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Sikorsky feiert 40 Jahre UH-60 bei der US Army

Vor genau 40 Jahren hat Sikorsky den ersten Helikopter vom Typ UH-60 Black Hawk an die US Army abgeliefert. Seitdem hat der heute zum Lockheed Martin-Konzern gehörende Hersteller über 4.000 weitere Exemplare für Nutzer in aller Welt produziert. 

1.11.2018

Ein UH-60M Black Hawk wirbelt bei der Landung auf dem Seiler Creek Range Complex in Idaho loses Material auf. © US Air Force/Roy Linch

Am 31. Oktober 1978 begann mit der Übergabe der ersten Sikorsky UH-60 Black Hawk die Dienstzeit dieses Musters bei der US Army, die bis heute andauert. Nach heutiger Planung soll das Muster voraussichtlich noch bis 2070 bei der US Army dienen, wenn auch in modernisierter Form.

UH-60 Black Hawk

Das Muster wurde als Ersatz für die Bell UH-1 Iroqouis beschafft. Dazu hatte das US-Verteidigungsministerium eine Ausschreibung (UTTAS/Utility Tactical Transport Aircraft System) veröffentlicht, an der sich Bell, Boeing Vertol und Sikorsky Aircraft beteiligten. Die Army meldete zu diesem Zeitpunkt einen Bedarf von 1.107 Helikoptern an. Die geforderten Spezifikationen forderten einen zweimotorigen Helikopter, der in der Lage sein sollte neben drei Besatzungsmitgliedern auch elf ausgerüstete Soldaten zu befördern und mit dieser Zuladung mindestens 2,3 Stunden lang zu fliegen. Die Marschgeschwindigkeit sollte bei mindestens 145 Knoten (270 km/h) liegen. Ein weiterer Punkt war die Steigleistung: Die US Army forderte eine Steigleistung von mindestens 450 Fuß pro Minute bei einem Start in 4.000 Fuß Höhe und bei einer Außentemperatur von 35 °Celsius. Zu den Forderungen an den neuen Helikopter gehörte auch eine hohe Crashsicherheit sowie ein Mindestschutz gegen Beschuss.

Nur acht Monate nach Eingang der Unterlagen der Wettbewerbsteilnehmer beauftragte das Pentagon im August 1972 Boeing mit dem Bau von drei Prototypen der YUH-61A sowie Sikorsky mit dem Bau von drei Prototypen der YUH-60A.

Ein Crash wurde zum Vorteil für die YUH-60A

Die erste YUH-60A flog am 17. Oktober 1974 und wurde im März 1976 an die US Army in Fort Rucker übergeben, wo sie im Wettbewerb gegen Boeings YUH-61A antrat. Während der Tests wurde eine YUH-60A bei einem Unfall schwer beschädigt, konnte aber in kurzer Zeit von Sikorsky vor Ort wieder repariert werden. Dies beeindruckte die militärischen Tester und floss als deutlicher Pluspunkt in die Bewertung ein. Am 26. Dezember 1976 erklärte das US-Verteidigungsministerium die UH-60 – die Sikorsky-intern S-70 heißt – zur Gewinnerin der Ausschreibung und erteilte dem Hersteller einen ersten Auftrag. Den Namen Black Hawk erhielt der Hubschrauber nach dem Häuptling Black Hawk des Indianerstammes Sauk aus dem Mittleren Westen der USA. Er hatte von 1767 bis 1838 gelebt und 1832 im letzten Indianerkrieg östlich des Mississippi seinen Stamm geführt.

Die erste Version des Hubschraubers, die UH-60A wurde von 1977 bis 1989 produziert. Bereits 1988, also zehn Jahre nach Beginn der Auslieferungen an die US Army, übergab Sikorsky die 1.000. UH-60A an die Armee. Ab 1989 ersetzte die UH-60L die UH-60A als Standardmodell. Das 2.500. Exemplar des Musters lief 2001 in der Sikorsky-Fabrik in Stratford im US-Bundesstaat Stratford vom Band. 2006 kam mit der UH-60M die Nachfolgerin der UH-60L auf den Markt. Sie ist bis heute das Standardmodell der US Army.

Aus der US Army-Version heraus entwickelte Sikorsky weitere Versionen. Dazu gehören unter anderem:

  • HH-60G Pave Hawk: Rettungshubschrauber für CSAR und SAR-Missionen
  • EH-60A Quick Fix: Eloka-Hubschrauber für die US Army
  • HH-60H Seahawk: bordgestützer Marinehubschrauber
  • HH-60J Jayhawk: land- und bordestützter Rettunsghubschrauber für die US Coast Guard
  • MH-60S Seahawk: bordgestützter Mehrzweckhubschrauber
  • SH-60B Seahawk: U-Boot-Jagdhubschrauber
  • S-70 Black Hawk: Exportversion der UH-60
  • S-70i Black Hawk: Exportversion der UH-60, die von PZL Mielec gebaut wird
  • S-70 Firehawk: zivile Version der UH-60 zur Brandbekämpfung

Insgesamt hat Sikorsky Aircraft – die mittleweile zum Lockheed Martin gehören – über 4.000 Helikopter der UH-60-Familie produziert. Alle Black Hawk-Helikopter haben zusammen über 10 Millionen Flugstunden absolviert. Die UH-60M der US Army haben zu dieser Zahl allein 910.000 Flugstunden beigetragen.

Weitere Versionen des Helikopter-Multitalents sind in der Planung beziehungsweise im Bau: Eins optional bemannte UH-60M soll noch in diesem Jahr fliegen, und mit der HH-60W ist eine Nachfolgerin der HH-60G Pave Hawk bereits im Bau.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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