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Lufthansa legt 700 Flugzeuge still – Langstrecke nur noch ab Frankfurt

Die Lufthansa nimmt Einschnitte in ihren Flugplan und in ihre Flotte von historischen Dimensionen vor. Die Coronakrise hat die Luftfahrt und die Lufthansa komplett im Würgegriff. Die Kranich-Airline muss rund 700 ihrer Flugzeuge stilllegen und bei längerem Anhalten der Coronakrise staatliche Hilfen beantragen, um überleben zu können. 

19.03.2020

Rund um die Baustelle des Terminal 3 in Frankfurt sind Flugzeuge der Lufthansa geparkt, die derzeit nicht mehr benötigt werden. © Vasco Garcia

Eigentlich wollte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr heute eine Pressekonferenz halten, auf der er das gute Ergebnis des vergangenen Jahres vorstellen wollte. Doch der Ausbruch des Covid-19 (Coronavirus) hat in den vergangenen Wochen alles auf den Kopf gestellt, und so geriet das Ergebnis der Lufthansa Group, das 2019 bei einem bereinigten EBIT von 2,0 Milliarden Euro lag, komplett ins Hintertreffen. Die Lufthansa ist – genauso wie die komplette Weltluftfahrt – in einem nie zuvor gekannten und erlebten Krisenmodus.

Flugzeuge der Lufthansa:

In einer Videopressekonferenz sagte Carsten Spohr heute: „Seit einigen Wochen erleben wird, dass kaum einer fliegen will, seit einigen Tagen erleben wird, dass kaum einer mehr fliegen darf. Die Welt wird nach dieser Krise eine andere sein. Sie wird die Lufthansa nachhaltig und strukturell verändern.“

Abgestellte A340-600, Boeing 747 und MD-11 auf dem Taxiway Sierra am Flughafen Frankfurt: Der Bedarf an Widebodies ist derzeit minimal. © Paul Kaps

Er kündigte weitreichende Einschnitte ein. So würden über 700 der 770 Flugzeuge der Lufthansa Group stillgelegt werden. Nach Austrian Airlines wird auch die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines am Samstag ihren regulären Flugbetrieb einstellen. Aktuell gebe es so gut wie einen Flugbuchungen mehr, berichtete der Lufthansa-Chef. In den nächsten Monaten werde es keinen normalen Flugplan mehr geben, und der Sonderflugplan umfasse nur noch fünf Prozent der einstmalig geplanten Flüge. „Mit den Reisebeschränkungen ist selbst der Rumpf-Flugplan obsolet geworden. Die Münchener Mainline-Flotte bleibt vollständig am Boden“, kündigte er an.

Mainline-Flotte in München am Boden

Langstreckenflüge werde es nur noch ab Frankfurt geben. Man werde drei Mal pro Woche nach Chicago, New York und Montreal fliegen, sowie drei Mal pro Woche nach Sao Paulo, Bangkok und Tokio. Ebenfalls drei Mal pro Woche würde Johannesburg bedient. Die Flüge dienten vor allem der Rückführung von deutschen Staatsbürgern, so wie die verbliebenen Langstreckenflüge des Swiss der Rückführung von Schweizer Staatsbürgern dienten. Die Fracht sei im Gegensatz zu den Passagierflügen ausgelastet. Der Bedarf sei deutlich gestiegen und man überlege, Passagierflugzeuge als Frachter einzusetzen.

Die Lufthansa hat ihren Flugplan auf ein historisch niedriges Niveau herunterfahren müssen. © Vasco Garcia

„Wir wissen nicht, wie lange diese Krise dauert, wir wissen nur, dass wir es länger aushalten als andere“, sagte Carsten Spohr.  Der volle Fokus des Managements liege jetzt auf der Cash-Flow-Sicherung. Man habe Kurzarbeit für einen Großteil der Mitarbeiter beantragt. Er habe dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, trotz des guten Ergebnisses des vergangenen Jahres, keine Dividende auszuzahlen. Der Vorstand werde auf 20 Prozent seines Grundgehaltes verzichten.

Spohr sagte aber auch, dass die Lufthansa jetzt für die Zeit nach der Krise plane. „Nach der Krise wird die Luftfahrt nicht in den alten Zustand zurückkehren. Dazu wird es auch gehören, sich den unangenehmen Fragen zu stellen“, sagte Spohr.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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