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Die nächste Pleite: Primera Air stellt Flugbetrieb ein

Derzeit streichen auffallend viele Airlines in Europa die Segel. Nun hat es die aufstrebende skandinavische Billigfluggesellschaft Primera Air erwischt. Sie stellt ab sofort den Flugbetrieb ein.

2.10.2018

Primera Air hatte am 16. April 2018 ihren ersten Airbus A321neo übernommen. © Airbus

Bereits gestern teilte die skandinavische Fluggesellschaft Primera Air auf ihrer Website ihren Kunden mit: „Die Airline Primera Air und die IATA-Codes PF und 6F wurden heute, am 2. Oktober 2018, eingestellt. Im Namen des gesamten Primera Air-Teams möchten wir Ihnen für Ihre Loyalität danken. An diesem traurigen Tag sagen wir Ihnen allen Goodbye. Wir bitten um Verständnis, dass die bisherigen Kontaktmöglichkeiten (über E-Mail oder Telefon) nicht länger angeboten werden können.“

Die Pleite ist ein Rückschlag für Berlin

Die Pleite des 2004 auf Island gegründeten Billigcarriers und seiner Tochtergesellschaften Primera Air Nordic und Primera Air Scandinavia kommt überraschend, denn die Airline hat bis vor wenigen Wochen noch mit großen Bestellungen und ebenso großen Plänen für Langstrecken-Verbindungen von sich reden gemacht. Unter anderem wollte sie von Berlin-Tegel aus ab Juni 2019 Nonstop-Flüge nach New York, Boston und Toronto anbieten. Weitere Basen für Transatlantikflüge wollte die Airline in Frankfurt und in Madrid installieren. Für Berlin ist die Primera-Pleite ein herber Rückschlag im Bemühen um Transatlantikverbindungen von der deutschen Hauptstadt.

Primera Air betrieb eine Flotte von insgesamt 15 Flugzeugen: Fünf Airbus A321neo sowie zehn Boeing 737NG. Sie hatte 20 Boeing 737 MAX 9 bei Boeing bestellt und wollte die nagelneuen Standardrumpf-Flugzeuge auch auf den Berlin-Strecken einsetzen. Die erste A321neo hatte sie erst im April dieses Jahres in Hamburg übernommen und wollte ihre A321neo-Flotte auf acht geleaste Flugzeuge ausdehnen.

Die finanzielle Lage des Carriers hatte sich rapide verschlechtert. Am Freitag hatte der Flughafen Stansted einen Airbus A321neo der Airline wegen nicht gezahlter Gebühren an die Kette gelegt und wollte ihn erst nach der Begleichung der ausstehenden Zahlungen wieder fliegen lassen.

Die Flugpreise, mit denen die Airline an den Markt ging, waren eine Kampfansage an die etablierten Carrier und begannen für Langstreckenflüge bei 149 Euro oneway. Die Airline litt unter der Diskrepanz zwischen niedrigen Umsätzen und  Kosten, die weit über den vorgesehenen Ausgaben lagen. Neben Kosten für Verspätungen im Flugbetrieb und bei den Flugzeuglieferungen sowie höher als erhofften Treibstoffpreisen, habe auch das schwierige Marktumfeld nach einer eingehenden Analyse keine andere Wahl gelassen, als den Betrieb einzustellen, teilte Primera Air mit.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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