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Angeschlagene airberlin sucht Hilfe bei der Politik

airberlin-Großaktionär Etihad Airways hat gestern überraschend die Gespräche mit TUI über die Zusammenlegung der airberlin-Tochter Niki und der TUIfly zu einer neuen Ferienfluggesellschaft abgebrochen. Damit gerät die hoch verschuldete airberlin weiter unter Druck. Sie hat bei zwei Landesregierungen um eine Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt. 

9.06.2017

Boeing 737-800 der airberlin bei den Startvorbereitungen in Innsbruck. © Paul Kaps

Eigentlich war alles gut durchdacht: Die hoch verschuldete airberlin und TUIfly bringen Teile ihrer Flugbetriebe in eine neue Ferienfluggesellschaft ein und können sich mit den Resten auf profitable Strecken konzentrieren. Doch der Plan ging nicht auf. Etihad Airways hat kalte Füße bekommen und die Notbremse gezogen. Gestern sagten die Vertreter der arabische Airline alle weiteren Fusionsgespräche ab. Damit gerät airberlin in eine existenzbedrohende Lage, denn die Zusammenlegung war ein wichtiger Bestandteil des Sanierungskonzepts.  airberlin-Geschäftfsführer Thomas Winkelmann hatte noch am 19. Mai mitgeteilt: „Die Trennung vom saisonabhängigen Warmwasser-Touristik-Geschäft ist angelaufen. In einem ersten Schritt wurden mit Beginn des Sommerflugplans 2017 35 Ferienflieger zu NIKI transferiert. Der zweite Schritt steht nun mit der formellen Genehmigung des Joint Ventures zwischen Etihad, NIKI und TUI aus.“

Doch dieser Schritt wird nicht mehr erfolgen. Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ hat die Airline nun bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt. Das Management braucht Zeit, um sich ein neues Sanierungskonzept zu überlegen. Im Hintergrund wartet die Lufthansa, die bereit wäre, sich bei airberlin einzubringen und die Verkehrsluftfahrt in Deutschland neu zu ordnen.

Etihad ist auch Großaktionär von Alitalia

Auch für Etihad Airways ist die Situation bei airberlin absolut nicht zufriedenstellend. Die arabische Fluglinie hält 29 Prozent der Anteile und hat in den vergangenen Jahren immer wieder Millionen zahlen müssen, um die Verluste auszugleichen. Auch bei der insolventen Alitalia ist Etihad der größte Aktionär und wird auch dort nicht ohne bedeutende Verluste herauskommen. Ihr bisheriger Hauptgeschäftsführer (CEO) James Hogan war der Erfinder dieser Beteiligungsstrategie, die nun krachend gescheitert zu sein scheint. Er verlässt noch in diesem Monat das Unternehmen, und der als Interimsmanager eingesetzte Ray Gammelt wird keine weitreichenden strategischen Entscheidungen treffen, bevor nicht ein neuer CEO ernannt worden ist.

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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