Homepage » Industrie » DLR testet neues System gegen Wirbelschleppen

Austro Control, das DLR und der Flughafen Wien testen derzeit ein System zur Reduzierung von Wirbelschleppen. Langfristiges Ziel der Versuche ist es, die Abstände zwischen landenden Flugzeugen zu verringern.

4.07.2019

Das DLR testet derzeit am Flughafen Wien große Aufstellflächen, mit deren Hilfe sich Wirbelschleppen schneller auflösen sollen. © DLR

Wirbelschleppen sind unsichtbare Killer. Sie entstehen hinter fliegenden Flugzeugen und bestehen aus sich drehender Luft, die zum Teil eine solche Kraft hat, andere Flugzeuge durcheinanderzuwirbeln oder sogar zum Absturz zu bringen. Es besteht ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen der Flugzeugmasse und der Größe von Wirbelschleppen. Deshalb gelten international Abstandsregelungen, die dafür sorgen sollen, dass kein Flugzeug in die Wirbelschleppen eines anderen Flugzeugs gerät.

Derzeit müssen nach den Regeln der ICAO – abhängig von der Luftfahrzeugkategorie – verschiedene Abstände bei der Landung von Flugzeugen eingehalten werden. Wenn das vorausfliegende Flugzeug der Kategorie „Heavy“ angehört, müssen danach landende Flugzeuge der Kategorie „Heavy“ einen Abstand von 4 nautischen Meilen (7,4 Kilometer) einhalten, Flugzeuge der Kategorie „Medium“ einen Abstand von 5,0 nautischen Meilen (9,3 Kilometer) und Flugzeuge der Kategorie „Light“ sogar 6,0 nautischen Meilen (11,1 Kilometer).

Europäische Kooperation

Derzeit arbeiten die österreichische Austro Control, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Flughafen Wien bei einem Projekt zusammen, bei dem ein neues System erprobt wird, das dafür sorgt, dass Wirbelschleppen von landenden Flugzeugen sich schneller auflösen.

Die Projektpartner haben dazu im Anflugbereich des Flughafens Wien senkrechte Stellwände zu einer so genannten patentierten „Plate Line“ aufgebaut. An diesen etwa neun Meter langen und viereinhalb Meter hohen Platten bilden sich Sekundärwirbel, die die Wirbelschleppen deutlich schneller zerfallen lassen und so die Gefahr für folgende Flugzeuge deutlich verringern.

Vor dem Einsatz der Aufstellwände in Wien hat das DLR das System bereits in einem Wasserschleppkanal sowie mit Flugversuchen am Flugplatz Oberpfaffenhofen getestet. In Wien finden nun die Versuchen unter den Realbedingungen eines Verkehrsflughafens mit immerhin über 240.000 Flugbewegungen pro Jahr statt.

Lasermessungen für die Analyse

Mit einem Laser-Messgerät Lidar nehmen die Forscher die dynamischen Vorgänge im Umfeld der Plate Line in Wien auf und analysieren sie. „Allererste Auswertungen der neuen Messungen in Wien zeigen, dass auch dort die Wirbelschleppen in der Nähe der Platten tatsächlich deutlich schneller zerfallen“, sagte Dr. Frank Holzäpfel vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre aus Oberpfaffenhofen.

Das Projekt wird im Rahmen des Forschungsprogramms SESAR der Europäischen Union gefördert. Es ist geplant, in den nächsten zwei Jahren an der Spezifikation und Herstellung einer permanenten Einrichtung der Anti-Wirbelschleppen-Platten zu arbeiten. Langfristiges Ziel ist es, durch eine Reduzierung der Wirbelschleppen die vorgeschriebenen Abstände zwischen Flugzeugen beim Anflug auf Flughäfen zu reduzieren, um so die vorhandenen Kapazitäten von Airports besser ausnutzen zu können.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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