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Löschhubschrauber von morgen, heute und gestern

Besucher der Heli-Expo in Anaheim konnten auf der Messe einen kompletten Überblick über Löschhubschrauber und Zubehör zur Brandbekämpfung aus der Luft gewinnen. Auch einen Einblick in die Geschichte konnten die Besucher bekommen: Eine Gruppe von Enthusiasten hat den ersten in Los Angeles genutzten Löschhubschrauber restauriert und auf der Heli-Expo ausgestellt.

1.02.2020

Der dritte im Bunde der Firehawk-Betreiber aus Kalifornien, die auf der Heli-Expo 2020 ausstellten, war das San Diego Fire Department. © V. K. Thomalla

Auf der Hubschraubermesse Heli-Expo, die in dieser Woche in Anaheim in Kalifornien stattgefunden hat, waren Löschhubschrauber ein großes Thema. Angesichts der verheerenden Busch- und Waldbrände in Kalifornien in den vergangenen Jahren und der riesigen Waldbrände, die Australien in den letzten Monaten heimgesucht haben, lag es für die Hersteller nahe, die Messe zu nutzen, um die Fähigkeiten ihrer Helikopter und ihres Zubehörs prominent darzustellen.

Die Lockheed Martin-Tochter Sikorsky Aircraft hatte im Dezember gleich drei ihrer auf die Brandbekämpfung aus der Luft spezialisierten Hubschrauber, die S-70 Firehawk, an drei Feuerwehren in Kalifornien geliefert. Auf der Heli-Expo in Anaheim waren alle drei Firehawks vertreten.

Löschhubschrauber auf der Heli-Expo

Als Basismuster der Firehawk dient die S-70i Blackhawk, die Sikorsky in seinem Werk in Stratford im US-Bundesstaat Connecticut produziert. Von dort fliegen die neuen Helikopter  zu United Rotorcraft, wo sie ein verlängertes Fahrwerk erhalten, das die Installation eines 3.780 Liter Löschmittel fassenden Tanks unter dem Rumpf ermöglicht, einen einziehbaren Schnorchel, mit dem der Helikopter im Schwebeflug den Tank in rund einer Minute füllen kann sowie eine Rettungswinde. Die S-70 Firehawk können in ihrer Kabine bis zu zwölf Feuerwehrleute aufnehmen, um sie im Bedarfsfall schnell zu Einsatzschwerpunkten zu fliegen.

AS332 Firecat fliegt bei Heli Austria

Auch Airbus Helicopters zeigte in Anaheim einen Löschhubschrauber in Form einer  AS332 Super Puma der Heli Austria. Das Muster ist mit einem FT4250-Löschmitteltank des australischen Hersteller Helitak ausgerüstet, der über 3.800 Liter fasst. Am Tank ist ein Schnorchel zur Aufnahme von Löschwasser im Schwebeflug integriert. Heli Austria nennt die AS332 mit Löschbehälter Firecat.

Auf Tanks von Helitak setzt auch der Umbauspezialist HP Helicopters, der ausgemusterte UH-60 der US-Streitkräfte modifiziert. Eine dieser Umbauten betrifft auch die Installation eines Helitak-Tanks mit Schnorchel. Die außer Dienst gestellten UH-60 geben die US-Streitkräfte hauptsächlich an Behörden ab.

Coulson-Unical bietet ebenfalls einen Umbau für die UH-60-Familie an. Dabei erhält der Hubschrauber allerdings einen von Coulson-Unical entwickelten Tank aus Faserverbundwerkstoffen an, der aus der UH-60 einen Hubschrauber mit der Bezeichnung CU-60 Helitanker macht. Auch dieser Helikopter ist in der Lage, 3.800 Liter Wasser an den Brandort zu transportieren und die Ladung dort präzise abzuwerfen.

