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Boeing will mit Adient in Kaiserslautern Flugzeugsitze bauen

Boeing holt sich wieder mehr Kompetenz ins Haus zurück. Zusammen mit dem Autositzhersteller Adient will der Konzern künftig Flugzeugsitze entwickeln und produzieren. Als Firmensitz von Adient Aerospace haben die beiden Partner Kaiserslautern gewählt.

17.01.2018

Boeing will zusammen mit dem Zulieferer Adient Aerospace in Kaiserslautern Sitze bauen. © Boeing

Der Luft- und Raumfahrt-Konzern Boeing und der Autositzhersteller Adient haben heute die Gründung einer gemeinsamen Firma namens Adient Aerospace bekanntgegeben. Das als Joint-Venture gegründete Unternehmen soll Sitze für die Luftfahrtindustrie entwickeln und fertigen. Der Firmensitz, das Technologiezentrum und die Fertigung will das Unternehmen in Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz ansiedeln. Das Kundendienstzentrum des Unternehmens wird in Seattle im US-Bundesstaat Washington seinen Sitz haben. Die Ersatzteilversorgung für die Adient Aerospace-Kunden wird die Boeing-Tochter Aviall übernehmen. Adient hält mit 50,01 Prozent die Mehrheit der Anteile an der neuen Firma, während Boeing 49,99 Prozent der Anteile bekommt.

Verkauf auch an andere Flugzeughersteller

Adient Aerospace soll seine Sitze an Airlines und Leasing-Firmen verkaufen. Die Produkte der Firma sollen nicht nur bei Neuflugzeugen zum Einbau kommen, Adient Aerospace soll seine Sitze auch auf dem attraktiven Nachrüstmarkt platzieren. Boeing besteht nicht auf einem Exklusivrecht für die Produkte von Adient Aerospace, das Unternehmen darf seine Produkte auch anderen Flugzeugherstellern verkaufen.

Adient Aerospace ist ein Joint-Venture von Boeing und dem Autositzhersteller Adient. © Adient Aerospace

„Sitze waren eine ständige Herausforderung für unsere Kunden, die Industrie und für Boeing. Deswegen sind wir aktiv geworden, um die Markthemmnisse anzugehen. Adient Aerospace wird die führende Rolle von Boeing und sein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden und sein Wissen um die technischen Anforderungen nutzen, um für Fluggesellschaften und Passagiere auf der ganzen Welt ein überlegenes Sitzprodukt anzubieten“, sagte Kevin Schemm, Finanzvorstand und Vorstandsmitglied für Supply Chain Management bei Boeing Commercial Airplanes anlässlich der Firmengründung.

Boeing erhöht den Druck auf die Zulieferer

„Dieses Joint-Venture ist Teil von Boeings Strategie der vertikalen Integration, um In-House-Kompetenzen in Schlüsselbereichen zu entwickeln und um bessere Produkte anbieten zu können, den Bereich Services wachsen zu lassen“, ergänzte Schemm. Boeing hat erst im Juli 2017 einen eigenen Geschäftsbereich Avionik gegründet, der flugrelevante Elektronik, Instrumente und Flugsteuerungen entwicklen und bauen soll. Die Strategie, die Komponenten- und Systementwicklung sowie deren Fertigung wieder zurück zu holen, setzt die Zulieferer des Konzerns zunehmend unter Druck.

Marktprognosen sehen für Flugzeugsitze derzeit ein jährliches weltweites Umsatzpotenzial von 4,5 Milliarden US-Dollar. Dieses Potenzial soll in den nächsten zehn Jahren auf einen Wert von 6,0 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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