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Richter in Brasilien stoppt Embraer- und Boeing-Deal

Ein Bundesrichter aus São Paulo hat den Embraer-Boeing-Deal per Einstweiliger Verfügung blockiert. Die Genehmigung der künftigen Zusammenarbeit soll der künftigen Regierung überlassen werden, die am 1. Januar 2019 ihre Arbeit aufnimmt.

7.12.2018

Boeing und Embraer haben eine Übereinkunft über eine weitgehende strategische Partnerschaft erzielt. © Embraer

Der Embraer-Boeing-Deal wird sich verzögern: Ein brasilianisches Bundesgericht hat die Genehmigung des vereinbarten Joint-Ventures zwischen Boeing und Embraer per Einstweiliger Verfügung blockiert. Die beiden Firmen dürfen zwar weiter über die Fusion der Zivilluftfahrtsparte von Embraer mit Boeing verhandeln, aber der Embraer-Aufsichtsrat darf keinen Vertrag zum Joint-Venture mit dem US-Aerospace-Konzern unterschreiben, bevor nicht die neue brasilianische Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro im Amt ist. Bolsonaro soll am 1. Januar 2019 als Nachfolger des bisherigen Amtsinhabers Michel Temer vereidigt werden. Temer hatte gesagt, er werde die Entscheidung über die Kooperation der beiden Industrie-Unternehmen seinem Nachfolger überlassen. Der künftige Präsident, der dem ultrarechten Spektrum zugeordnet wird, hatte bereits durchblicken lassen, dass er den Embraer-Boeing-Deal positiv sehe.

Wirtschaftsentscheidung vor Gericht

Die dem linken Parteienspektrum zugehörige Arbeiterpartei PT hatte die Einstweilige Verfügung angestrebt. In dem südamerikanischen Land ist es üblich, dass politische Gruppierungen Wirtschaftsentscheidungen regelmäßig per Gerichtsentscheid beeinflussen. Der Richter Victorio Giuizio Neto begründete seinen Entscheid damit, dass Boeing bei dem geplanten Joint-Venture nichts aufgeben müsste, Embraer aber würde seinen profitablen Geschäftszweig mit Verkehrsflugzeugen aufgeben. Und die brasilianische Regierung würde einen Großteil ihrer Kontrolle über das Unternehmen verlieren.

Die Embraer E190-E2 ist das modernste Flugzeug im Regional-Portfolio des Herstellers. © Embraer

Im Juli hatten Embraer und Boeing eine Memorandum of Understanding (MoU) geschlossen, das die Gründung eines Joint-Ventures vorsieht, an dem Boeing 80 Prozent und Embraer 20 Prozent der Anteile hält. Der brasilianische Hersteller plant, sein Geschäft mit den Zivilflugzeugen in das Joint-Venture einzubringen. Der Bereich Militärflugzeuge sowie die Produkte des Geschäftsbereiches Executive Jets sind von dem Joint-Venture nicht betroffen. Damals waren die Partner davon ausgegangen, dass der Deal bis zum Ende dieses Jahres von den Behörden genehmigt würde. Embraer sieht das Zustandekommen des Joint-Venture als überlebenswichtig für das Unternehmen an.

Die Kooperation erweitert Boeings Portfolio

Das Joint-Venture ermöglicht Boeing, ein breiteres Spektrum an Verkehrsflugzeugen anzubieten. Das Portfolio des US-Konzerns würde im zivilen Bereich dann die Palette der Flugzeuge von 70 bis 450 Sitzen umfassen. Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen ist eine Reaktion auf die Kooperation zwischen Bombardier und Airbus bei den Regionaljets. Die Kanadier hatten im Juli dieses Jahres den Bereich der C Series-Regionaljets mehrheitlich an Airbus abgetreten. Die beiden Flugzeugmuster von Bombardier, die CS100 und CS300, wurden danach in Airbus A220-100 und A220-300 umbenannt.

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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