Homepage » Industrie » DLR erprobt Katastrophenhilfe per Drohne

DLR erprobt Katastrophenhilfe per Drohne

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt erprobt momentan in der Dominikanischen Republik die Verteilung von Hilfsgütern im Katastrophenfall per Drohnentransport. Partner des Programms ist unter anderem das World Food Programme der Vereinten Nationen (UN).

4.07.2018

Die Helikopter-Drohne superARTIS des DLR testet in diesem Monat in der Dominikanischen Republik den Abwurf von Hilfsgütern. © DLR

Regelmäßig passieren Katastrophen, bei denen Menschen plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten sind und sich nicht mehr selber versorgen können. In einem solchen Fall bringen bemannte Flugzeuge, Hubschrauber oder Boote Hilfsgüter wie Decken, Wasser oder Nahrungsmittel in die abgeschnittenen Katastrophengebiete.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testet derzeit in der Dominikanischen Republik gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen Wings for Aid und dem World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen (UN) neue Hilfsszenarien, in denen Drohnen (Unmanned Aircraft Systems, UAS) die notwendigen Hilfsgüter ausliefern.

Herausforderung „Last Mile“

Die Erfahrung aus bisherigen Katastropheneinsätzen zeigt, dass der letzte Versorgungsabschnitt, die sogenannte „last mile“, eine besondere Herausforderung darstellt. „Im Realitätstest wollen wir erproben, ob und wie wir diese letzte Meile mit unbemannten Luftfahrtsystemen schneller, kostengünstiger und sicher überbrücken können“, erklärt DLR-Projektleiter Johann Dauer vom Institut für Flugsystemtechnik aus Braunschweig. Erfahrungen in der Erprobung von humanitären Technologien sammelten die Wissenschaftler bei dem DLR-internen Projekt ALAADy, das den Einsatz von UAS für den Lufttransport erforscht und sich dabei speziell auf niedrige Lufträume konzentriert.

Bei den Flügen für das jetzige Projekt setzt das DLR den unbemannte Hubschrauber superARTIS (Autonomous Rotorcraft Testbed for Intelligent Systems) ein, den das Institut seit 2012 entwickelt hat. Er wird die Hilfspakete in schwer zugängliche Katastrophengebiete fliegen. Speziell entwickelte Einwegboxen aus Pappe von Wings for Aid werden verwendet, um die Hilfsgüter am Zielort unbeschadet abzuwerfen. Diese Boxen sind kostengünstig herzustellen und biologisch abbaubar. Sie haben spezielle Flächen, die beim Abwurf automatisch aufklappen, um den Fall abzubremsen und zu stabilisieren. Im Vergleich zu anderen unbemannten Technologieträgern wie beispielsweise Multikoptern, kann der superARTIS mit diesen Boxen eine vergleichsweise große Nutzlast von 10 bis 20 Kilogramm transportieren und abwerfen.

Nach dem Abwurf entfalten sich die seitlichen Klappen des Kartons und sorgen für einen langsameren, stabilisierten Fall des Hilfspaketes. © DLR

Bei ersten Flugversuchen in Deutschland konnten die DLR-Forscher bereits zeigen, dass das geplante Einsatzszenario technisch durchführbar ist. Gemeinsam haben das DLR, WFP und Wings for Aid mögliche Einsatzgebiete identifiziert und ein Missionsszenario entwickelt, um einen simulierten Pilotbetrieb eines Hilfseinsatzes mit einem unbemannten Hubschrauber zu erproben.

Im nächsten Schritt soll dieses realitätsnahe Einsatzszenario nun in der Dominikanischen Republik durchgeführt werden. „Wir wollen vor Ort unter realistischen Bedingungen die Auslieferung von Hilfsgütern mit unserem unbemannten Hubschrauber superARTIS nachstellen und so untersuchen, inwieweit sich die Kombination aus UAS und absetzbaren Einwegboxen in die humanitäre Logistikkette einbinden lässt“, so Dauer.

Volker K. Thomalla

 

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

 

Weitere lesenswerte Beiträge zu Drohnen:

General Atomics wagt Transatlantikflug mit MQ-9B-Drohne

Fraport hat Drohnen am Flughafen Frankfurt getestet

Airbus testet Helikopter im Verbund mit Drohnen

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.