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Abschlussbericht des Patrouille Suisse-Unfalls veröffentlicht

Die niederländische Sicherheitsbehörde hat ihren Abschlussbericht des Unfalls von zwei Northrop F-5E Tiger II der Patrouille Suisse veröffentlicht. Beide Jets waren bei einem Training für eine Vorführung am Tag der Offenen Tür im Juni 2016 in Leeuwarden kollidiert.

2.11.2018

Die Northrop F-5E Tiger II der Patrouille Suisse auf dem Weg zum Start zu ihrem letzten Flug. © Bob Fischer

Die niederländische nationale Transport-Sicherheitsbehörde OVV (Onderzoeksraad Voor Veiligheid) hat jetzt ihren Abschlussbericht über den Unfall von zwei Northrop F-5E Tiger II am 9. Juni 2016 in der Nähe des Ortes Bitgum in der Provinz Friesland veröffentlicht. 

Die beiden am Unfall beteiligten Fighter (Kennzeichen J-3086 und J-3088) waren am Unglückstag um 16.06 Uhr Ortszeit von der Leeuwarden Air Base zusammen mit vier weiteren Flugzeugen dieses Typs zu einem Trainingsflug gestartet. Alle sechs Jets gehören zur Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe, der Patrouille Suisse. Der Flug sollte der Vorbereitung einer Vorführung am nächsten Tag im Rahmen eines Tages der Offenen Tür auf der Air Base der Royal Netherlands Air Force (RNLAF) dienen.

Eine F-5E stürzte in einen See

Neun Minuten nach dem Start kam es in der Nähe des Ortes Bitgum innerhalb der Kontrollzone des Flugplatzes Leeuwarden zu einer Kollision zwischen den beiden Jets. Bei der Kollision wurde das Flugzeug mit dem Kennzeichen J-3086 (Nummer 2 in der Formation) schwer beschädigt und wurde in der Folge unkontrollierbar. Der Pilot musste mit dem Schleudersitz aussteigen, die F-5E Tiger II stürzte in einen kleinen See und wurde zerstört. Der Pilot durchbrach bei der Landung am Fallschirm das Glasdach eines Gewächshauses und wurde dabei leicht verletzt. Es gab keine weiteren Opfer.

Das Foto zeigt das beschädigte Höhenleitwerk der Northrop F-5E der Patrouille Suisse. © OVV

Der zweite Jet (J-3088/Nummer 3) konnte trotz eines großflächig beschädigten Höhenleitwerks auf der rechten Seite wieder in Leeuwarden landen.

Die RNLAF als Veranstalterin des Tages der Offenen Tür beschloss, den Unfall nicht zu untersuchen. Weil sich die Kollision im niederländischen Luftraum ereignet hatte, wurde aber die Transport-Sicherheitsbehörde OVV tätig und untersuchte den Unfall, um festzustellen, was zu der Kollision geführt hatte. Die Militär-Staatsanwaltschaft der Niederlande begann ebenfalls eine Untersuchung, die aber später eingestellt wurde.

Der Pilot verlor die Anderen aus den Augen

Der OVV-Abschlussbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Midair-Kollision darauf zurückzuführen ist, dass der Pilot der Nummer 3 während eines Manövers die Nummer 2 aus der Sicht verlor. Während der Kollision hatte beide Jets voneinander weg gedreht. Der Pilot des Fighters Nummer 2 flog in Formation mit den anderen Flugzeugen und war auf das Leaderflugzeug (Nummer 1) konzentriert, um die Formation zu halten. Dadurch, dass Nummer 3 dann die Geschwindigkeit reduzierte, um sich in der Formation wieder einzureihen, kam es zum Zusammenstoß, so die Unfallforscher der OVV.

Die niederländischen Unfalluntersucher haben die Kollision der beiden F-5E der Patrouille Suisse am Simulator nachgestellt. © OVV

Der Pilot der Nummer 2 drehte nach dem Unfall ab in Richtung Nordsee und führte dort einige Checks durch, um zu sehen, ob die F-5E noch steuerbar war. Als er sich sicher war, dass dies der Fall war, flog er zurück nach Leeuwarden und landete das beschädigte Flugzeug dort.

Die direkte Unfallursache ist nach Erkenntnissen der OVV, dass der Pilot des Flugzeugs Nummer 3 die Sicht auf die Nummer 2 verloren hatte. Zum Unfall beigetragen haben könnte nach Ansicht der Ermittler, dass es keine Standardverfahren für den Fall gab, wenn ein Pilot ein anderes Flugzeug beziehungsweise die Formation aus den Augen verliert. Die Piloten berichteten zwar, dass es ein solches Verfahren gäbe, aber die Ermittler konnten keine diesbezüglichen Unterlagen finden.

Zudem führt die OVV an, dass ihrer Meinung nach ebenfalls zum Unfall beigetragen haben könnte, dass die Piloten auf verschiedenen Mustern fliegen und nur eine geringe Flugzeit auf dem Unfallmuster hatten. Während der Pilot der Nummer 2 seit 2012 bei der Patrouille Suisse flog und von 1.990 Gesamtflugstunden 456 auf der F-5 gesammelt hatte, kam der Pilot der Nummer 3 auf eine Gesamtflugstundenzahl von 1.257, von denen er 125 auf der F-5E gesammelt hatte. Er war Fluglehrer auf PC-7 und PC-21 und Einsatzpilot auf der F/A-18 Hornet. Die Saison 2016 war seine zweite Saison mit der Schweizer Kunstflugstaffel.

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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