Homepage » Helikopter - news » Kobe Bryant-Absturz: NTSB hat die Unfallstelle geräumt

Kobe Bryant-Absturz: NTSB hat die Unfallstelle geräumt

Die Unfalluntersucher des NTSB haben die Unfallstelle in der Nähe des Ortes Calabasas geräumt, an der am Sonntag eine S-76B abgestürzt ist. Die Wrackteile des Helikopters wurden in ein Labor nach Phoenix transportiert. Derzeit versuchen die Unfallforscher auch, das iPad des Piloten auszuwerten, da dieser auf dem iPad Foreflight geladen hatte und es auch regelmäßig nutzte.

31.01.2020

Das NTSB hat die Unfallstelle des Crash der S-76B in der Nähe von Calabasas geräumt. Die Wrackteile wurden zur weiteren Untersuchung in ein NTSB-Labor gebracht. © NTSB

Die Bestürzung über den Tod der US-Basketball-Legende Kobe Bryant hält in Kalifornien und in der Region Los Angeles an. Nach wie vor strömen Hunderte von Menschen zur Halle, wo Bryant zuletzt gespielt hatte. Beim Absturz einer Sikorsky S-76B am Sonntag war der ehemalige Spieler der LA Lakers zusammen mit acht weiteren Insassen des zweimotorigen Hubschraubers ums Leben gekommen.

Die US-Unfall-Untersuchungsbehörde NTSB (National Transportation Safety Board) hat die Unfallermittlungen innerhalb kürzester Zeit aufgenommen, um festzustellen, was zu dem Absturz geführt hat. Sie hat in die Pressekonferenzen über den Stand der Dinge bei der Unfallermittlung berichtet. An der Unfallstelle haben NTSB-Inspektoren die Lage der Wrackteile dokumentiert und sie anschließend auf einen Anhänger geladen und in ein auf Flugzeugunfälle spezialisiertes Labor nach Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gebracht.

Das NTSB-Ermittlerteam hat folgende Fakten bislang ermittelt:

Um 09.45 Uhr Ortszeit startete die S-76B mit dem Kennzeichen N72EX mit neun Personen an Bord vom Flughafen John Wayne Orange County Airport zu einem Flug in den Nordwesten von Los Angeles. Dort wollte Kobe Bryant zusammen mit seiner Tochter ein Basketballspiel ansehen. Der Hubschrauber flog unter VFR beziehungsweise Special VFR-Bedingungen. Der Pilot war über Funk in Kontakt mit der Flugsicherung. Die hatte aber aufgrund der niedrigen Flughöhe der S-76B und des hügeligen Geländes zum Teil keinen Radarkontakt mit dem Helikopter.

Das Wetter im Norden von Los Angeles war denkbar schlecht. Es herrschte dichter Nebel mit Sichtweiten von zum Teil unter 100 Metern. Die Polizei von Los Angeles hatte ihre Helikopter aufgrund der schlechten Sichten an diesem Tag nicht starten lassen.

Der Pilot der S-76B verfügte über eine Flugerfahrung von über 8.200 Stunden. Er hatte einen Berufspilotenschein mit Instrumentenflugberechtigung. Sein letztes Medical hatte er im Juli 2019 gemacht, als einzige Einschränkung wurde ihm das Tragen einer Brille zur Verbesserung der Nahsicht aufgetragen.

12 Minuten Vollkreise bei schlechten Sichten

Nach dem Start drehte der Hubschrauber in Richtung Nordwesten. Über Glendale musste die S-76 verkehrsbedingt insgesamt zwölf Minuten warten, bevor sie eine Special VFR-Freigabe zum Durchflug durch den Luftraum erhielt. Während dieser Wartezeit flog der Pilot mehrere 360-Grad-Kreise. Als sich der Hubschrauber über dem hügeligen Gelände befand, fragte er nach einem Flight Following, aber ATC konnte ihm nicht helfen, da er zu tief für das Radar flog.

In der Nähe des Ortes Calabasas dreht der Hubschrauber nach links und stieg kurzzeitig auf 2.300 Fuß Höhe. Danach sank er mit einer hohen Sinkrate von über 4.400 Fuß pro Minute und schlug in einer Höhe von 1.085 Fuß auf dem Gelände auf. Der Aufprall war so heftig, dass der Helikopter einen Krater verursachte. Es brach ein Feuer aus, das einen Großteil der Wrackteile verbrannte. Die Wrackteile lagen auf einer Strecke von 150 bis 170 Meter verteilt. Der Hauptrotorkopf lag rund 100 Meter von dem Krater entfernt. Das NTSB geht nach bisherigen Kenntnissen davon aus, dass der Helikopter bis zum Aufprall intakt war und dass sich keine Teile vor dem Aufprall von dem Hubschrauber gelöst haben.

TFR über der Unfallstelle

Die FAA hat eine zeitweilige Flugbeschränkungszone (TFR) über der Unfallstelle eingerichtet. Der Unfall ereignete sich in unwegsamem Gelände, das von der Polizei am Boden nur durch berittene Polizei gesichert werden kann.

Die Unfalluntersucher haben die Wrackteile auf einen Transporter geladen und sie in eines ihrer Labore nach Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gebracht, wo nun verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden. Die S-76B muss nicht und war auch nicht mit einem Flight Data Recorder (FDR) oder einem Cockpit Voice Recorder (CVR) ausgerüstet sein. Allerdings haben die NTSB-Ermittler ein iPad gefunden, auf dem der Pilot das Flugplanungs- und -durchführungsprogramm ForeFlight geladen hatte. Die Ermittler versuchen gerade, das iPad auszulesen, um von dort Daten zu bekommen, die bei der Aufklärung des Unfalls helfen können.

Das NTSB hat Bewohner aufgerufen sich zu melden, die zum Unfallzeitpunkt Handy- oder Videoaufnahmen von der Gegend gemacht haben.

Volker K. Thomalla

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen? Weitere Berichte zur Flugsicherheit: 

US-Basketball-Legende Kobe Bryant stirbt bei Helikopterabsturz

Sightseeing-Helikopter auf Hawaii abgestürzt

Eine EC135 aus Bückeburg ist abgestürzt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.