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Boeing und Embraer diskutieren über eine Fusion

Die Aerospace-Industrie steht vor einer weiteren Konsolidierung: Nachdem Bombardier das C Series-Programm an Airbus abgegeben hat, diskutiert Boeing nun mit Embraer über eine Fusion. 

21.12.2017

Boeing und BOC Aviation haben einen in Paris angekündigten Vertrag über zehn Boeing 737 MAX 10 jetzt unterschrieben. © Boeing

Der US-Aerospace-Konzern Boeing Company und der brasilianische Flugzeughersteller Embraer haben bestätigt, dass sie über Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit führen. Die derzeitigen Gespräche seien keine Garantie, dass es auch zu einer Zusammenarbeit komme, so die Unternehmen. Jedwede Entscheidung in dieser Angelegenheit müsse die Zustimmung der entsprechenden Behörden und Firmengremien erhalten, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen. Weitere Statements zu diesem Thema lehnten beide Seiten ab.

Singapore Airlines hat 20 Boeing 777-9 bei Boeing bestellt. © Boeing

Eine Zusammenarbeit oder selbst eine Fusion der beiden Firmen wäre industriepolitisch eine interessante Option, denn beide potenziellen Partner haben keine sich überdeckenden Produktportfolios. Während Boeings zivile Flugzeugpalette bei der Boeing 737 MAX 7 mit 138 Sitzen beginnt, endet dort Embraers E-Jet-Angebot. Im Bereich der Widebodies ist Boeing Weltspitze, während Embraer dort nicht vertreten ist.

Embraers KC-390 ist in Bezug auf Zuladung und Frachtraumgröße mit der Lockheed Martin C-130 vergleichbar. © Embraer

Bei Militärflugzeugen gibt es ebenfalls keine Überschneidungen. Boeing fertigt die Fighter F-15 und F/A-18, den Marineaufklärer und U-Boot-Jagdflugzeug Boeing P-8 Poseidon, während Embraer in diesem Bereich nur die A-29 Super Tucano im Angebot hat. Für den in der Entwicklung befindlichen Transporter KC-390 von Embraer gibt es bei Boeing kein Pendant. Umgekehrt gibt es für das Business-Jet-Produktportfolio der Brasilianer bei Boeing kein Gegenstück. Beide Firmen würden sich in ihren Marktsegmenten also gut ergänzen.

Embraer baut die beiden Twinjets Legacy 450 und Legacy 500 in Melbourne, Florida. © Embraer

Eine Zusammenarbeit beziehungsweise ein Zusammengehen beider Konzerne wäre aber kein Treffen auf Augenhöhe. Boeing ist mit einem Jahresumsatz von 96,4 Milliarden Dollar im Jahr 2016 ganz deutlich der stärkere Partner, während Embraer mit einem Jahresumsatz von etwas über sechs Milliarden US-Dollar der deutliche Juniorpartner wäre.

Ein Zusammenschluss der beiden Konzerne führte zu einem neuen Aerospace-Giganten, der in allen wichtigen Luft- und Raumfahrtmärkten vertreten wäre.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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