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Farnborough Airshow: Die Auftragsflut hält weiter an

Auch am zweiten Tag der Farnborough International Airshow konnten sich die Aussteller nicht über einen mangelnden Zuspruch beklagen: Erneut waren Kunden in Kauflaune und bestellten bei den Flugzeugherstellern Flugzeuge im Dutzend.

18.07.2018

Ein Teil des Static Displays der Farnborough Airshow 2018 aus der Luft. © Farnborough Airshow

Am zweiten Tag der Farnborough Airshow sammelten die Hersteller nach Angaben des Messeveranstalters Bestellungen und Kaufabsichtserklärungen für Flugzeuge im Wert nach Preisliste von rund 51,4 Milliarden US-Dollar ein. Was bei der Betrachtung der durchaus beeindruckenden Zahlen aber häufig nicht beachtet wird: Viele dieser Geschäfte waren vorher bereits unter Dach und Fach und zuvor auch in den Auftragsbüchern der Konzerne in der Rubrik „ungenannter Kunde“ veröffentlicht. Die Kunden nutzten lediglich die Airshow, um den Deal zu veröffentlichen, und so eine größere Fachöffentlichkeit zu erreichen. Die Messe ist also die Plattform für die Veröffentlichung, aber sehr häufig nicht der Platz, wo die Verträge unterschrieben werden. Erst bei der Veröffentlichung des aktuellen Auftragsbestand im nächsten Monat wird sich zeigen, welche Geschäftsabschlüsse wirklich neu waren, und welche nur Messe-Strohfeuer.

Impressionen von der FIA 2018:

Auch für die veröffentlichten Auftragswerte darf eine gewisse positive Übertreibung unterstellt werden, denn bei den genannten Auftragswerten der Bestellungen handelt es sich immer um Listenpreise. Und die werden eben so gut wie nie bezahlt. In der Branche sind großzügige Preisnachlässe üblich, und wer eine große Zahl von Flugzeugen bestellt, bekommt auch entsprechende Rabatte.

Auftragswerte sind immer zu hoch

Ein weiterer Faktor bei der Veröffentlichung der Volumina von Aufträgen, die auf einer Messe unterschrieben worden sind, ist die Addition von Auftragswerten. Die Airline XY bestellt beispielsweise Flugzeuge im Gesamtwert nach Preisliste von 1,0 Milliarden US-Dollar. Da sie 20 Prozent Mengenrabatt beim Hersteller erhält, zahlt sie nur 800 Millionen Dollar für die Flugzeuge. Dann wählt sie Triebwerke aus, und der Triebwerkshersteller verkündet, dass er einen Auftrag im Wert von 100 Millionen US-Dollar – auch nach Preisliste – erhalten hat. Dabei sind die Kosten für die Antriebe bereits im Auftragswert der Flugzeuge enthalten.

Nun vergibt der Triebwerkshersteller einen Auftrag für Material, und der Materiallieferant verkündet, er habe einen Auftrag in Höhe von 20 Millionen Dollar erhalten. Dies Messegesellschaft addiert alle Aufträge und kommt so auf ein Geschäftsvolumen von 1,12 Milliarden Dollar, obwohl das tatsächliche Volumen nur 800 Millionen Dollar umfasst, denn mehr zahlt der Endkunde, die Airline, nicht für die Flugzeuge. Dieses Vorgehen gibt es auf allen Messen, nicht nur in Farnborough, sondern auch bei anderen Luftfahrtmessen und bei anderen Industriemessen.

Gute Stimmung bei den Ausstellern

Trotzdem darf man auch den zweiten Messetag der Farnborough International Airshow als erfolgreichen Tag bezeichnen. Die Stimmung bei den Ausstellern und Besuchern war gut. Viele Aussteller zeigen Innovationen, sei es in Form von Digitalisierung, Produktionstechnologien oder neuen Konzepten für die Luftfahrt. Das überdeckt ein wenig die Unsicherheiten, die sich um den Brexit drehen: Wie wird Großbritannien den Ausstieg aus der Europäischen Union in Luftfahrtfragen gestalten? Wird man sich mit der EU einigen oder wird sich das Land in Luftfahrtfragen an die USA anlehnen? Die Uhr tickt, Entscheidungen müssen in den nächsten Wochen, wenn nicht Tagen gefällt werden. Die Auftragsflug, die derzeit in Farnborough verkündet wird, übertüncht die Dringlichkeit der Probleme, sie löst sie aber nicht. Ganz im Gegenteil.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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