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Der Lilium Jet-Prototyp ist zum ersten Mal geflogen

Neben den Großen der Aerospace-Branche haben vor allem viele kleine Start-up-Unternehmen den Hype um künftige Flugtaxis befeuert. Entwürfe für bemannte und unbemannte Vehikel für die Urban Mobility gibt es viele. Lilium aus Weßling bei München hat nun den wichtigen Schritt geschafft, einen echten Prototypen zum Fliegen zu bringen. 

16.05.2019

Die Gründer von Lilium Jet mit dem ersten Prototypen des Fluggerätes. © Lilium

Nachdem das 2015 gegründete Unternehmen Lilium aus Weßling bei München bereits 2017 einen verkleinerten Proof-of-Concept-Prototypen des Lilium Jets auf dem Flugplatz Mindelheim-Mattsies bei mehreren Flügen testen konnte, hat es nun am 4. Mai dieses Jahres den ersten echten Prototypen seines fünfsitzigen, elektrischen Flugtaxis Lilium Jet zu einem Ersthüpfer in die Luft geschickt.

Lilium Jet

Um 08.03 Uhr Ortszeit stieg der von 36 Elektromotoren angetriebene Prototyp ferngesteuert zu einem 40 Sekunden dauernden, stationären Flug auf und landete wieder. Der Flug mag nicht lange gedauert haben, für das Unternehmen ist er jedoch ein wichtiger Meilenstein – und verglichen mit dem ersten Flug der Brüder Wright am 17. Dezember 1903, der nur zwölf Sekunden dauert, dauerte der Hüpfer des Lilium Jets ja eine kleine Ewigkeit. Die Geschichte hat – wie im Fall der Wrights – bewiesen, dass nicht die Dauer des Erstflugs entscheidet, ob ein Projekt erfolgreich wird. In einem Youtube-Video ist der erste Flug des Prototyp zu sehen.

Die 36 Motoren des vollelektrisch angetriebenen Lilium Jets  sind in Einzeleinheiten in den vorderen und hinteren Tragflächen des Flugtaxis integriert. Zum Start und zur Landung stellen sich die Antriebsgondeln senkrecht und erlauben so den Senkrechtstarter beziehungsweise eine Senkrechtlandung. Zum Reiseflug schwenken die Antriebsgondeln in eine horizontale Position und sorgen für den benötigten Vortrieb.

Kurzer Erstflug, riesiger Schritt

Daniel Wiegand, Mitbegründer und Hauptgeschäftsführer (CEO) von Lilium, sagte nach dem Erstflug: „Heute machen wir einen weiteren riesigen Schritt für die Realisierung einer individuellen urbanen Flugmobilität. In weniger als zwei Jahren ist es uns gelungen, ein Luft-fahrzeug zu entwerfen, zu bauen und erfolgreich zu fliegen, das uns nun als Grundlage für die geplante Massenproduktion dienen wird. Es war immer unsere Ambition, den Lilium Jet von zwei auf fünf Sitze zu erweitern. Nur so kann der Luftraum für noch mehr Reisende er- schlossen werden. Das Flugzeug in seiner ganzen Schönheit in den Himmel aufsteigen zu sehen, hat uns sehr berührt. Wir glauben, dass wir die Ausgewogenheit zwischen Geschwindigkeit, Reichweite und Effizienz gefunden haben, die die Art und Weise, wie Menschen weltweit leben und reisen, revolutionieren kann.“

Das Lilium-Team hat ausgerechnet, dass sein Fluggerät eine maximale Geschwindigkeit von 162 Knoten (300 km/h) erreichen kann und maximale Distanz von 162 nautischen Meilen (300 Kilometer) nonstop überbrücken kann. Im Gegensatz zu vielen Drohnen, die als Drehflügler ausgelegt sind, und deswegen einen Großteil ihrer Energie dafür aufwenden müssen, überhaupt in der Luft zu bleiben, trägt der durch die Rumpfform des Lilium Jets erzeugte Auftrieb zu einem sehr effizienten Flug bei.

Nach dem ersten Abheben will das Start-up nun die Leistungsfähigkeit seines Fluggerätes bei weiteren Flügen unter Beweis stellen und den Lilium Jet zertifizieren. Leandro Bigarella, der Leiter der Flugtestabteilung bei Lilium, sagte: „Der Erstflug ist immer ein Moment der Wahrheit für ein Unternehmen. Der Lilium Jet erfüllte unsere Erwartungen vollständig und reagierte gut auf unsere Inputs. Seit Erreichen dieses Meilensteins haben wir zunehmend komplexere Manöver mit gleichen Erfolgen durchgeführt und freuen uns jetzt auf unser nächstes großes Ziel, die Durchführung des Übergangsflugs: Die reibungslose Bewegung des Flugzeugs vom vertikalen in den horizontalen Flug.“

Ehrgeiziger Zeitplan

Lilium will jedoch nicht nur als Hersteller des Lilium Jets auftreten, sondern auch in der nachgeordneten Wertschöpfungskette beim Flugbetrieb mitmischen. So plant das Unternehmen einen On-Demand-Flugtaxi-Service. Passagiere sollen „auf Knopfdruck“ per App den nächstgelegenen Start- und Landeplatz finden. Dazu will Lilium ein dichtes Netz an Landeplätzen in Städten und Regionen etablieren. Der Preis für einen Flug mit einem Lilium Jet soll vergleichbar mit dem Taxierest in Städten sein. Bereits 2025 will Lilium in verschiedenen Städten seine Dienste kommerziell anbieten.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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