Motoren von Continental ausrüsten. © Piper Aircraft

Die Seminole ist neben der Archer DX bereits das zweite Muster in Pipers Trainerfamilie mit Dieselmotor. Ein Grund für die steigende Popularität von Dieselmotoren in der Luftfahrt seien neben den steigenden Ölpreisen und der weiter absinkenden Verfügbarkeit von Avgas auch die Einfachheit und Sicherheit der Motorenbedienung, so Ross. Die Einhebelbedienung der FADEC-gesteuerten CD-Motoren sei vergleichbar mit der Einhebelbedienung, die Piloten später im Airliner vorfänden. Flugschüler und Fluglehrer könnten sich mehr um die wesentlichen Ausbildungsinhalte kümmern und müssten dank der Dieselmotoren mit Einhebelbedienung nichts mehr lernen, was sie später nicht mehr bräuchten.

Ebenfalls im April dieses Jahres hat sich beispielsweise die Flugschule Wayman Aviation Academy aus North Perry in Florida entschlossen, ihre Flotte von 31 Flugzeugen mit Avgas-Motoren auf Jet-Fuel-Antriebe umzurüsten. „Der steigende Ölpreis hat die wirtschaftlichen Prämissen verändert“, sagt Ross. „Wir sehen deutlich mehr Anfragen von Flugschulen und Flugzeugbetreibern für Umrüstungen.“

Continental Motors bietet im Dieselmotor-Segment eine Palette an, die vom Vierzylinder CD135 mit 135 PS (101 kW) bis zum Sechszylindermotor vom Typ CD300 mit bis zu 300 PS (223 KW) reicht. Supplement Type Certificates (STC) für die Umrüstung auf Jet-Fuel-Motoren liegen für eine Vielzahl von einmotorigen Flugzeugen vor, darunter die gängigsten Typen der Allgemeinen Luftfahrt wie die Cessna 172 , die Piper PA-28 und die Diamond Aircraft DA40.

Continental investiert in neue Technologien

Continental Motors gehört seit 2011 zu Technify Motors (USA), Ltd., einer Tochterfirma des chinesischen Luftfahrtkonzerns AVIC. Seitdem haben die Chinesen in die Produktentwicklung und den Ausbau der Services investiert. Das neueste Investment ist der Bau einer neuen Fabrik unter dem Namen Blue Marlin. Das Unternehmen investiert hier 26 Millionen US-Dollar allein in das Gebäude und noch einmal 16 bis 17 Millionen Dollar in die Maschinen. „Das ist ein riesiges Investment für uns“, so Ross. Alle Gebäude, in denen Continental in den USA derzeit produziert, stammen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Blue Marlin-Fabrik, mit deren Bau im nächsten Jahr begonnen wird, soll neue Maßstäbe in puncto Produktivität, Effizienz, Automation und Qualität setzen.

Continental ist global tätig

Continental Motors ist ein global tätiges Unternehmen mit Standorten in den USA (Mobile, Fairhope, Miami), Deutschland (St. Egidien, Altenburg) und Beijing (China). Christopher Kuehn ist als Vice President Sales/Support angetreten, um die Sichtbarkeit von Continental Motors als globale Marke zu verbessern und den Kundenservice zu einem 24/7-Kundendienst umzubauen. „Wir konzentrieren uns derzeit auf unser Kundenservices und haben einen neuen Leiter für unsere Wartung und Überholung eingestellt. Momentan suchen wir noch einen Leiter für unsere globale Lieferkette“, sagt Kuehn im Gespräch mit Aerobuzz.de.

Auch wenn Jet-Fuel-Motoren bei Continental Motors eine steigende Priorität genießen, vergisst Rhett C. Ross nicht die Benzinmotoren, die heute noch einen Großteil des Umsatzes ausmachen. „Avgas ist nicht tot. Es wird noch eine ganze Weile auf dem Markt blieben“, ist der Continental-Präsident überzeugt. Das Portfolio des Hersteller umfasst eine breite Palette an verschiedenen Modellen und Leistungsklassen vom O-200 mit 74,6 kW bis zum TSIO-550-Sechszylinder mit 350 PS (261 kW). Cirrus hat in den vergangenen Jahren immer die Verkaufsstatistiken für einmotorige Kolbenmotorflugzeuge mit den Modellen SR22 und SR22T angeführt. Beide Muster sind mit Continental 550-Motoren ausgerüstet.

Die Motoren der Continental 500-Familie sind unter anderem in den erfolgreichen Cirrus-Mustern SR22 und SR22T zu finden. © Continental Motors

Umsatzrelevant für das Unternehmen sind auch Zukäufe, die Continental Motors integriert hat. 2015 kaufte der Hersteller das Unternehmen Danbury Aerospace auf, die PMA-Teile für Lycoming-Motoren sowie Titan-Motoren für Experimentals gefertigt haben. „Danbury ist nun bei uns komplett integriert“, sagt Christopher Kuehn. „Wir haben alles hierher nach Mobile verlagert. Die Teile und die Motoren unterliegen den gleichen Qualitätsansprüchen wie die von Continental. Wir sehen, dass die Marktakzeptanz von Jahr zu Jahr wächst.“ 

Für den Vertrieb dieser Komponenten und Teile hat Continental mit der Boeing-Tochter Aviall ein General-Vertriebsabkommen geschlossen.

Innovation beschränkt sich bei dem Motorenhersteller aber nicht nur auf neue Motoren oder Technologien. Der Hersteller versucht auch, bestehende Produkte aus eigener Herstellung oder von Wettbewerbern zu verbessern. 2015 brachte Continental mit den NiC3-Zylindern Motorenkomponenten auf den Markt, die durch ein besonderes Verfahren mit einem keramischen Nickel-Silikon-Hartmetall beschichtet werden. Die Zylinder sind dadurch weniger korrosionsanfällig und bieten verbesserte Laufeigenschaften. Continental bietet für die NiC3-Zylinder anstelle der üblichen Zwei-Jahres oder 1.000-Stunden-Garantie eine auf fünf Jahre verlängerte Garantie an.

Während des ab Montag stattfindenden EAA AirVentures in Oshkosh, Wisconsin, wir Continental von Montag bis Samstag in Vorträgen Besucher des Fly-ins über verschiedene Themen rund um Flugmotoren informieren. Die Teilnahme an den jeweils einstündigen Seminaren ist kostenlos.

Volker K. Thomalla

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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