Homepage » Luftverkehr » Forscher finden Triebwerksteile von AF66 unter dem Eis

Forscher finden Triebwerksteile von AF66 unter dem Eis

Es bestehen jetzt gute Chancen, die Ursache für den Unfall von Air France Flug AF66 zu klären. Eine Expedition hat in wochenlanger Arbeit auf Grönland noch fehlende Teile des defekten Triebwerks lokalisiert und geborgen, teilte die zuständige Unfall-Untersuchungskommission BEA nun mit. 

1.07.2019

Mit Hilfe von Heißluft wurden die Triebwerksteile von AF66 dem Eis entrissen. © Dirk van As, Greenland Guidance

Die Ursache des Unfalls des Airbus A380 der Air France, der am 30. September 2017 auf dem Weg von Paris Charles de Gaulle nach Los Angeles Teile seines GP7200-Turbofans über Grönland verloren hat, gilt nach wie vor als ungeklärt, da den Unfalluntersuchern bislang wichtige Triebwerkskomponenten fehlten.

Das Flugzeug musste nach Gosse Bay in Kanada ausweichen und konnte den kanadischen Flughafen erst nach mehreren Wochen und umfangreichen Reparaturen am Triebwerk und am Flügel wieder verlassen. Suchmannschaften fanden zwar damals einige Teile, aber eben nicht alle.

Triebwerkssuche auf Grönland

Nun hat ein Forscherteam unter der Leitung der Organisation GEUS (The Geological Survey of Denmark and Greenland) in Zusammenarbeit mit mehreren anderen Organisationen einige wichtige Triebwerkskomponenten exakt lokalisieren und aus dem Eis befreien können. Dazu setzten die Forscher unter anderem eine Dassault Falcon 20 mit Seitensichtradar des französischen Forschungszentrums ONERA ein. Danach folgten Suchen mit einem mobilen Bodenradar namens FrostyBoy sowie einem elektromagnetischen Sensor namens SnowTEM, mit dem normalerweise nach Wasser unter Eis und Schnee gesucht wird.

Mit Hilfe dieser Sensoren konnten die Forscher in dem 3 x 5 Kilometer großen Suchgebiet viele Triebwerksteile orten und mit Hilfe von Heißluftgebläsen aus dem Eis bergen. Ken Mankoff, einer der leitenden Forscher bei GEUS und Leiter des Feldteams auf Grönland, sagte: Die Suchphase umfasste mehr als 13 Wochen in Grönland, wobei wir sieben Wochen auf dem Eis kampierten. Wir arbeiteten in dem von Gletscherspalten durchzogenen Feld zu Fuß, mit dem Schneemobil und mit dem Roboter. Dabei waren wir dem Risiko von Begegnungen mit Eisbären, Temperaturen bis zu -35 °Celsius und Stürmen mit Geschwindigkeiten von bis zu 25 m/s und Böen bis zu 32 m/s ausgesetzt.“

Vier Meter tief im Eis

Kein einziges der Teile lag mehr auf der Schnee-Oberfläche. Alle waren zum Teil mehrere Meter tief im Schnee und Eis vergraben und damit für die Forscher mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Die aufgespürten Teile lagen zum Teil nur zwei Meter voneinander entfernt, zum Teil aber auch über 30 Meter. Zum Herausschmelzen der Triebwerkskomponenten aus dem Eis nutzten die Forscher Kettensägen, Heißluftgebläse und Schaufeln. Das größte Teil, welches die Suchmannschaften fanden, war ein rund 150 Kilogramm schweres Teil aus Titan. Der isländische Such- und Rettungsdienst (ISAR) halfen bei der Bergung der Teile, die danach von Hubschrauber der Air Greenland ausgeflogen wurden.

Doch die Mühen haben sich gelohnt. Nach Angaben der französischen Unfall-Untersuchungsbehörde BEA (Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la Sécurité de l’Aviation Civile) wurde ein besonders gesuchtes Teil des Triebwerks geborgen und kann nun zum Hersteller Engine Alliance zur Untersuchung unter Aufsicht der BEA gebracht werden.

Volker K. Thomalla

 

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

 

Schon gelesen? Weitere Beiträge zur Flugsicherheit:

ET302: Unfallermittler haben Daten erfolgreich ausgelesen

Mehr Unfälle, mehr Todesopfer: EASA veröffentlicht Sicherheitsbilanz

Rollunfall zwischen einer 777 und einer A330 in Gimpo

 

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.