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Flugabenteuer pur: Mit zwei TBM über den Südpol

Das Flugabenteuer ihres Lebens erfüllten sich zwei Piloten, die mit ihren TBM-Turboprop-Singles den Südpol überflogen haben. Dass die Besatzungen der beiden Flugzeuge verschiedene Generationen ihrer Familien verband, machte den Flug zu einem ganz besonderen Erlebnis.

23.01.2019

Die Piloten von zwei TBM-Turboprop-Flugzeugen haben im Januar 2019 den Südpol überflogen. © S. Diaz

Was für ein Flugerlebnis! Anfang dieses Monats haben zwei Turboprop-Reiseflugzeuge vom Typ Daher TBM nach eigenen Angaben den magnetischen Südpol überflogen. Am Neujahrstag dieses Jahres trafen sich die Besatzungen der beiden Flugzeuge (eine TBM 850 und eine TBM 930) auf dem Flugplatz Arica, der nördlichsten Stadt Chiles, um gemeinsam zu ihrem Trip zu starten. Die eine Besatzung bestand aus drei chilenischen Piloten aus drei Generationen der Familie Diaz aus Santiago. Sebastian Diaz flog gemeinsam mit seinem 88-jährigen Vater Patricio Diaz – der nach wie vor eine gültige Pilotenlizenz mit TBM-Rating hat – und seinem Sohn Sebastian Diaz jr. als Copiloten.

Die andere Besatzung kam mit ihrer TBM 930 aus Gary im US-Bundesstaat Illinois. Dierk Reuter und sein Sohn Alex hatten sich schon Tage zuvor auf den Weg gemacht und waren mit Stopps in New Orleans, Panama City und Guayaquil nach Arica geflogen. Die beiden hatten die Aufgabe übernommen, den Flug der beiden TBM zu dokumentieren und posteten mittels einer Iridium-Satellitenverbindung in Echtzeit Fotos aus dem Cockpit auf Social Media-Kanälen.

Ziel: 75 Grad südlicher Breite

Von Arcia ging es nach Santiago de Chile und von dort 2.700 nautische Meilen (5.000 Kilometer) mit mehreren Zwischenlandungen nach Süden. Ihr Ziel bestand darin, einen Punkt südlich von 75° südlicher Breite zu erreichen, denn dies ist notwendig, damit der globale Luftsportverband Fédération Aéronautique Internationale (FAI) den Flug für das Polar Diamond Circumnavigator Diploma anerkennt.

Die Vorbereitungen waren entscheidend für den Erfolg des Fluges. Obwohl derzeit antarktischer Sommer herrscht, können dennoch leicht -49 °Celsius erreicht werden, die von starken Winden begleitet werden. Sebastian Diaz sagte: „Wir standen vor der Herausforderung, das Einfrieren des Treibstoffsystems zu verhindern. Wegen der extrem niedrigen Temperaturen nutzten wir mehr Prist als sonst.“ Die Antarktis ist auch fliegerisch herausfordernd, da sie Berge mit einer Höhe von 4.892 Meter (16.050 Fuß) Höhe beherbergt. Eine genaue Navigation ist für ein solches Unterfangen unumgänglich. Das Wetter kann innerhalb von Minuten von einem klaren blauen Himmel in Null Sicht umschlagen.

Überlebensanzüge gehören zur Pflichtausrüstung aller Insassen bei solchen Flügen in die Polarregionen. © Sebastian Diaz

Am 1. Januar starteten sie von Punta Arenas an der Südspitze des Kontinents über Kap Horn zum Teniente Rodolfo Marsh Martin Airport auf der King George-Insel. Die  dortige Schotterpiste ist 1.290 Meter lang.

Einen Tag später flogen die beiden Besatzungen zur britischen Sky-Blu Base rund 800 Meilen weiter südwestlich, bevor sie den südlichsten Punkt ihrer Reise erreichten und umkehrten. Dabei überflogen sie den magnetischen Südpol unseres Planeten und kehrten zur chilenischen Basis auf der King George-Insel zurück. Auf dem Rückflug führten sie einen zuvor arrangierten Vorbeiflug an dem Expeditionsschiff National Geographic Orion durch, der faszinierende Foto- und Filmaufnahmen der beiden Turboprop-Singles hervorbrachte.

Auf dem Rückweg überflogen die beiden TBM ein Expeditionsschiff, von dem aus die Aufnahmen entstanden sind. © S. Diaz

Dierk Reuter sagte nach seiner Rückkehr in die USA: „Die Reise von meiner Heimatstadt Chicago zu einem Punkt 75 Grad südlicher Breite und 71 Grad West kann in ein paar Zahlen zusammengefasst werden: 18.782 nautische Meilen, 64 Flugstunden, 3.080 Gallonen Jet Fuel und 19 Zwischenlandungen. Aber diese Daten können nicht das Gefühl wiedergeben, was es für einen Piloten bedeutet, über den Südpol zu fliegen. Die TBM ist einfach ein unglaubliches Flugzeug, um die Erde zu erkunden!“

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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