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Fachkonferenz Greener Skies Ahead: In Zukunft CO2-neutral fliegen

Ein weitestgehend klimaneutraler Luftverkehr ist machbar. Damit kann ein bedeutendes Element der globalen Verkehrs-Infrastruktur die Ziele des Pariser Klima-Abkommens erreichen, wenn zeitnah die Weichen in Richtung synthetische, PtL-basierte Flugkraftstoffe gestellt werden. Das ist die Botschaft der internationalen Konferenz "Greener Skies Ahead 2017" in Bonn an die ebenfalls dort stattfindende Weltklimakonferenz COP23.

8.11.2017

Erik Lindbergh war einer der Redner auf der Greener Skies Ahead-Konferenz 2017 in Bonn. © Rudi Pilz

Unter dem Motto „PtL-Solutions for a Sustainable Aviation“ waren Vertreter von Luftfahrt, Wissenschaft und Politik im Vorfeld der Weltklimakonferenz zur „Greener Skies Ahead 2017“ (GSA2017) zusammengekommen, um über Herstellung und Zukunft von CO2-neutralem Flugtreibstoff zu diskutieren. Dabei geht es vor allem um das sogenannte PtL (Power to Liquid) -Verfahren, bei dem allein aus erneuerbarer Energie (Sonne, Wind), Wasser und dem Kohlendioxid der Atmosphäre beispielsweise Kerosin produziert wird.

Bundesregierung begrüßt Interesse der ICAO

Angesichts des Wachstums des Luftverkehrs reichen technische Maßnahmen zur Verbesserung der Flugzeuge allein nicht aus, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, so Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth anlässlich der GSA2017. Die Bundesregierung begrüße daher den von der ICAO vorgelegten ‚Basket of Measures‘, der – wie Anfang Oktober in Mexico City diskutiert – gerade auch auf PtL-basierte Treibstoffe setze. Deutschland habe bereits erste Schritte zu deren Realisierung eingeleitet. Im Rahmen eines Pilot-Projektes sollen in Brasilien, so Flasbarth,  PtL-Treibstoffe für die Luftfahrt unter realen Bedingungen produziert werden.

Rolf Dörpinghaus ist Präsident der IASA e. V., die die GSA2017-Konferenz im Vorfeld der Klimakonferenz in Bonn organisierte. © Rudi Pilz

Mit dem PtL-Verfahren wird bereits in diversen Testanlagen „grünes Öl“ produziert. Jetzt komme es darauf an, schnellstmöglich den industriellen Einstieg in die Produktion von Flugtreibstoffen einzuleiten. Einig waren sich die Experten darin, dass es dazu der Förderung durch Politik, Wirtschaft und Investoren bedarf. Und dabei sei Eile geboten, so IASA-Präsident Rolf Dörpinghaus anlässlich der Eröffnung der GSA2017.  Durch PtL-basierte Treibstoffe sei es möglich, vergleichsweise zeitnah einen klimaneutralen CO2-Kreislauf aufzubauen und damit die klimaschädlichen Auswirkungen der Luftfahrt deutlich zu reduzieren.

Erik Lindbergh: Nachhaltigkeit ist ‚Next Frontier‘

Zu den Ehrengästen der GSA2017 zählte Erik Lindbergh, Enkel des legendären Atlantik-Fliegers Charles Lindbergh. Lindbergh versteht das Vermächtnis seines Großvaters vor allem darin, die Luftfahrt im Sinne der Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln. Nach dem klassischen „schneller, weiter, höher“ sei Nachhaltigkeit heute nicht nur die „Next Frontier“ der Luftfahrt, sondern zugleich auch die Grundvoraussetzung für das weitere Wachstum des Luftverkehrs. Jetzt komme es darauf an, die Luftfahrt weltweit vom Nutzen von PtL-Flugtreibstoffen zu überzeugen und ihre Produktion voranzutreiben.

Zur GSA2017-Konferenz im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Bonn waren Teilnehmer aus aller Welt angereist. © Rudi Pilz

Wenn es um die Abschätzung von Kosten geht, ist immer besondere Vorsicht geboten, vor allem dann, wenn die Prognose weit in die Zukunft reicht. Trotzdem besteht in Sachen PtL-Treibstoffe Grund zur Zuversicht. Erste Hochrechnungen, so war bei der GSA2017 zu erfahren, verorten die Herstellungskosten nach heutigem Technik- und Kostenstand auf  €1,10 bis €1,30 pro Liter. Hinzu kommen die Kosten für Vertrieb und Tankstellen. Im Falle einer industriellen Großproduktion dürften die Kosten jedoch deutlich günstiger ausfallen.

Dr. Harry Lehmann, Fachbereichsleiter im Umweltbundesamt, bei seinem Vortrag auf der GSA2017. © Rudi Pilz

Die Kosten für PtL-Treibstoffe relativieren sich zudem, wenn man in Zukunft mögliche Alternativen betrachtet, nämlich den Kauf von Zertifikaten zwecks Kompensation der CO2-Emissionen aus fossilen Treibstoffen oder gar den Verzicht aufs Fliegen, um möglich CO2-Beschränkungen beziehungsweise Kontingente einzuhalten.

Pionierrolle für die General Aviation?

Im Hinblick auf die in Deutschland in der Allgemeinen Luftfahrt für AvGas oder Kerosin zu zahlenden Preise wären PtL-basierte Treibstoffe vermutlich schon heute wettbewerbsfähig, wenn der Staat im Interesse von Umwelt und Klima auf einen Teil der Mineralölsteuer verzichten würde. Die General Aviation in Deutschland könnte damit zum Vorreiter bei der Einführung von PtL-Treibstoffen in der Luftfahrt werden. Die Industrie könnte zugleich Erfahrung mit der Produktion und schrittweisen Einführung von PtL-Treibstoffen sammeln.

Dank der bei PtL-Treibstoffen möglichen dezentralen Produktion könnten vielleicht sogar die derzeit gängigen Preise unterschritten werden, was einen willkommenem Vitaminstoß für die General Aviation auslösen könnte.

Veranstaltet wurde die vom Umweltbundesamt geförderte GSA2017 von der IASA e.V. (International Association for Sustainable Aviation) mit Sitz in Bonn.

Ralf Nolting

 

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Über Ralf Nolting

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Ralf Nolting ist Journalist, Moderator und Producer mit den Spezialgebieten Nachhaltige Entwicklung und Luftfahrt. Er verantwortete bei der Deutschen Welle unter anderem die fremdsprachige Produktion von TV-Magazinen, leitete den Bereich Strategische Planung und baute als Geschäftsführer der DW-Tochter Media-Services das „Global Media Forum“ auf, „eine der größten internationalen Medienkonferenzen weltweit“, so das Auswärtige Amt. Ralf Nolting ist Segel- und Motorflieger.

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