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Boeing hat das Software-Update der 737 MAX vorgestellt

Boeing hat das Software-Update sowie die erweiterten Trainings vorgestellt, die künftig Unfälle wie die der 737 MAX 8 der Ethiopian Airlines sowie der Lion Air verhindern sollen. Nun müssen die Modifikationen noch von den Luftfahrtbehörden akzeptiert werden.

28.03.2019

Die beiden roten Pfeile weisen auf einen der beiden Angle-of-Attack-Sensoren der Boeing 737 MAX. © V. K. Thomalla

Boeing hat gestern das Software-Update des MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) der Boeing 737 MAX vorgestellt. Dieses Update soll in Zukunft solche Unfälle wie den Absturz der Boeing 737 MAX 8 der Lion Air im Oktober in Indonesien sowie den Absturz der 737 MAX 8 der Ethiopian Airlines in Äthiopien verhindern. Außerdem hat Boeing die Pläne für ein geändertes Training für Piloten dieses Musters präsentiert.

Die weltweite Boeing 737 MAX-Flotte bleibt bis auf wenige Ausnahmen für Positionierungsflüge ohne Passagiere weiter gegroundet, denn das geänderte Software-Paket sowie das modifizierte Training müssen noch von den Luftfahrtbehörden genehmigt werden.

MCAS ist ein Sicherheitssystem

Das MCAS ist ein System, das die Piloten eigentlich unterstützen sollte. Es soll verhindern, dass es in bestimmten Situationen zu einem gefährlichen Strömungsabriss kommt und wird aktiviert, sobald der Anstellwinkel (AOA) einen bestimmten Wert überschreitet, während das Flugzeug manuell geflogen wird und die Klappen eingefahren sind. Bei dem Software-Update hat Boeing mehrere zusätzliche Sicherheitsstufen eingebaut für den Fall, dass die AOA-Sensoren falsche Daten liefern sollten.

Die aktualisierte Software wurde nach Angaben des Herstellers „Hunderte von Stunden“ analysiert, im Labor getestet und im Simulator sowie bei zwei Testflügen verifiziert. Bei einem der beiden Flüge habe es sich sogar um einen Zulassungsflug mit FAA-Vertretern als Beobachter an Bord gehandelt.

Das MCAS der Boeing 737 MAX wird aktiviert, wenn der Pilot das Flugzeug manuell steuert und der Anstellwinkel einen bestimmten Wert überschreitet. © V. K. Thomalla

Zu den zusätzlichen Sicherheitsebenen der geänderten MCAS-Software gehört, dass das System nun die von den Anstellwinkelsensoren gelieferten Daten vergleicht. Sobald die Werte beider Sensoren um 5,5 Grad voneinander abweichen, wird MCAS nicht mehr aktiviert. Wenn das MCAS künftig in unnormalen Flugsituationen aktiviert wird, gibt das System nur einen Input und keinen wiederholten Input, wie es – so lassen es die Daten der Flugschreiber der abgestürzten Flugzeuge vermuten. Außerdem ist das System nun so programmiert, dass MCAS künftig das Höhenruder nicht mehr so stark verstellen kann. Damit kann die Crew die Eingaben des Systems jederzeit durch Ziehen an den Steuersäulen übersteuern.

FAA muss das Software-Update zulassen

„Wir arbeiten weiterhin mit der FAA und anderen Luftfahrtbehörden an der Zertifizierung des Software-Updates“, teilte der Hersteller gestern mit.

Auch beim Training will Boeing nachbessern. Der Hersteller teilte mit, dass ein Pilot, um eine Musterberechtigung für die 737 zu erhalten, mindestens 21 Tage Theorie- und Simulatorausbildung absolvieren müsse. Die Umschulung von der 737 NG auf die 737 MAX umfasse neben Computer-basiertem Training (CBT) auch ein Studium des Handbuches. Boeing habe das CBT ergänzt und werde es allen 737 MAX-Piloten zugänglich machen, sobald es zugelassen sei.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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