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Saarbrücken wird nun von Leipzig aus kontrolliert

Am Flughafen Saarbrücken wurde gestern Geschichte geschrieben: Erstmalig wurde nach der offiziellen Inbetriebnahme des Remote Tower Control Centers in Leipzig ein Flughafen in Deutschland aus der Ferne von den Fluglotsen überwacht. Die DFS erhofft sich dadurch Effizienzgewinne bei der Flugverkehsrkontrolle von Regionalflugplätzen.

5.12.2018

Seit dem 4. Dezember 2018 kontrollieren die DFS-Lotsen den Flughafen Saarbrücken vom Remote Tower Control Center in Leipzig aus. © DFS

Der Tower des Flughafens in Saarbrücken (EDDR) ist seit gestern offiziell verwaist. Die Lotsen, die den Verkehr am und zum Flughafen der saarländischen Hauptstadt kontrollieren, sitzen nun 450 Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt in Leipzig. Dort hat die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) ihr Remote Tower Control Center (RTCC) eingerichtet.

Die letzte Maschine, die vom alten Tower aus kontrolliert wurde, war am 3. Dezember um 22.01 Uhr in Saarbrücken gestartet. Danach ging im Tower im wahrsten Sinne des Wortes das Licht aus, allerdings verbleibt für die nächsten vier Wochen der alte Turm noch betriebsbereit, erst ab Anfang Januar wird Saarbrücken auch im Dauerbetrieb von Leipzig aus überwacht.

RTCC der DFS in Saarbrücken

Am nächsten Morgen begann um 06.51 Uhr mit der Landung einer Bombardier Dash 8 Q400 der Luxair ein neues Zeitalter auf dem Airport. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen LX-LQI war das erste Flugzeug, das nach der offiziellen Inbetriebnahme des RTCC in Leipzig seine Landefreigabe aus Leipzig erhalten hatte. Es war aus Luxemburg nach Saarbrücken gekommen. Nur zwei Minuten später erhielt ein Regionaljet vom Typ Bombardier CRJ700 der Luxair in Saarbrücken die erste Startfreigabe aus Leipzig heraus.

10 Lotsen sind nach Leipzig gewechselt

Im neuen Remote Tower Control Center in Leipzig arbeiten derzeit zehn Fluglotsen, die von Saarbrücken nach Sachsen gewechselt sind. Ein aufwendiges Kamerasystem am Flughafen Saarbrücken sorgt dafür, dass sie den Verkehr auch ohne den Blick aus dem Tower im Blick haben. Statische Video- und Infrarotkameras liefern ihnen permanent ein 360-Grad-Bild des Flughafens. Außerdem wurden schwenkbare Kameras in Saarbrücken installiert, mit denen sich Details heranzoomen lassen. Durch die Infrarottechnik haben Lotsen eine deutlich verbesserte Sicht, vor allem bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit.  Zusätzlich unterstützt das Remote-Tower-Control-System die Lotsen bei ihrer Arbeit: Es erkennt Bewegungen automatisch und hebt die Objekte hervor. Auf Wunsch verfolgen die beweglichen Kameras die Flugziele automatisch. Die DFS hat das Remote-Tower-System in den vergangenen vier Jahren gemeinsam mit den österreichischen Technologieunternehmen Frequentis entwickelt. Zuvor war das System unter Live-Bedingungen mehrfach erfolgreich getestet worden.

Am Flughafen Saarbrücken wurden 2017 rund 15.300 Flugbewegungen gezählt, davon knapp 9.500 Flüge nach Instrumentenflugregeln und rund 5.900 Sichtflüge. In Skandinavien sind Remote Tower schon weit verbreitet. Saarbrücken ist der erste Airport in Deutschland, er soll es aber nicht lange bleiben. Schon in naher Zukunft wird die DFS auch in Erfurt und Dresden Remote Tower einrichten.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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