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Rolls-Royce testet hybrid-elektrisches Antriebssystem

Rolls-Royce setzt auf ein hybrid-elektrisches System für den Antrieb künftiger Generationen von Fluggeräten. Die ersten Prüfstandläufe hat das System erfolgreich bestanden. Schon 2021 soll das erste Experimentalflugzeug mit dem neuen Antriebssystem abheben.

20.03.2019

Schon 2021 soll das erste Exemplar des Experimentalflugzeugs von Rolls-Royce mit hybrid-elektrischem Antriebssystem starten. © Rolls-Royce

Der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce hat in der vergangenen Woche erstmalig ein kleineres hybrid-elektrisches Antriebssystem für künftige Fluggeräte auf dem Prüfstand getestet. Das System, das von Ingenieuren in den Vereinigten Staaten, Singapur und dem Vereinigten Königreich entwickelt wurde, besteht aus einer M250-Wellenturbine, die normalerweise Hubschrauber antreibt, und einem Generator, der elektrische Energie für die Motoren oder für die Speicherung in Batterien erzeugt. Damit will der Hersteller die Nachteile des reinen Elektrofluges mit Batterien – geringe Reichweite, lange Ladezeite – ausgleichen und den Fluggeräten eine alltagstaugliche Reichweite bescheren.

Die Konstrukteure haben ausgerechnet, dass das System einem neuen Flugzeug mit einer maximalen Startmasse von 2.000 Kilogramm eine Reichweite von rund 1.600 Kilometern verleihen könnte. Damit passt es genau zu dem von Rolls-Royce auf der Farnborough International Airshow im vergangenen Juli vorgestellten eVTOL-Konzeptflugzeug.

Prüfstandläufe in Indianapolis

Rolls-Royce hat das hybrid-elektrische Antriebssystem in Indianapolis in den USA getestet. Dort wurden zunächst alle Komponenten des Systems einzeln erprobt. Bei den Prüfstandläufen haben die Testingenieure verschiedene Flugzustände wie Start, Reiseflug und Landung erprobt.

Die Prüfstandläufe des neuen Systems umfassten die drei Betriebsarten hybrid-seriell, hybrid-parallel und turbo-elektrisch. Bei hybrid-seriell erzeugt das System ausschließlich elektrische Energie für die Elektromotoren des Antriebs und trägt selbst nicht zur Erzeugung von Vortrieb bei, bei hybrid-parallel erzeugt das System elektrische Energie und treibt beispielsweise einen Propeller direkt an. Bei der Betriebsrat turbo-elektrisch speist das System die erzeugte elektrische Energie ausschließlich in Batterien ein, die wiederum die Elektromotoren mit Energie versorgen.

Das System ist darauf ausgelegt, Leistungen zwischen 500 kW und 1 MW zu erzeugen. Rolls-Royce entwickelt das neue Antriebssystem für eine große Bandbreite von Fluggeräten von Reise- und Trainingsflugzeugen der General Aviation über Hybrid-Hubschrauber bis hin zu eVTOL-Drohnen für die künftige urbane Mobilität. Der Hersteller will bereits 2021 mit ersten Testflügen starten.

Rolls-Royce sieht eine Anwendungsmöglichkeit für seinen hybrid-elektrischen Antrieb bei künftigen manntragenden autonomen Fluggeräten. © Rolls-Royce

Dr. Mike Mekhiche, der stellvertretende Direktor von Rolls-Royce Electrical, sagte enthusiastisch: „Die Elektrifizierung ist eine der aufregendsten Entwicklungen in der Luftfahrt seit der Entwicklung des Jumbo Jets. Wir sind entschlossen, unsere komplette Erfahrung in der Luft- und Raumfahrt zu nutzen, um bei der Entwicklung innovativer Antriebssysteme ganz vorne mit dabei zu sein, um die Anforderungen des nächsten Kapitels der Luftfahrt zu erfüllen. Wenn wir dies erreichen, werden wir die Art und Weise verändern, wie Fluggeräte entworfen und produziert werden, die Reisezeit reduzieren, die Frachtzustellung revolutionieren und die Art und Weise, wie wir unsere Städte und Infrastruktur planen, verändern.“

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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