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Der letzte Mann auf dem Mond ist gestorben

Eugene (Gene) Cernan, der letzte Mann auf dem Mond, ist am 16. Januar 2017, im Alter von 82 Jahren gestorben. Nach seiner aktiven Zeit bei der NASA diente er auch als Markenbotschafter von Bombardier.

18.01.2017

NASA-Astronaut Gene Cernan bei einem Fernsehinterview im Jahr 2009. Foto und Copyright: Bill Ingalls/NASA

NASA-Astronaut Gene Cernan bei einem Fernsehinterview im Jahr 2009. Foto und Copyright: Bill Ingalls/NASA

Gene A. Cernan war kein Mann mit Starallüren. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, ihn mehrfach persönlich zu treffen und mit ihm längere Zeit zu sprechen. Er war begeistert von der Luft- und Raumfahrt und wusste diese Begeisterung mit anderen zu teilen. Es lag ihm am Herzen, vor allem die Jugend für die Luft- und Raumfahrt zu gewinnen. Er hatte eine unaufdringliche, aber einprägsame Rhetorik. Am 16. Januar 2017 ist er an den Folgen eines Schlaganfalls im Kreise seiner Familie gestorben.
Gene Cernan kam als Captain der US Navy zur NASA und wurde im Oktober 1963 als Astronaut ausgewählt. Seinen ersten Trip ins All machte er zusammen mit Commander Thomas P. Stafford an Bord von Gemini 9 im Juni 1966. Bereits auf diesem Flug führte er als zweiter Amerikaner einen „Weltraumspaziergang“ durch, der mehr als zwei Stunden dauerte.
An Bord von Apollo 10 erprobte Cernan im Mai 1969 als Kommandant der Mondlandefähre in der Mondumlaufbahn die Verfahren zum Ab- und Aufstieg sowie zum Rendezvous und zum erneuten Andocken an den Mondorbiter, eine entscheidende Testserie vor der ersten Mondlandung zwei Monate später. Sein dritter und letzter Flug ins All führte ihn im Dezember 1972 schließlich auf den Mond. Die Mission Apollo 17 stellte mehrere Rekorde auf: Den für den längsten Aufenthalt auf dem Mond (301 Stunden, 51 Minuten), die längste Aufenthaltsdauer außerhalb des Mondlanders (22 Stunden, 6 Minuten), und die längste Zeit im Mondorbit (147 Stunden und 48 Minuten). Die Besatzung von Apollo 17 bestand aus Harrison H. Schmitt, Ronald Evans und Eugene Cernan. Die Besatzung der Apollo 17 war dank des Mondautos Lunar Rover sehr mobil und konnte um die Landefähre herum ein größeres Gebiet erforschen als alle anderen Mondmissionen zuvor. Gene Cernan stellte den Lunar Rover am Ende der Mission an der vorgesehenen Stelle ab und schrieb die Initialen seiner Tochter in die staubige Mondoberfläche. Am 14. Dezember 1972 um 05.40 UTC stieg er in die Mondlandefähre und verließ als letzter Mensch die Mondoberfläche. Er sagte: „Wir gehen, wie wir gekommen sind, und so Gott will, wie wir zurückkehren werden, mit Friede und Hoffnung für die gesamte Menschheit.“ Sein Wunsch, dass die Menschheit auf den Mond zurückkehren würde, erfüllte sich bislang nicht. Die Frage, ob Menschen überhaupt jemals auf dem Mond gewesen wären, beantwortete Cernan immer mit dem Satz: „Holen Sie sich ein starkes Teleskop und schauen Sie sich die Landestelle von Apollo 17 an. Neben dem Lunar Rover finden Sie die Initialen TDC im Mondstaub.“
Bei einem Gespräch mit Gene Cernan erzählte er mir, dass er als Redner zu einer Veranstaltung des Chicago Police Department eingeladen war. Die Organisatoren hatten sich für diese Gelegenheit einen besonderen Scherz ausgedacht. Sie verpassten ihm einen Strafzettel, da er das Mondauto im Parkverbot abgestellt habe. Die Polizisten forderten ihn auf, das Auto umgehend aus der Parkverbotszone zu entfernen.
Cernan schied im Juli 1976 aus der NASA aus und wurde Berater und Geschäftsmann. Er gab das Fliegen nicht auf und diente ab 1997 als Markenbotschafter des Business-Jet-Herstellers Bombardier Business Aircraft. Er hatte Type Ratings für verschiedene Geschäftsreisejets wie den Bombardier Challenger 300. Der kanadische Hersteller verleiht jährlich einen „Eugene Cernan Safety Award“ in Anerkennung besonderer Leistungen um die Flugsicherheit in der Geschäftsluftfahrt. 1999 schrieb Cernan seine Lebensgeschichte auf und veröffentlichte sie in Buchform unter dem Titel „The Last Man on the Moon“.

Volker K. Thomalla

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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