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Job-Kahlschlag bei Airlines in Europa

Der Stellenabbau bei den Airlines hat angesichts der Coronakrise begonnen. Abhängig davon, wie lange es nach dem Ende der Krise dauert, bis das Vor-Krisenniveau auf der Nachfrageseite erreicht wird, könnten die jetzt verkündeten Stellenstreichungen erst ein Anfang sein. 

4.05.2020

Die Airbus A320-Flotte der Brussels Airlines steht auf dem Flughafen von Brüssel. © Brussels Airlines

Die weitestgehende Stilllegung der Passagierflugzeug-Flotten bei den Airlines auf der ganzen Welt zeigt jetzt auch die ersten Folgen für die Beschäftigten: Mehrere Fluggesellschaften haben angekündigt, ihr Personal zu reduzieren.

Bereits Ende April hat die multinationale skandinavische Fluggesellschaft SAS angekündigt, dass sie angesichts der Coronakrise bis zu 5.000 Vollzeitbeschäftigte entlassen werde. Sie rechnet nicht mit einer schnellen Rückkehr der Nachfrage nach Passagierflügen nach der Krise. Sie geht davon aus, dass es mehrere Jahre dauern werde, bis die Nachfrage wieder das Vor-Krisenniveau erreichen werde. SAS plant den Abbau von 1.900 Stellen in Schweden, 1.700 in Dänemark und 1.300 in Norwegen. Zusätzlich will die SAS weitere produktivitätssteigernde Schritte in den nächsten Monaten und Jahre unternehmen, teilte das Unternehmen mit.

Ryanair hat die Streichung von 3.000 Stellen angekündigt. © V. K. Thomalla

Der irische Billigflieger Ryanair hat mitgeteilt, sich von bis zu 3.000 seiner Mitarbeiter – hauptsächlich Piloten und Flugbegleiter – trennen zu wollen. Auch der Low Cost Carrier rechnet nicht mit einer schnellen Erholung nach der Krise. Er rechnet damit, dass es bis 2022 dauern werde, bevor die Passagierzahlen wieder das Niveau vor der Krise erreichen würden. Ryanair wird zusätzlich Teile seines Personals in unbezahlten Urlaub schicken und das Gehalt der verbleibenden Mitarbeiter um 20 Prozent kürzen. Auch Michael O’Leary, der charismatische Hauptgeschäftsführer (CEO) der Fluggesellschaft, kündigte an, sich selbst sein Gehalt bis Ende März 2021 um 50 Prozent zu streichen.

O’Leary ist ja nicht dafür bekannt, dass er irgendeine Form von Sensibilität im Umgang mit Menschen an Tag legt. Dementsprechend hat er sich auch zur Zukunft der österreichischen Ryanair-Tochter Laudamotion geäußert: Den Mitarbeitern der in Wien beheimateten Laudamotion gab er ultimativ bis zum 20. Mai Zeit, einen neuen Tarifvertrag mit um 20 Prozent gekürzten Gehältern zu akzeptieren oder er werde die Airline komplett schließen. Diese Aussage verband er mit einer weiteren Drohung in Richtung seiner Konkurrenten am Standort Wien: „Wenn wir Lauda schließen, kommt sie als Ryanair zurück: größer und angriffslustiger als Lauda jemals war.“

10.000 Stellen bei der Lufthansa bedroht

In einem vorab veröffentlichten Manuskript der Rede des Lufthansa-Vostandsvorsitzenden Carsten Spohr für die morgige Hauptversammlung heißt es, die Lufthansa habe rechnerisch zum Neustart 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu viel an Bord, Betriebsbedingte Kündigungen könne man nicht mehr ausschließen. Es sei denn, man schaffe es mit innovativen Teilzeitmodellen, mit dieser einmaligen Lufthansa-Solidarität, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen an Bord zu behalten.

British Airways scheint aus heutiger Sicht ohne staatliche Hilfen durch die Krise zu kommen. Dafür hat die Fluggesellschaft aus Großbritannien aber einen massiven Stellenabbau angekündigt: Sie will sich von 12.000 ihrer 42.000 Mitarbeiter trennen, um wie sie schreibt, „sich auf eine veränderte Zukunft vorzubereiten“. Die Restrukturierung sei notwendig bis zu dem Zeitpunkt, wo die Nachfrage wieder auf den Stand vor der Krise zurückkehre.

Auch die irische Aer Lingus wird sich von rund 20 Prozent ihrer Mitarbeiter trennen. Sie hat am Freitag erste Gespräche mit den Gewerkschaften über einen entsprechenden Job-Abbau aufgenommen. Rund 900 Stellen sollen gestrichen werden.

Zwei Tochtergesellschaften der Norwegian Air, die Piloten und Kabinencrews für die Billigfluggesellschaft bereitgestellt hatten, sind bereits insolvent. Dadurch haben 5.000 Menschen ihre Arbeit verloren.

Der britische Low Cost Carrier easyJet hat angekündigt, 4.000 seiner in Großbritannien stationierten Kabinencrews für zwei Monate zu entlassen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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