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Insolvenz der Alitalia bleibt in Endlosschleife gefangen

Sieben Verlängerungen hat es bereits für den Verkauf der Alitalia gegeben. Dennoch sind alle Versuche bislang gescheitert. Nun schließen Teil der Regierung eine Verstaatlichung des seit Mai 2017 insolventen Unternehmens nicht mehr aus. 

2.12.2019

Die italienische Regierung will der insolventen Alitalia einen weiteren Überbrückungskredit gewähren. © Volker K. Thomalla

Die jüngste Geschichte der italienischen Fluggesellschaft Alitalia kommt Beobachtern wie eine Endlosschleife eines langweiligen Wirtschaftskrimis vor. Das Unternehmen findet in der jetzigen Form keine Investoren oder Partner. Die Regierung ignoriert dies und setzt immer neue Fristen für den Verkauf und gewährt neue Überbrückungskredite in der Hoffnung, dass irgendwoher ein Investor auftaucht, um Alitalia wieder zu altem Glanz zu bringen. Diese Ignoranz hilft aber dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern nicht.

Der italienische Außenminister und Vorsitzende der Fünf-Sterne-Partei in Italien, Luigi di Maio, sagte gestern in Rom: „Wir sind alle der Ansicht, dass wir dieser Fluggesellschaft noch eine Chance geben müssen.“ Dabei hat die seit Mai 2017 insolvente Alitalia schon einen staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 900 Millionen Euro verbraucht und sieben „letzte Fristen“ für einen Verkauf verstreichen lassen. Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte musste in der vergangenen Woche zugeben, „dass wir zur Zeit keine Marktlösung zur Hand haben“.

Ist Alitalia überhaupt zu retten?

Vor zwei Wochen war die letzte „letzte Frist“ zum Verkauf und zur Umstrukturierung der italienischen Fluggesellschaft ergebnislos verstrichen. Nun will die Regierung zum Jahresende einen weiteren Überbrückungskredit in Höhe von 400 Millionen Euro gewähren, um Zeit zu gewinnen, damit die Insolvenzverwalter doch noch einen Vertrag mit Interessenten abschließen können. Dieser Kredit könnte jedoch einen Konflikt mit der Europäischen Kommission heraufbeschwören, da er gegen die Regeln für staatliche Beihilfen verstößt. Aber vielleicht ist dies auch ein Kalkül der italienischen Regierung, denn wenn die EU-Kommission der Alitalia den Kredit versagt, hat sie und nicht die Regierung den Schwarzen Peter auf der Hand, wenn Alitalia die Mittel endgültig ausgehen.

Die Regierung hatte die italienischen Staatsbahnen FS gedrängt, um die Alitalia mitzubieten. Allerdings hatte das Unternehmen nur Interesse an einem Einstieg bei der Alitalia, wenn ein solventer Partner aus der Luftfahrtbranche ebenfalls einsteigt. Sowohl die Lufthansa als auch Delta Air Lines hatten Interesse signalisiert. Delta Air Lines hatte aber lediglich eine Minderheitsbeteiligung von maximal 15 Prozent in Aussicht gestellt, und Lufthansa hat nur Interesse an einer zuvor umstrukturierten Alitalia.

Der italienische Industrieminister Stefano Patuanelli (Fünf Sterne) wollte in einem Radio-Interview auch nicht ausschließen, dass man die Alitalia verstaatlichen könnte. „Eine Verstaatlichung wäre nicht unbedingt negativ“, sagte er. „Die Alitalia wird nicht pleite gehen, das kann ich garantieren.“

Für den 13. Dezember haben Gewerkschaften die italienische Luftverkehrsbranche zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen, um Druck auf die Regierung zu machen. Eine Lösung für die Alitalia, bei der Arbeitsplätze entfallen, ist für die Gewerkschaften nicht akzeptabel.

Volker K. Thomalla

 

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