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Alitalia unter Insolvenzverwaltung

Innerhalb von wenigen Stunden, nachdem Alitalia einen Antrag auf "Sonderverwaltung" gestellt hatte, wurden drei Kommissare ernannt, die ab sofort das Unternehmen leiten. Sie prüfen nun, ob die Airline überhaupt eine Überlebenschance hat.

3.05.2017

Nach der gescheiterten Sanierung steht Alitalia unter Sonderverwaltung und wird von drei Insolvenz-Kommissaren geführt. © Alitalia

Der Antrag auf „Sonderverwaltung“ nach italienischem Recht ist vergleichbar mit einem Insolvenzantrag. Nur Stunden, nachdem das Management der italienischen Fluggesellschaft Alitalia gestern einen solchen Antrag gestellt hatte, reagierte die italienische Regierung und benannte drei Kommissare. Sie leiten nun im Auftrag des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung die Unternehmensgeschicke und prüfen, ob Alitalia überhaupt eine Überlebenschance hat oder ob sie abgewickelt werden muss.

Die drei Kommissare sind der ehemalige RAI-Generaldirektor Luigi Gubitosi, Enrico Laghi und Stefano Paleari. Laghi hat Erfahrungen als Insolvenzverwalter beim Stahlkonzern Ilva gesammelt. Paleari hat Air Transport Management an der Cranfield University in Großbritannien studiert und gilt als Luftfahrtexperte.

Viel Zeit haben die drei Kommissare nicht, denn die Airline fliegt pro Tag einen Verlust von rund einer Million Euro ein. Im vergangenen Jahr häuften sich Verluste in Höhe von 460 Millionen Euro an. Die italienische Regierung lehnt eine Verstaatlichung der Alitalia kategorisch ab. Sie hat in den vergangenen Jahren bereits sieben Milliarden Euro in die verlustreiche Gesellschaft gesteckt. Sie ist aber bereit, einen Überbrückungskredit in Höhe von 500 Millionen Euro zu gewähren, um Alitalia den Weiterbetrieb zu ermöglichen. Über diesen Kredit wollen die Kommissare mit der EU-Kommission in Brüssel verhandeln. Eine Sprecherin der EU-Kommission hatte gestern gesagt, da ein Überbrückungskredit nicht als staatliche Beihilfe anzusehen sei.

Flugbetrieb läuft normal weiter

Alitalia betont, dass der Flugbetrieb ganz normal aufrecht erhalten wird. Allerdings reichen die liquiden Mittel der Airline nur noch für wenige Wochen. Größter Aktionär der angeschlagenen Fluggesellschaft ist Etihad Airways aus Abu Dhabi. Ihr Vorstandschef James Hogan sagte: „Ohne die Unterstützung aller Beteiligten sind wir nicht bereit, weiterhin zu investieren.“

Alitalia beschäftigt derzeit noch 12.500 Mitarbeiter und betreibt eine Flotte von 122 Flugzeugen. Die Airline ist durch die Konkurrenz der Billigflieger seit Jahren unter erheblichem Druck und hat kontinuierlich Marktanteile verloren. Ein Sanierungsplan, der eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl sowie deutliche Gehaltseinbußen beim fliegenden Personal vorsah, war Mitte April bei einer Urabstimmung bei den Mitarbeitern durchgefallen. Daraufhin hatten Management und die Aktionäre keinen Ausweg als den Gang in die Insolvenz gesehen.

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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