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Terminal T2 in Incheon hat Bewährungsprobe bestanden

Das neue Terminal T2 auf dem internationalen Flughafen von Seoul-Incheon in Südkorea wurde vor einem halben Jahr pünktlich eröffnet und hat die Kapazität des größten Airports des Landes signifikant erhöht. Aerobuzz.de hat sich vor Ort ein Bild darüber gemacht, wie T2 die Bewährungsprobe bestanden hat. 

27.07.2018

Das Terminal 2 des Flughafen Incheon. Im Hintergrund ist das Terminal 1 zu sehen. © Incheon Airport

Pünktlich vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang wurde das neue Terminal T2 des Incheon International Airport am 18. Januar 2018 nach achtjähriger Bauzeit eröffnet. Es bietet eine Fläche von 387.000 Quadratmetern und steht exklusiv dem koreanischen Flag Carrier Korean Air sowie den Skyteam-Mitgliedern Delta Air Lines, KLM und Air France zur Verfügung. Zum Vergleich: Das Terminal 2 in Frankfurt/Main hat eine Fläche von 306.000 Quadratmeter. T2 in Incheon ist auf eine jährliche Passagierzahl von 18 Millionen ausgelegt und besticht durch seinen hohen Grad an Automation und Innovation. Durch die Eröffnung von T2 ist die jährliche Passagierkapazität des Flughafens auf 72 Millionen Passagiere angewachsen.

Impressionen Terminal T2 in Incheon

 

Korea wird als Business- und Tourismusdestination immer bedeutender. Der Incheon International Airport ist dabei der wichtigste internationale Flughafen des Landes. Er hat eine stürmische Entwicklung hinter sich und fertigte im vergangenen Jahr 62 Millionen Passagiere und 2,9 Millionen Tonnen Fracht ab. Um bei der weiteren Entwicklung des Luftverkehrs in Asien nich abgehängt zu werden, expandiert der auf einer Insel vor der Westküste Südkoreas gelegene Flughafen kontinuierlich in mehreren Stufen. Die jüngste dieser Entwicklungsstufen war die Eröffnung des Terminals T2 im Nordwesten des Flughafengeländes, die ICN – so der IATA-Code des Flughafens – eine zusätzliche Kapazität von 18 Millionen Passagieren beschert hat. Die Baukosten des neuen Gebäudekomplexes betrugen 4,9 Billionen koranische Won, umgerechnet 3,8 Milliarden Euro.

Betriebsverlagerung an einem Tag

Mit dem Tag der Betriebsaufnahme des T2 hat Korean Air seine gesamte Operations vom Terminal 1 in das neue Terminal T2 verlagert. Die Airline hat die Auslegung des Terminals und seiner Ausstattung entscheidend geprägt. Dabei hat sie auf die Erfahrungen mit dem Betrieb des T1 – das seit 2001 in Betrieb ist – zurückgreifen können. Dazu gehört beispielsweise, dass die benötigte Fläche für das Check-in und für die Sicherheitskontrollen im Vergleich zum T1 um den Faktor 2,4 vergrößert wurde. Die Sicherheitskontrollen sind nun zentralisiert und in unmittelbarer Nähe der Einwanderungskontrollen platziert. Außerdem setzt die Flughafengesellschaft bei den Kontrollen neueste Technologien ein. Dies ermöglicht eine zügigere Abwicklung. Sie soll nach Angaben der Airport-Betreiber 20 Minuten schneller sein als in T1.

Das neue Terminalgebäude beeindruckt durch seine geschwungene, fließende Linienführung. Es verfügt über großflächige Glasfronten und ist entsprechend lichtdurchflutet. Das Gebäude wurde mit dem Ziel der größtmöglichen Umweltverträglichkeit entworfen. Solarpaneele auf den Dächern erzeugen Strom, die Belüftung der Gebäude geschieht zum größten Teil auf natürlichem Weg, das heißt, ohne große Ventilatoren.

Auch gefühlt handelt es sich bei T2 um ein umweltverträgliches Gebäude, denn überall sind Pflanzen zu finden, bei denen es sich um echte, lebende Pflanzen handelt. Nur einige Bäume im Terminal sind künstlich. Sie sind aber so täuschend echt gestaltet und beispielsweise mit echter Rinde verkleidet, dass man sie erst beim sehr genauen Hinsehen als Plastikpflanzen identifiziert.

