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Der Flughafen Berlin-Tegel wird am 15. Juni geschlossen

Wenn der Passagierluftverkehr nicht in den nächsten beiden Wochen wieder schnell auf die Beine kommt, wird der Flughafen Berlin-Tegel stillgelegt. "Vorübergehend" heißt es, doch daran, dass der Otto-Lilienthal-Airport nach einer Schließung Mitte Juni noch jemals wieder ans Netz gehen wird, glauben nur noch wenige. Aber wenigstens der Termin für eine Abschiedsparty ist schon ins Auge gefasst.

22.05.2020

Der Flughafen Berlin-Tegel ist ab dem 15. Juni 2020 von der Betriebspflicht befreit. Damit ist das Ende des 1948 errichteten Airports besiegelt. © Volker K. Thomalla

Das war es dann wohl: Die Gesellschafterversammlung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hat am 20. Mai den Beschluss gefasst, die Betriebspflicht für den Flughafen Berlin-Tegel zum 15. Juni 2020 aufzuheben. Die Abstimmung darüber fiel einstimmig aus. Voraussetzung für den Beschluss ist, dass die Geschäftsführung eine bedarfsgerechte Bedienung des zivilen Luftverkehrs jederzeit sicherstellt und dass die Nutzerinteressen des Bundes am Regierungsflugbetrieb gewahrt sind.

Trotz einer Volksabstimmung aus dem September 2017, in der sich 56 Prozent der Berliner Wähler für die Offenhaltung des Airports ausgesprochen hatten, planten die Gesellschafter die Schließung von Tegel mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER. Nun soll der BER am 31. Oktober dieses Jahres mit einer Verspätung von über acht Jahren endlich in Betrieb gehen. Daran, dass Tegel nach der „vorübergehenden Schließung“ in diesem Sommer noch einmal wieder Flugbetrieb sehen wir, glauben nur noch wenige Menschen.

Passagierrückgang um über 99 Prozent

Aufgrund der Coronakrise waren die Passagierzahlen im Luftverkehr weltweit dramatisch gesunken, auch in Tegel, wo ein Rückgang der Zahlen um über 99 Prozent zu verzeichnen war. Deshalb hatte der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup schon seit April darauf gedrängt, Tegel vorübergehend aus dem Verkehr zu nehmen, um so der klammen Flughafengesellschaft Kosten in Höhe von monatlich sieben Millionen Euro zu ersparen.

Lütke Daldrup sagte: „Es geht darum, den Flugbetrieb in den kommenden Monaten bis zur Inbetriebnahme des BER am 31. Oktober stabil, effizient und verlässlich organisieren zu können. Möglichst guter Flugbetrieb unter Corona-Bedingungen – das ist unsere Aufgabe. Wir begrüßen die Bereitschaft des Bundes, den Regierungsflugbetrieb zeitnah in Schönefeld aufzunehmen. Das ist ein klares Bekenntnis zum BER. Auf der Grundlage der weiteren verkehrlichen Entwicklung werden wir nach Vorlage der behördlichen Genehmigung die notwendigen Maßnahmen treffen. Der Bedarf der Airlines und die Auswirkung der Hygiene- und Abstandsvorschriften auf den Flugbetrieb sind dabei die wesentlichen Einflussfaktoren.“

Anfang Juni will die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung aufheben, und mehrere Fluggesellschaften haben angekündigt, ihren Flugbetrieb wieder in größerem Maßstab aufnehmen zu wollen, darunter Lufthansa, Eurowings und easyJet, die in Tegel Schwergewichte beim Passagierverkehr sind. In Schönfeld können aufgrund der Hygiene- und Abstandsregeln derzeit nur begrenzt Passagiere abgefertigt werden, sollte der Verkehr im Juni wieder deutlich anziehen, wäre Schönfeld unter Umständen nicht in der Lage, dieses Aufkommen zu bewältigen. Wer weiß, vielleicht ist es ja doch noch zu früh für einen finalen Abgesang auf Tegel.

Die Flughafengesellschaft hat gegenüber der Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“ bereits bestätigt, dass man sich aus Tegel auf jeden Fall angemessen verabschieden wolle. Als Termin ist der 8. November ins Auge gefasst. Auch wenn in Berlin beim Management von Großprojekten noch erheblicher Verbesserungsbedarf besteht, so macht den Hauptstädtern beim Ausrichten von Feiern so schnell niemand etwas vor.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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