Homepage » Luftverkehr » Vor 50 Jahren: Roll-out der Boeing 747

Auf den Tag genau vor 50 Jahren schlug Boeing ein neues Kapitel der Luftfahrtgeschichte auf. Das Unternehmen feierte in Everett das Roll-out der ersten Boeing 747. Das vierstrahlige Großraumflugzeug setzte nicht nur in puncto Größe neue Maßstäbe. 

30.09.2018

Der Prototyp der Boeing 747 beim Roll-out am 30. September 1968 in Everett. © Boeing

Die Erfolgsgeschichte der Boeing 747 begann mit einer Niederlage: 1961 hatte die United States Air Force (USAF) ein Projekt unter dem Namen „Forecast“ gestartet, das den Bedarf der USAF an Flugzeugen nach 1970 definieren sollte. Damals deutete sich an, dass die US-Streitkräfte einen Mangel an Lufttransportraum bekommen sollten. Mit den verwendeten Mustern wie der C-97 Stratofreighter, der C-118 Liftmaster und der C-124 Globemaster konnten zwar beachtliche Mengen an Truppen transportiert werden, aber Nutzlast, Reichweite und Geschwindigkeit waren aufgrund der verwendeten Kolbenmotor-Antriebe beschränkt. Also forderte das US-Verteidigungsministerium ein gigantisches Transportflugzeug mit globaler Reichweite. Bei dem anschließenden CX-X-Wettbewerb beteiligten sich Lockheed, Boeing und Douglas Aircraft. Lockheed ging mit der C-5 Galaxy als Sieger aus dem Wettbewerb hervor.

Boeing 747

Die Nachricht über die Auftragsvergabe an Lockheed löste bei Boeing Bestürzung aus, denn das Unternehmen hatte große Anstrengungen unternommen, um den Auftrag zu gewinnen. Unter anderem hatte Boeing eine 1:1-Rumpfattrappe gebaut, um die schnelle Be- und Entladung des Frachters zu demonstrieren.

Großraum gegen Überschall

Boeing holte den Chefingenieur Joseph F. Sutter aus dem Urlaub zurück und beauftragte ihn und sein 100 Mann starkes Team, ein Verkehrsflugzeug in Jumbo-Größe zu konstruieren. Damals lautete die große Frage: Würde der Luftverkehr der Zukunft den Großraumflugzeugen oder den Überschallflugzeugen gehören? Marktforschungen hatten gezeigt, dass die zeit Mitte der siebziger Jahre reif sein könnte für ein Großraumflugzeug für rund 375 Passagiere und große Reichweiten.

Sutters Team hatte verschiedene Entwürfe untersucht und kam zu dem Ergebnis, das ein Widebody mit drei Decks übereinander das ideale Flugzeug für diese Anforderungen sei. Im März 1966 erhielt das Projekt offiziell die Bezeichnung Boeing 747.

Parallel zu den Konstruktionsarbeiten liefen auch die Verkaufsbemühungen des Boeing-Managements. In einer von Boeing veröffentlichten Geschichte der Boeing 747 wird das entscheidende Gespräch zwischen dem Boeing-Präsidenten William Allen und dem Präsidenten von Pan American World Airways, Juan Trippe, wie folgt beschrieben: „Trippe sagte: ‚Wenn Sie das Flugzeug bauen, kaufe ich es‘, worauf Allen antwortete: ‚Wenn Sie das Flugzeug kaufen, baue ich es.“ Am 13. April 1966 unterzeichnete Pan Am dann den Vertrag mit Boeing über den Kauf von 25 Flugzeugen zum Stückpreis von 20 Millionen Dollar. Das war der größte Auftrag, den bis dahin eine zivile Fluggesellschaft vergeben hatte. In den nächsten Monaten wuchs Sutters Team von 100 Mitarbeitern auf über 4.000. Sie erstellten 75.000 Zeichnungen, und bis zum Produktionsbeginn hat das Programm bereits zehn Millionen Ingenieursstunden verschlungen.

10 Millionen Ingenieursstunden

In Seattle war kein Platz für das neue Flugzeugprogramm, die bestehenden Werke waren mit der Produktion der 707 und der 727 voll ausgelastet. Also erwarb Boeing Land in Everett, rund 50 Kilometer nördlich von Seattle und baute dort ein neues Werk. Innerhalb von nur elf Monaten entstand dort das größte industrielle Gebäude der Welt, das Jahrzehnte später noch für die Produktion der 777 und der 787 erweitert wurde.

Ab September 1967 trafen di ersten Teile in der noch nicht fertiggestellten Endmontagehalle in Everett ein. Am 12. Januar 1968 wurde die letzte Konstruktionszeichnung für die Produktion freigegeben.

Am 30. September 1968, einen Tag früher als im Projektplan vorgesehen, feierte Boeing das weltweit beachtete Roll-out des neuen Flugzeuggiganten Boeing 747-100 in Everett. Die weiß-rot lackierte 747 wurde von einem eigens entwickelten Flugzeugschlepper aus der Halle gezogen und von einer großen Menschenmenge begrüßt. 26 Stewardessen tauften das Flugzeug mit Champagner. Jede Flugbegleiterin repräsentierte je eine Fluggesellschaft, die bis zu diesem Tag die 747 fest bestellt hatte. Die Erstkunden waren alle mit ihrem Logo auf dem Rumpf des Flugzeugs vertreten. Angesichts der Größe des neuen Jets nannte ihn ein Journalist „Jumbo Jet“. Dieser Name passte perfekt und ist bis heute der Spitzname der 747.

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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