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Die Piloten von ET302 handelten nach Boeing-Vorgaben

Der Zwischenbericht der Unfalluntersucher des Absturzes der Ethiopian Airlines Boeing 737 MAX 8 ist brisant, denn nach Angaben des äthiopischen Verkehrsministers hat die Besatzung des verunglückten Fluges alle Anweisungen des Flugzeugherstellers befolgt – und trotzdem nicht die Kontrolle über das Flugzeug erlangen können.

4.04.2019

Die beiden roten Pfeile weisen auf einen der beiden Angle-of-Attack-Sensoren der Boeing 737 MAX. © V. K. Thomalla

Die Veröffentlichung des vorläufigen Zwischenberichts der äthiopischen Zivilluftfahrtbehörde zum Absturz der Boeing 737 MAX 8 der Ethiopian Airlines am 10. März 2019 wird für heute in Addis Abeba erwartet. Bei dem Absturz waren 157 Menschen gestorben. Nach Auswertung der Daten des Flugschreibers (FDR) und des Cockpit Voice Recorders (CVR) geht die Behörde davon aus, dass die Piloten des verunglückten Flugzeugs die Anweisungen des Herstellers befolgt haben und es trotzdem nicht geschafft haben, die Kontrolle über das Flugzeug wieder zu erlangen. „Der vorläufige Zwischenbericht zeigt klar, dass die Ethiopian Airlines-Piloten, die den Flug ET302 gesteuert haben, den von Boeing empfohlenen und von der FAA zugelassenen Notfverfahren gefolgt sind. Trotz ihrer harten Arbeit und obwohl sie alle Notverfahren eingehalten haben, gelang es der Crew bedauerlicherweise nicht, das Flugzeug aus dem dauerhaften Sinkflug herauszubekommen“, teilte Ethiopian Airlines in einem Statement heute mit.

Zweiter Absturz in sechs Monaten

Bereits am 29. Oktober 2018 war eine ebenfalls neue Boeing 737 MAX 8 der Lion Air in Indonesien abgestürzt. Bei diesem Unfall waren 189 Todesopfer zu beklagen. Die äthiopische Luftfahrtbehörde hatte vor zwei Wochen schon auf auffällige Ähnlichkeiten bei beiden Unfällen hingewiesen. Die Ermittler vermuten, dass das MCAS-System (Manoeuvering Characteristics Augmentation System) – das ein Überziehen des Flugzeuges im manuellen Betrieb verhindern soll – bei beiden Abstürzen eine ursächliche Rolle gespielt hat.

Derzeit sind alle 371 ausgelieferten Boeing 737 MAX mit einem Flugverbot belegt. Es gibt allerdings Ausnahmegenehmigungen, damit die Flugzeuge ohne Passagiere an Bord zu vorübergehenden Abstellplätzen geflogen werden können. Boeing produziert das Muster momentan weiter, um die Liefer- und Produktionskette nicht zu unterbrechen.

Der Hersteller arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung des Problems und hat ein Software-Update angekündigt. Zusätzlich soll das System künftig auf die Daten von zwei – und nicht wie bisher – von einem Anstellwinkelgeber zurückgreifen. Außerdem will der Hersteller das Trainingsprogramm für die Umschulung für Piloten anpassen. Allerdings hat die US-Luftfahrtbehörde Federal Administration (FAA) angekündigt, sehr genau prüfen und testen zu wollen, ob das Software-Update und die anderen getroffenen Maßnahemnauch alle Erwartungen erfüllen und das Problem mit dem MCAS-System auch wirklich lösen.

Volker K. Thomalla

 

 

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1 Kommentar

  • Valentin R.

    Boeing hat so lange lange Airbus ausgelacht, weil deren Flugzeuge zu viel Elektronik nutzen… Heute sieht man wie Boeing Elektronik einbauen möchte in kritische System ohne Erfahrung oder ohne die richtige Mühe sich zu geben, das Ding richtig zu entwickeln. Diese Geschichte ist ein harter Schlag für den Amerikaner aber ich hoffe , dass es bei Flugzeug Hersteller den Lust wecken wird, nicht mehr zu basteln und neue Design zu vorschlagen.
    Ich habe Eindruck das die Innovation in der Fliegerei tot ist und die Hersteller nur noch Update deren alte Flugzeuge uns anbieten…

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