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Luftfahrt-Industrie bekräftigt selbst gesteckte Klimaziele

Die Luftfahrt-Industrie hat bei der Veranstaltung AeroSpace Insights in Berlin ihre ambitionierten, selbst gesteckten Klimaziele bekräftigt: Ab diesem Jahr soll das Luftverkehrwachstum abgekoppelt werden vom Wachstum der CO2-Emissionen und bis 2050 sollen die Emissionen im Vergleich zu 2005 halbiert werden. 

19.01.2020

Die NASA hat zusammen mit dem DLR die Emissionen von alternativen Treibstoffen gemessen. © NASA/SSAI Edward Winstead

Die Gesprächsreihe AeroSpace Insights führt führende Manager der Luft- und Raumfahrtindustrie zusammen, um über Herausforderungen und Ziele der Branche zu diskutieren. In der vergangenen Woche haben in Berlin Thomas Jarzombek, der Koordinator der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt, Professor Rolf Henke, der Luftfahrtvorstand des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), Lars Wagner, der Technikvorstand der MTU Aero Engines AG, Alastair McIntosh, der Geschäftsführer von Rolls-Royce Deutschland, Axel Krein, der Executive Director des europäischen Clean Sky-Programms sowie BDLI-Hauptgeschäftsführer Volker Thum über die Herausforderungen der Luftfahrt diskutiert.

Thum sagte: „Fliegen verbindet Menschen, Kulturen und Länder und trägt zu Frieden und Wohlstand in unserer globalen Welt bei. Gerade für Exportnationen wie Deutschland sind Verbindungen in alle Welt kein Luxus, sondern überlebenswichtig. Nicht das Fliegen ist also das Problem – im Gegenteil: Unsere Welt und wir alle wären ärmer ohne die Möglichkeiten, die es bietet. Das Problem sind die Emissionen, die der wachsende Luftverkehr trotz hocheffizienter 2-Liter-Flugzeuge verursacht. Dieser Verantwortung stellen wir uns.“

Luftfahrt hat Vorreiterrolle eingenommen

Die Luftfahrt hat sich bisher als einzige Industrie weltweit nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens klare und nachprüfbare Ziele in Bezug auf ihre Emissionen gesetzt, obwohl sie nur für zwei bis drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Ab diesem Jahr soll der internationale Luftverkehr unter dem CORSIA-System nur noch klimaneutral wachsen, das heißt, das Wachstum des Luftverkehrs soll nicht mehr einhergehen mit einem Wachstum der Emissionen. Bis 2050 sollen die Emissionen gegenüber 2005 sogar halbiert werden. Das langfristige Ziel: Fliegen ohne Auswirkungen auf die Umwelt. Darum zielen seit langem bis zu 90 Prozent der Investitionen der Branche in Forschung und Entwicklung unmittelbar auf die Senkung von Emissionen und Lärm ab. Historisch betrachtet braucht sich die Branche nicht zu verstecken: Seit Beginn des Jet-Zeitalters wurden die Emissionen pro Passagierkilometer bereits um drei Viertel gesenkt.

Um solche ehrgeizigen Ziele erreichen zu können, müssen alle Beteiligten aus der Industrie zusammenarbeiten. Neben neuen Treibstoffen und noch effizienteren Antrieben müssen auch die Flugzeugbetreiber, die Flugsicherung und die Flughäfen ihren Beitrag leisten, sonst sind die Ziele nicht zu erreichen.

Der Luftverkehr wird weiter wachsen, er will dieses Wachstum aber klimaneutral gestalten. © Volker K. Thomalla

Lars Wagner sagte: „Die MTU Aero Engines steht zu ihrer Verantwortung für nachhaltiges und emissionsfreies Fliegen. Unser Motto lautet: Wir gestalten die Zukunft der Luftfahrt. Unseren Fokus legen wir dabei auf die Weiterentwicklung der konventionellen Fluggasturbine und auf revolutionäre Ideen mit alternativen Antriebskonzepten, die weit über den heutigen Stand der Technik hinausgehen.“

Die Politik will ebenfalls einen Beitrag leisten, um die angestrebten Umweltziele zu erreichen. Thomas Jarzombek sagte in Berlin: „Die Bundesregierung unterstützt Industrie und Wissenschaft seit vielen Jahren mit dem Luftfahrtforschungsprogramm LuFo bei der Entwicklung klima- und umweltfreundlicher Innovationen. Das Programm wurde in diesem Jahr noch einmal deutlich aufgestockt. Wir setzen den Schwerpunkt auf elektrisches und hybrid-elektrisches Fliegen. Jetzt werden Technologien entwickelt, die zeitnah emissionsarmes und langfristig emissionsfreies Fliegen er​möglichen. Durch Innovation können wir international zum Klimaschutz beitragen und gleichzeitig der deutschen Luftfahrtindustrie neue Exportmärkte eröffnen. Damit wollen wir den Erfolg der Branche am Standort Deutschland fortschreiben.“

Axel Krein betonte die europäische Dimension bei der Bewältigung der Herausforderungen: „Der von der Europäischen Union mit dem ´European Green Deal´ eingeschlagene Weg in Richtung Klimaneutralität bis 2050 macht es zwingend erforderlich, dass alle Sektoren, von der Landwirtschaft bis hin zum Transportsektor und der Luftfahrt, ihren Beitrag leisten. Dies erfordert massive Investitionen in die Technologieentwicklung von fortschrittlichsten Flugzeugkomponenten, um klimaneutrale Flugzeuge Wirklichkeit werden zu lassen. Diese Aufgabe kann nur gesamteuropäisch, in enger Koordination zwischen den Mitgliedsstaaten und der EU finanziert werden. Konkrete Instrumente wie zum Beispiel das europäische Technologieprogramm Clean Sky sind ein geeigneter Rahmen, in dem diese Ambition umgesetzt werden kann.“

 

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