Ohne einen großen Umbau können Hubschrauber-Betreiber den Löschwasser-Außenlastbehälter Bambi-Bucket nutzen. Dazu muss der Helikopter lediglich mit einem ausreichend dimensionierten Lasthaken ausgerüstet sein. Der Bambi-Bucket ist auch in Deutschland bekannt. Verschiedene Feuerwehren in Deutschland verfügen bereits über diese hilfreichen Löschmittelbehälter, auch der Bundespolizei gehören mehrere dieser Behälter.

Der Löschhubschrauber der Zukunft sieht nach Ansicht von Erickson Air Crane von außen nicht viel anders aus als der heute eingesetzte S-64 Air Crane, aber im inneren kann das Muster eine Modernisierung vertragen. Auf der Heli-Expo kündigte das Unternehmen an, den Air Crane in Zusammenarbeit mit Sikorsky Aircraft weiterzuentwickeln. Die beiden Unternehmen unterzeichneten in Anaheim eine Übereinkunft, um die Brandbekämpfung aus der Luft im 21. Jahrhundert in Angriff zu nehmen. Erickson wird an der Entwicklung der nächsten Generation von  Flugkontrollsteuerungen für die Brandbekämpfung in der Nacht arbeiten und dabei die MATRIX-Technologie von Sikorsky in ein digitales Brandbekämpfungssystem integrieren. Ein solches System ist bislang noch nie zuvor bei der Brandbekämpfung in der Nacht eingesetzt worden.

Bell 47G als fliegende Feuerwehr

Zufällig gewährte eine Gruppe von Hubschrauber-Enthusiasten auch einen Einblick in die Geschichte der Löschhubschrauber. Die Los Angeles Fire Department (LAFD) Historical Society hatte ihre Bell 47G-3 nach Anaheim gebracht. Bei dem 1962 gebauten Hubschrauber handelt es sich um den ersten Helikopter in der Region, mit dem Brände aus der Luft gelöscht worden sind.

Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre gab es immer wieder Buschbrände in Los Angeles, die ihren vorläufigen Höhepunkt im November 1961 bei dem so genannten Bel Air Fire fanden, durch das 484 Häuser zerstört wurden und 68 Quadratkilometer Buschfläche verbrannten. Danach suchte die Feuerwehr von Los Angeles nach Wegen, Buschbrände schon in ihrer Entstehungsphase zu bekämpfen. Allerdings war das mit bodengebundenen Einsatzfahrzeugen seinerzeit nicht effektiv, da es zu lange dauerte, aufgrund der hügeligen Landschaft diese Brände mit Fahrzeugen zu erreichen.

Die Feuerwehr überzeugte die Stadtverwaltung davon, dass ein Hubschrauber ein wirkungsvolles Einsatzmittel sein könnte und erhielt die Genehmigung, eine Bell 47 zu kaufen. Den Tank mit einem Fassungsvermögen von 396 Liter Wasser (105 Gallonen) entwickelten Ingenieure in Zusammenarbeit mit dem LAFD. Er konnte dank der mit den Feuerwehrschläuchen kompatiblen Anschlüssen schnell befüllt werden. Das Wasser oder andere Löschmittel konnten von dem Piloten gezielt abgeworfen werden.

Der Einsatz der Bell 47 erwies sich trotz der heute gering erscheinenden Wassertankkapazität als sehr wirkungsvoll. Ein turbogeladener Vierzylinder-Motor mit 270 PS erlaubte dem Hubschrauber die Mitnahme einer vollen Wasserladung auch unter Hot & High-Bedingungen.

Die Bell war bis Ende der siebziger Jahre im Einsatz, dann wurde sie durch einen Bell JetRanger mit Turbinentriebwerk abgelöst. Glücklicherweise landete sie aber nicht auf dem Schrottplatz, sondern fand einen Abstellplatz in einem Lagergebäude. Dort spürte sie der ehemalige LAFD-Pilot Jeff Moir von der LAFD Historical Society auf und nahm sich des Helikopters an. Er restaurierte die Bell 47 in mehrjähriger Arbeit und zeigt sie heute bei verschiedenen Gelegenheiten in Südkalifornien.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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