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Die USA schmeißen die Türkei aus dem F-35-Programm

Die Türkei darf nicht länger Partner im F-35-Programm sein, gab die US-Regierung gestern bekannt. Als Begründung dafür nennt sie den Kauf und die Lieferung des S-400-Flugabwehrsystems von Russland.

18.07.2019

Das Weiße Haus hat mitgeteilt, dass die Türkei aufgrund des Kaufs von russischen S-400-Luftabwehrsystemen nicht mehr am F-35-Programm teilnehmen dürfen. © U.S. Air Force/Alexander Cook

Die Türkei war bisher ein wichtiger Partner in dem Joint Strike Fighter-Programm. Das Land hat nicht nur eine Bestellung von 100 F-35A unterzeichnet, türkische Firmen stellen auch 900 verschiedene Teile für die F-35 Lightning II her. Die zehn türkischen Zulieferer haben bislang Aufträge in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar (890 Millionen Euro) erhalten.

Nach der Lieferung des russischen S-400-Flugabwehr-Raketensystems an die Türkei, die in der vergangenen Woche begonnen hat, machte die US-Regierung ihre zuvor mehrfach ausgesprochene Drohung wahr, und schließt nun die Türkei aus dem Programm aus. In einer Stellungnahme des Weißen Hauses heißt es: „Unglücklicherweise macht die Entscheidung der Türkei, das russische S-400 Luftabwehrsystem zu kaufen, eine weitere Teilnahmen des Landes an der F-35 unmöglich. Die F-35 kann nicht parallel mit einer russischen Spionageplattform existieren, die dazu benutzt wird, um die fortschrittlichen Fähigkeiten der F-35 auszukundschaften.“

Schrittweise Eskalation

Die Situation war schrittweise eskaliert. Im Juni hatte die US Air Force das  Pilotentraining der türkischen Piloten in den USA gestoppt. Nun müssen alle türkischen Techniker und Piloten für die F-35 das Land verlassen. David J. Trachtenberg, der Staatssekretär für Politik im US-Verteidigungsministerium sagte gestern auf einer Pressekonferenz in Washington D.C.: „Dies ist eine wirklich unglückliche Entwicklung. Die US-Regierung hat unermüdlich daran gearbeitet, diese zu vermeiden. Wir werden unsere intensive Zusammenarbeit mit der Türkei über das gesamte Sicherheitsspektrum hinweg fortsetzen. Aber wir haben uns klar und konsequent ausgedrückt: Die Türkei kann sich entscheiden, das S-400-System oder die F-35 zu beschaffen. Sie kann nicht beide bekommen.“

Die Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Ellen Lord, sagte: „Wir versuchen nur, die langfristige Sicherheit des F-35-Programms zu sichern. Anfang Juni hat der geschäftsführende Verteidigungsminister dem türkischen Minister Akar mitgeteilt, dass die Türkei auf eine geordnete, respektvolle und durchdachte Art und Weise vom F-35-Programm entfernt würde, wenn sie nicht den Kauf des S-400-Systems annullieren würde.“

Übergang bis zum März 2020

Größere Auswirkungen auf das Gesamtprogramm erwartet die US-Regierung nicht, da man bereits seit 2018 Vorkehrungen für einen möglichen Austritt der Türkei aus dem Programm getroffen habe. Die Arbeiten sollen bis März 2020 von anderen Partnern übernommen werden. Die Aufträge, die die türkische Industrie während der Gesamtdauer des F-35-Programms erhalten hätte, beziffert die US-Regierung auf voraussichtlich 9,0 Milliarden US-Dollar (8,0 Milliarden Euro).

Die US-Regierung weiß um die Befindlichkeiten des Partnerlandes Türkei und will den Ausschluss aus dem F-35-Programm als isoliertes Ereignis darstellen. Ellen Lord sagte in Washington: „Lassen Sie mich noch einmal betonen, dass die Türkei weiterhin ein enger Verbündeter der NATO ist und dass unsere militärischen Beziehungen weiterhin stark sind. Wir bekennen uns weiterhin zu unserer Verpflichtung, die Sicherheit unserer NATO-Verbündeten zu gewährleisten und unterstützen Missionen, die der regionalen Sicherheit und Stabilität zugute kommen.“

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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