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Vier Runway Excursions in Indien in drei Tagen

2019 ist für die Luftfahrt in Indien kein gutes Jahr. Die Zahl der sicherheitsrelevanten Zwischenfälle ist deutlich gestiegen, allein in den vergangenen beiden Wochen hat es vier Fälle von Runway Excursions von Verkehrsflugzeugen indischer Airlines gegeben. 

5.07.2019

SpiceJet

Am 1. Juli ist eine Boeing 737-800 von SpiceJet in Mumbai über die Piste hinausgeschossen. © Twitter

Die Luftfahrt in Indien wird derzeit von einer beispiellosen Serie von schweren Zwischenfällen heimgesucht. Innerhalb von drei Tagen sind vier Verkehrsflugzeuge beim Landen über die Piste hinausgeschossen. Der jüngste Vorfall vom 1. Juli betrifft eine gerade einmal neun Monate alte Boeing 737-800 der Fluggesellschaft SpiceJet. Der Single-Aisle-Jet landete kurz vor Mitternacht bei starkem Regen auf dem Mumbai-Chhatrapati Shivaji International Airport. Die Crew konnte das Flugzeug nicht vor dem Pistenende zum Stehen bringen, so dass die 737 über die Runway hinausschoss und 150 Meter hinter der Piste im Gras stecken blieb.

Dabei wurde das Flugzeug stark beschädigt. Das Bugfahrwerk knickte ein, und  das Flugzeug rutschte auf den Triebwerksverkleidungen bis zum Stillstand. Alle Insassen an Bord konnten das Flugzeug unverletzt verlassen.

Air Safety Circular der DGCA

Dieser Unfall ist der vierte dieser Art innerhalb von nur drei Tagen in Indien. Deswegen hat die indische Luftfahrtbehörde DGCA (Directorate General of Civil Aviation) ein Air Safety Circular an alle Luftfahrzeugbetreiber in Indien verschickt, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Momentan ist Monsunzeit in Indien. Dabei regnet es in jedem Jahr sehr stark. Allerdings sei das extrem schnelle Wachstum des Luftverkehrs auf dem Subkontinent ein beitragender Faktor zu der Häufung der Zwischenfälle, vermuten Experten, die mit der Situation in Indien vertraut sind. Denn einerseits hält die Bodeninfrastruktur nicht mit dem Wachstumstempo Schritt.  Einige Flughäfen hätten keine vernünftige Drainage ihrer Runways installiert, so dass die Pisten bei starkem Regen immer überfluteten. Andere Flughäfen seien für Anflüge bei schlechtem Wetter und bei Nacht nicht ausgerüstet, würden aber aufgrund des wirtschaftlichen Drucks angeflogen.

Und nicht zuletzt spiele der Trainingsstand der Piloten eine Rolle. In Indien säßen viele junge Piloten in den Cockpits, die über zu wenig Erfahrung verfügten. Die DGCA hat deshalb in ihrer Air Safety Circular an die Betreiber appelliert, dafür zu sorgen, dass sowohl junge als auch erfahrene Piloten zusammen fliegen. Außerdem empfiehlt die Behörde den Crews: „Landen sie nicht aus einem unstabilisierten Anflug heraus bei schlechten Wetterbedingungen. Starten Sie in einem solchen Fall durch!“

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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