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Boom will Concorde-Nachfolger bauen

Boom Supersonic gab gestern auf der Paris Air Show Details zu seinem zweisitzigen Überschall-Demonstrator XB-1 bekannt. Außerdem verriet Booms Hauptgeschäftsführer (CEO) Blake Scholl die aktuelle Zahl an angezahlten Bestellungen für den Überschall-Airliner, der auf den Demonstrator folgen soll. 

21.06.2017

Der Überschall-Airliner Boom soll bis zu 55 Passagiere fassen. © Boom Supersonic

Es erfülle ihn mit großer Freude, sagte Boom Supersonic-Geschäftsführer (CEO) Blake Scholl gestern auf der Paris Air Show, dass seine Firma 48 Jahre nach dem ersten Auftritt der Concorde auf einem Aérosalon ein Projekt vorstellen dürfe, dass neue Horizonte für Überschallflüge öffne. Boom Supersonic arbeitet an der Entwicklung und Realisierung eines Überschall-Airliners für bis zu 55 Passagiere. Doch bevor dieses Projekt realisiert werden kann, will das von Blake Scholl gegründete Unternehmen Erfahrungen sammeln und entwickelt deswegen einen deutliche kleineren, zweisitzigen Überschall-Demonstrator namens XB-1. Firmenintern nennen die Mitarbeiter das Flugzeug auch „Baby-Boomer“, verriet Scholl in Le Bourget. Die XB-1 ist eine verkleinerte Ausgabe des späteren Boom-Airliners und soll schon im nächsten Jahr fliegen. Wenn es fliegt ist es das schnellste Passagierflugzeug der Welt und soll die Schlüsseltechnologien für die nächste Generation von zivilen Überschallflugzeugen qualifizieren.

Dritter Lufteinlauf im Heck sorgt für Sicherheit

Das Projekt wurde im vergangenen Herbst erstmalig vorgestellt und hat kürzlich eine Konstruktionsüberprüfung (External Design Review) über sich ergehen lassen müssen. Dabei wurde als große Änderung der Konstruktion ein dritter Lufteinlauf im Heck integriert, um einen stabilen Betrieb des Antriebssystems zu garantieren. Zudem haben die Ingenieure den Flügel und das Seitenleitwerk verändert, um das Handling bei Seitenwindlandungen zu verbessern.

Für den Bau des XB-1-Demonstrator hat das Unternehmen namhafte Partner gefunden. GE Aviation steuert die Triebwerke bei, Honeywell die Avionik, Tencate die Kohlefasertechnologie für die Struktur des Flugzeugs, und Stratasys kümmert sich um die 3D-gedruckten Komponenten. Die Endmontage wird am Centennial Airport in der Nähe von Denver im US-Bundesstaat Colorado erfolgen.

Der zweisitzige Überschalljet XB-1 „Baby-Boomer“ ist ein Vorläuferprojekt für den Überschall-Airliner, der nur kurze Zeit später folgen soll. © Boom Supersonic

Blake Scholl erlaubte auf der Messe in Paris auch einen aktualisierten Blick in das Auftragsbuch für den späteren Airlines. Er sagte, fünf große Airlines mit globaler Bedeutung hätten sich mit Interessenkundgebungen für insgesamt 76 Flugzeuge eingetragen. Außer den Namen des potenziellen Launch Customers Virgin nannte Scholl keine weitere Namen. Er sagte, dass die Fluggesellschaften die Ernsthaftigkeit ihrer Interessenkundgebungen auch durch Anzahlungen unter Beweis stellen müssten.

Die aerodynamische Gestaltung des Flugzeugs hat Boom Supersonic mit Hilfe von Computational Fluid Dynamics (CFD) überprüft. „Wir haben wirklich um die tausend verschiedene Konfigurationen geprüft. Im Windkanal wäre dies nicht möglich gewesen, sagte Scholl in Paris.

55 Passagiere bei einer Einklassen-Konfiguration

Für die Kabinengestaltung des Airliners bietet Boom Supersonic derzeit zwei Optionen an: Eine mit einer Bestuhlung mit 55 Sitzen in einer Einklassen-Konfiguration und eine mit einer Zweiklassen-Konfiguration, die 45 Fluggäste transportieren kann.

Boom Supersonic will das Flugzeug komplett auch Kohlefaser-Verbundwerkstoffen bauen. Scholl ist pessimistisch, dass es jemals gelingen wird, die Genehmigung zu erhalten, mit einem Überschall-Airliner auch über Land mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen. Deshalb plant sein Designteam, dass der Boom-Airliner nur über Wasser seinen Geschwindigkeitsvorteil auch ausspielen kann. Und der soll bei Strecken mit einem hohen Überwasser-Anteil beachtlich sein. Die angestrebte Reisegeschwindigkeit liegt bei Mach 2.2. Die Flugzeit von Paris nach New York mit dem Boom-Airliner soll dadurch nur noch 3:30 Stunden dauern, San Francisco nach Tokio soll der Jet in 5:24 stunden zurücklegen (statt bisher in elf Stunden), und die Flugzeit von Los Angeles nach Sydney soll mit dem Boom nicht länger als 6:45 Stunden anstelle von heute 15 Stunden dauern. Es gebe weltweit um die 500 Strecken, auf denen dieses Flugzeug ideal eingesetzt werden könnte, sagte Scholl.  Bereits 2020 soll der Boom-Airliner zu seinem Jungfernflug abheben. Erste Auslieferungen an Airline-Kunden könnten schon 2023 erfolgen, gab sich Scholl optimistisch.

Volker K. Thomalla

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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