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747-400 Cosmic Girl startet erstmalig mit Rakete

Virgin Orbit hat den ersten Flug seiner Boeing 747-400 "Cosmic Girl" mit einer untergehängten LauncherOne-Rakete erfolgreich absolviert. Bereits im Frühjahr 2019 soll der Jumbo Jet als fliegende Startplattform in den Einsatz gehen.

25.11.2018

Die Boeing 747-400 "Cosmic Girl" der Virgin Orbit flog am 19. November 2018 erstmalig mit der zweistufigen Rakete für Satellitenstarts unter der linken Tragfläche. © Virgin Orbit

Das zur Virgin Group des britischen Milliardärs Sir Richard Branson gehörende Unternehmen Virgin Orbit will künftig Satelliten in den Weltraum befördern. Die Rakete LauncherOne soll dazu von der modifizierten Boeing 747-400 Cosmic Girl auf Starthöhe gebracht werden, bevor sie sich vom Jumbo löst und mit eigenem Antrieb in den Orbit fliegt. Virgin Orbit kann nach den Berechnungen der Konstrukteure mit dieser Startmethode Nutzlasten von bis zu 400 Kilogramm in den Weltraum transportieren.

Virgin Orbit

Am 18. November startete die 747-400 mit dem Spitznamen „Cosmic Girl“ in Victorville im US-Bundesstaat Kalifornien erstmalig zu einem Flug mit der 21,34 Meter langen LauncherOne-Rakete unter der linken Tragflächen. Das vierstrahlige, ehemalige Passagierflugzeug stieg nach dem Start auf eine Flughöhe von 16.000 Fuß (4.877 Meter) und flog mit variierenden Geschwindigkeiten zwischen 160 (296 km/h) und 309 Knoten (572 km/h). Während des Fluges testete die Besatzung unter der Führung von Virgin Orbit Chefpilot Kelly Latimer das grundlegende Handling des Flugzeugs sowie verschiedene Flugzustände mit ein- und ausgefahrenem Fahrwerk. Nach einer Flugzeit von einer Stunde und 19 Minuten setzte die „Cosmic Girl“ wieder auf der 9.138 Fuß (2.785 Meter) langen Piste 21 des Southern California Logistics Airport in Victorville wieder auf.

„Die Fluggeräte flogen heute traumhaft“, sagte Latimer nach der Landung. „Alle Besatzungsmitglieder an Bord und alle Kollegen am Boden waren extrem zufrieden mit den Daten, die unsere Instrumente im Flugzeuge, am Pylon und in der Rakete zeigten. Aus meiner Cockpitperspektive kann ich nur sagen, dass die Fluggeräte unglaublich gut geflogen sind und genau das Verhalten zeigten, das wir im Simulator trainiert hatten.“

Erster Raketenstart im nächsten Frühjahr

Vor einem echten Raketenstart – der für das Frühjahr 2019 geplant ist – wird „Cosmic Girl“ noch mehrere weitere Flüge mit und ohne untergehängte Rakete durchführen. Die nächsten Flüge dienen vor allem dazu, die Konstruktion des Pylons sowie der aus Kohlefaser gefertigten LauncherOne-Rakete zu testen. Virgin Orbit hat die Aufhängevorrichtung an der Stelle unter der Tragfläche installiert, an der bei einer Boeing 747-400 ein fünftes Triebwerk für einen Transport montiert werden kann.

Virgin Orbit hat bereits mit dem Bau von mehreren LauncherOne in seiner Fabrik in Long Beach in Kalifornien begonnen. Sobald die Erprobung abgeschlossen ist, will das Unternehmen mehrere Satelliten pro Jahr kostgünstig ins All schießen.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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