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Heli-Weekend: Die Faszination der Drehflügler

Das Heli-Weekend am Regionalflughafen Grenchen ist eine Luftfahrt-Meeting der besonderen Art. Alles dreht sich um Drehflügler. Das Publikum erhält einen umfassenden Einblick in die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten und Muster.

26.06.2017

Die Deutsche Luftwaffe war mit der Sikorsky CH-53GA 84+73 präsent. © Peter Brotschi

Der Hubschrauber ist aus der Luftfahrt nicht mehr wegzudenken. Er transportiert alle und alles: Die verletzte Kuh von der Alp ins Tal, den VIP an die Konferenz und den Holzstamm aus dem Bergwald; die Soldaten an die Front oder von dort zurück, er rettet die Schiffbrüchigen aus dem Meer, die Alpinisten aus der Gletscherspalte und die Unfallopfer von der Straße; der Helikopter kann dem Fernsehturm die Spitze aufsetzen und der Kirche den Wetterhahn. Und der Helikopter fasziniert: Das wurde einmal mehr offensichtlich, als der Schweizer Regionalflughafen Grenchen (LSZG) zum zehnten Mal  zu einem Schauplatz ganz im Zeichen der Drehflügler wurde. Der von der Firma Heli-West organisierte Anlass ist der einzige in der Schweiz, der ganz den Helikoptern gewidmet ist. Die Eidgenossenschaft hat mit einer Landesfläche, die zu über 60 Prozent aus Gebirge besteht, eine klassische Topografie für Drehflügler. 2015 waren 326 Helikopter im Luftfahrzeugregister eingetragen, was bei rund 8 Mio Einwohner europaweit eine überdurchschnittliche Pro-Kopf-Zahl  gibt.

Das Publikum konnte beim Heli-Weekend die Helikopter aus nächster Nähe begutachten. © Peter Brotschi

Zu bestaunen gab es in Grenchen Hubschrauber aus allen Bereichen. Vom kleinen, zweiplätzigen „Heuwender“, wie es in der Fliegersprache salopp heißt, bis zur riesigen militärischen Transportmaschine. So etwa die Sikorsky CH-53GA des Hubschraubergeschwaders (HSG) 64 der Deutschen Luftwaffe aus Holzdorf südlich von Berlin. Die Crew flog von Holzdorf nach Laupheim und übernahm dort die 84+73, die dann in Grenchen ausgestellt wurde. Der Riesenheli war gleich zu Beginn der Ausstellung der Hingucker. Später gesellte sich der Kamow KA-32 A12 von Heliswiss International hinzu. Eindrücklich bei ihm die koaxial angeordneten und gegenläufig drehenden Hauptrotoren. Dieses System bietet den Vorteil einer besseren Umsetzung der Energie in Kraft, was diesen Heli zum absoluten Meister von Schwerlast-Transporten macht.

Das Heli-Weekend ist auch ein Fly-in

Das Heli-Weekend ist als Fly-in konzipiert. Ein ständiges An- und Abfliegen gehört zum Programm. Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) hat ihre Basis von Bern-Belp nach Grenchen verlegt. Der Airbus Helicoptes EC145 musste während des Wochenendes mehrmals zum Einsatz starten. Die Schweizer Luftwaffe zeigte mit einem Airbus Helicopters AS332 Super Puma eine eindrückliche Demonstration. Ebenso präsent war der Ausbildungs- und Verbindungshelikopter Airbus Helicopters EC635, also die militärische Variante des H135.

Air Glacier zeigte beim Heli-Weekend in Grenchen eine Unterlast-Demo. © Peter Brotschi

Ein großer Trumpf des Heli-Weekends ist es, dass eine größere Nähe nicht mehr möglich ist: Das Publikum drängte sich um die Drehflügler, konnte mit der Hand über die glatten und farbigen Oberflächen fahren. Die Sinne wurde angesprochen, das Tasten, Sehen, Riechen und natürlich das Hören mit dem Pfeifen der Triebwerke und dem Knattern der Rotorblätter. Wo man hinblickte, sah man die Zuschauer in Gespräche vertieft mit den Piloten, Mechanikern und Flughelfern. Dass ein „Eichhörnchen“ heute in den Alpen das moderne Maultier ist, bewies Erwin Schärz mit einem Ecureuil-Helikopter: Der Pilot von Air Glacier aus Lauterbrunnen im Berner Oberland flog eine Demo mit Unterlast und zeigte, welche Effizienz und Genauigkeit mit diesem aviatischen Arbeitsgerät möglich sind.

Gleichzeitig mit dem Heli-Weekend fanden in Grenchen die Schweizermeisterschaft im Helikopter-Präzisionsfliegen statt. Zwölf Teams maßen sich in zwei Parcours. Schweizermeister wurde das Team „Blitz Helikopter“  auf Robinson R44 mit  Pilot Christoph Weber und Co-Pilot Enzo Rota.

Beim Heli-Weekend gab es ein ständiges Kommen und Gehen. Hier wird eine Cabri G2 zur Parkposition gestoßen. © Peter Brotschi

Grenchen ist eine Uhren- und Technologiestadt im Kanton Solothurn am Südfuß des Juras. Bekannte Uhrenfabriken haben hier ihren Sitz und Produktionsstätten wie etwa die Swatch Group, Breitling oder Fortis. Auf dem Regionalflughafen mit seiner 1000-Meter-Hartbelagspiste findet sich gemischter Verkehr vom Segelflug und Fallschirmspringen bis zum Business Jet. Lufthansa Aviation Training (ehemals Swiss Aviation Training) ist in Grenchen ansässig mit der Pilotenausbildung auf Diamond Aircraft DA40 und DA42.

Peter Brotschi

Über Peter Brotschi

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Peter Brotschi ist seit über 30 Jahren im Luftfahrtjournalismus. Er war Chefredakteur der AeroRevue und Autor mehrerer Bücher, darunter "Gebrochene Flügel - alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe". Fliegerische Erfahrung hat er über Jahrzehnten zuerst im Segelflug und dann im Motorflug gesammelt. Er lebt in der Technologie- und Fliegerstadt Grenchen (LSZG) am Südfuss des Juragebirges. www.peterbrotschi.ch

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