T2 ist ein Smart Airport Terminal

Für den Flughafen-Betreiber ist das Terminal T2 ein Smart Airport, und das ist auch sichtbar. Die große Zahl der Check-in-Auotmaten sowie die interaktiven Infomonitore fallen im Vergleich mit europäischen Airports auf. In die Infomonitore sind QR-Code-Reader integriert. Wenn die Passagiere ihre Bordkarte scannen, erhalten sie alle notwendigen Informationen für ihren individuellen Flug, inklusive einer Beschreibung, welches der schnellste Weg zum Gate ist. Werbung ist ausschließlich auf riesigen Monitoren in High Definition anzutreffen. Die Form der Monitore ist nicht auf ein rechteckiges Format beschränkt, sondern ist in vielen Varianten anzutreffen. WLAN ist nicht nur am Airport kostenfrei nutzbar. In Südkorea ist freies WLAN in vielen Städten flächendeckend eine Selbstverständlichkeit.

Der Flughafen hat seit der Eröffnung von T2 111 Gates, davon 37 in T2. Obwohl der Incheon International Airport in der Mehrzahl Widebody-Flugbewegungen aufweist – der innerkoreanische Luftverkehr fliegt vornehmlich vom Gimpo Airport in Seoul – sind die Gates am T2 so genannte MARS Gates, die sowohl von Großraum- als auch von Standardrumpfflugzeugen genutzt werden können.

Korean Air hat im T2 für seine Premium-Passagiere neue Services eingerichtet, die zum Teil exklusiv Korean-Fluggästen zur Verfügung stehen und nicht einmal den Skyteam-Airlines. First- und Business Class-Passagiere sowie „Millionen Milers“, also Fluggäste die über eine Million Meilen auf ihrem Frequent Traveller-Konto der Korean Air stehen haben, nutzen jeweils einen eigenen Check-in-Bereich. First Class Passagiere checken nicht selbst ein, um sie kümmert sich besonders ausgebildetes Servicepersonal, dass die Formalitäten für die Passagiere erledigt.

Die Miler Lounge im Terminal T2 des Incheon Airports bietet 130 Sitzplätze für Frequent Traveller von Korean Air. © Korean Air

Insgesamt vier verschiedene Lounges erlauben den Premium-Passagieren ein relaxtes Warten auf den Abflug. Die First Class Lounge ist mit 30 Sitzplätzen ausgestattet, die den Passagieren die Möglichkeit bieten, zurückgezogen hinter einem Sichtschutz Platz zu nehmen oder mit mehreren Passagieren zusammen zu sitzen. Die Lounge ist in einem sehr reduzierten Design gehalten und bietet neben kulinarischen Köstlichkeiten auch alle Annehmlichkeiten, die man als First Class Passagier erwartet.

Die Miler Lounge für Frequent Traveller bietet 130 Sitzplätze und ist auch offen für Passagiere, die in der Prestige Class (also Business Class) gebucht sind. Die Lounge bietet mehr Sitzgruppen, lässt aber auch sonst keine Wünsche offen. Zwei weitere Lounges für Business Class-Kunden – mit 200 und 400 Sitzplätzen – runden das Angebot für die Premium-Passagiere im T2 ab. In den beiden letztgenannten Lounges gibt es auch Ruheräume nur für Frauen.

Non-Aviation-Umsätze mit Duty Free Shops

Die Shops im Terminal sind nicht nur ein willkommener Zeitvertreib für die Passagiere, die auf den Abflug warten, sondern eine wichtige Umsatzquelle für den Flughafen. Das Angebot ist überwiegend hochpreisig mit Luxusmarken aus den Bereichen Schmuck, Uhren, Bekleidung und Accessoires. Der in Incheon getätigte Umsatz ist nach Angaben des Flughafens der höchste Duty-Free-Umsatz der Welt.

Das neue Terminal ist nicht nur für Quell- und Zielverkehr ausgelegt, sondern auch für Umsteiger, also beispielsweise Passagiere, die mit Korean Air Lines aus Europa nach Australien oder Asien fliegen und in Incheon umsteigen. Dank einer Hochgeschwindigkeits-Gepäckförderanlage sind kurze Umsteigezeiten garantiert. Die dank des Einsatzes neuester Technologien schnellen Sicherheits- und Passkontrollen ermöglichen Umsteigern ein nahtloses und komfortables Reiseerlebnis.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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