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AF066: Die A380 in den Händen der Ermittler

Es ist gut möglich, dass die Ursache für den schweren Zwischenfall des Air France-Fluges AF066 am 30. September über Grönland schon am Ende dieser Woche bekannt sein werden. Die Unfallermittler des BEA, von Air France und Airbus sind in Goose Bay eingetroffen, wo der Vierstrahler, dessen Triebwerk zerstört wurde, eine Notlandung durchführte.

Airbus A380 der Air France. Bei einem Zwischenfall über Grönland hat ein Flugzeugs dieses Type Teile des Triebwerks verloren. © Airbus

Man kann sich vorstellen, für wie schwer die Besatzung des Fluges von Paris Charles-de-Gaulle nach Los Angeles die Situation eingeschätzt hat, wenn sie zu einem Flugplatz wie Goose Bay in Kanada ausweicht. Wenn bei einem vierstrahligen Flugzeug ein Triebwerk ausfällt, lautet die Anweisung, auf dem „nearest suitable airport“, also dem nächstgelegenen passenden Flughafen zu landen. Der kanadische Platz ist für technische Zwischenlandungen von Leichtflugzeugen ausgerüstet, aber nicht für die Aufnahme eines Flugzeugs mit 497 Passagieren.

Am 30. September 2017 hat der Airbus A380 mit dem Kennzeichen F-HPJE der Air France große Teile sein äußeres rechtes Triebwerk (Nummer 4) über Grönland verloren. Danach ist er noch zwei Stunden weitergeflogen, bevor er in Goose Bay landete. 2006 hatte ein Jumbo-Kapitän der British Airways nach dem Ausfall eines der vier Triebwerke seiner 747 nicht gezögert, den Flug fortzusetzen, die Vereinigten Staaten von West nach Ost und danach den Atlantik zu überqueren, um nach London mit drei laufenden Triebwerken zu fliegen. Nach 10.000 Kilometern Flugstrecke hat er dann in Manchester landen müssen, weil der Treibstoff knapp wurde. Für den britischen Piloten war an diesem Tag der „nearest suitable airport“ sein Zielflughafen, nämlich London-Heathrow, gewesen.

„Nearest suitable airport“

Der Airbus A380 der Air France befand sich im Reiseflug in dünner Luft, als das GP7200-Triebwerk sich bei normaler Reiseleistung plötzlich zerlegte. Es erscheint unwahrscheinlich, dass der Turbofan einen Fremdkörper wie zum Beispiel einen Vogel eingesaugt haben könnte, selbst wenn man berücksichtigt, dass manche Vögel sehr hoch fliegen können. Der höchste, je registrierte Vogelschlag fand in 37.000 Fuß (11.280 Meter) statt, als ein Verkehrsflugzeug vor der afrikanischen Küste mit einem Geier kollidierte.

Bei einem schweren Zwischenfall hat ein Airbus A380 der Air France über Grönland Teile des Triebwerks verloren. © Chris

In den sozialen Medien haben die Passagiere, die an Bord von AF066 waren, eine Explosion unterstellt. Die verschiedenen Fotos und Videos dieser Passagiere sind vielsagend. Sie zeigen, dass der Fan, das Vorderteil der Triebwerksverkleidung und das komplette Fan Containment Case fehlen, die Radschaufeln des Verdichters beschädigt sind und die Tragflächenvorderkante beschädigt ist. Der Zwischenfall muss also mit großer Gewalt passiert sein.

Ursache dürfte schnell gefunden werden

Es ist möglich, dass sich der Bruch des Triebwerks nicht angekündigt hat. Der Zwischenfall kann auf eine Ursache zurückzuführen sein, die schon lange vorher ihren Anfang nahm. Die Antwort auf die jetzt gestellten Fragen findet sich ganz sicher im Flugzeug selbst, an dem der Teil des Triebwerks Nummer 4 verblieb, in dem die Triebwerksparameter gespeichert werden. Dies ist auch der Grund, warum die Experten, mit denen wir gesprochen haben, zuversichtlich sind, und erwarten, dass die Unglücksursachen schnell gefunden werden. Ein Unfall-Untersuchungsteam des staatlich-französischen BEA (Bureau d’Enquête et d’Analyse pour la Sécurité de l’Aviation civile), begleitet von technischen Experten von Airbus und Air France, ist am Abend des 1. Oktober in Goose Bay gelandet und hat sofort seine Arbeit aufgenommen.

Derzeit fliegen die anderen Airbus A380 weiter, die mit dem GP7200 der Engine Alliance ausgerüstet sind. Das Triebwerk war nicht neu, man geht deshalb davon aus, dass es sich bei dem Zwischenfall von AF066 zum einen einzigartigen Vorfall handelt.

Gil Roy

 

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Über Gil Roy

Gil Roy hat Aerobuzz.fr 2009 gegründet. Er arbeitet seit 1981 hauptberuflich als Journalist. Sein Fachwissen in den Bereichen Allgemeine Luftfahrt, Luftverkehr und Nachhaltigkeit der Mobilität lassen ihn häufig als Autor in verschiedenen Fachpublikationen, aber auch in allgemeinen Medien (Air & Kosmos, l'Express, Aviasport...) erscheinen. Er ist Chefredakteur von Aerobuzz und Autor von sieben Büchern. Gil Roy hat den Literaturpreis des Aéro-Club de France erhalten und ist Träger der Médaille de l'Aéronautique.
Journaliste chez Aerobuzz.fr

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