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Die 737-800 der Ukraine International wurde abgeschossen

Nach tagelangem Leugnen und verschiedenen Vertuschungsversuchen hat die iranische Regierung nun bei der Betrachtung des Absturzes der Boeing 737-800 der Ukraine International Airlines eine Kehrtwende vollzogen: Sie hat zugegeben, dass das Passagierflugzeug nach dem Start vom Flughafen Teheran von den Revolutionsgarden abgeschossen worden ist.

11.01.2020

© VKT Words and Wings 2018

Am Ende waren die Beweise so erdrückend, dass selbst die iranische Regierung einsehen musste, dass sie sich mit dem Festhalten an der Behauptung, beim Absturz der Boeing 737-800 der Ukraine International Airlines am 8. Januar in der Nähe von Teheran habe es sich um einen technischen Defekt gehandelt, sowohl im Land als auch international nur weiter lächerlich machen würde.

Direkt nach dem Unglück am Mittwoch hatte die iranische Regierung behauptet, ein Triebwerksausfall sei verantwortlich für den Absturz. Zu diesem Zeitpunkt waren weder der Flugschreiber noch der Cockpit Voice Recorder (CVR) geborgen, eine seriöse Aussage zur Unfallursache war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Der Chef der zivilen Luftfahrtbehörde des Iran, Ali Abedsadeh, verstieg sich sogar noch am Donnerstag zu der Aussage: „Bei der US-Darstellung handelt es sich um völlig unlogische Gerüchte. Wissenschaftlich und technisch ist es unmöglich, dass eine Rakete das ukrainische Flugzeug getroffen habe könnte.“

Klare Hinweise, staatliche Lügen

Dabei verdichteten sich stündlich die Hinweise auf einen Abschuss. Fotos der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur zeigten ganz klar Löcher in den Wrackteilen, deren Kanten von außen nach innen gebogen waren und die Formen aufweisen, die von Schrapnellen gerissen werden. Der plötzliche Abbruch des Transpondersignals war ebenfalls ein Hinweis darauf, dass eben kein Triebwerksausfall, sondern ein plötzliches, katastrophales äußerliches Ereignis das Schicksal von Flug PS752 und seiner 176 Insassen besiegelt hat. Als am Freitag dann noch Bulldozer an der Absturzstelle auftauchten und Wrackteile aufhäuften, war klar, dass hier eine Vertuschung geschehen sollte. Normalerweise wird bei einer ernsthaften Untersuchung eines Flugunfalls die Lage der Wrackteile dokumentiert, danach werden sie mindestens bis zur Klärung der Ursache gelagert, häufig sogar bis zum Ende einer juristischen Auseinandersetzung eines Unfalls. Man will ja schließlich die Ursache des Unfalls aufklären, um weitere Unfälle dieser Art zu vermeiden.

Heute morgen kam dann die Kehrtwende: Die iranische Revolutionsgarden haben zugegeben, dass sie die Boeing 737-800 mit einem Marschflugkörper beziehungsweise einem US-Fighter verwechselt haben. Flug PS752 war mit einer Verspätung von einer Stunde in Teheran gestartet, und die Koordination zwischen den Revolutionsgarden und dem zivilen Flugsicherung scheint nicht funktioniert zu haben, sonst wäre es nicht zu dem Unglück gekommen.

Ein Flugabwehr-Raketensystem 9K330 Tor startete zwei Raketen in Richtung der zivilen Boeing 737-800, mindestens eine Rakete fand das Ziel und zerstörte es. In einer Mitteilung, die im iranischen Staatsfernsehen verlesen wurde, hieß es: Die Boeing 737 sei versehentlich zum Absturz gebracht worden. Das Flugzeug sei in einen empfindlichen Luftraum der iranischen Revolutionsgarden eingeflogen und deshalb mit einem feindlichen Flugzeug verwechselt worden. Die verantwortlichen Militärs würden zur Rechenschaft gezogen und vor ein Militärgericht gestellt. Der iranische Außenminister schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Unser tiefes Bedauern, Entschuldigungen und Beileid gegenüber unserem Volk, den Familien aller Opfer und anderen betroffenen Nationen. Es ist ein trauriger Tag.“

Auch der iranische Präsident Hassan Rouhani meldete sich per Twitter zu Wort. Er schrieb: „Die interne Untersuchung der Streitkräfte hat ergeben, dass bedauerlicherweise Raketen aufgrund von menschlichem Versagen abgefeuert worden sind und den schrecklichen Absturz des ukrainischen Flugzeugs und den Tod von 176 unschuldigen Menschen verursacht haben. Die Untersuchungen werden fortgeführt, um diese große Tragödie und diesen unverzeihbaren Fehler aufzuklären und zur Rechenschaft zu ziehen.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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