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Airbus A400M – vom Werk in Sevilla in den Einsatz der Luftwaffe

Teil 2 des Berichts über die Übernahme einer A400M durch die Luftwaffe beschreibt die Überführung in die Luftwaffe und die Einsatzrollen beim Lufttransportgeschwader 62 (LTG 62). Nach der formellen Übernahme des A400M durch die Luftwaffe in Sevilla schließt sich der Prozess zur Übernahme weiterer Ausrüstungsteile und Rüstsätze des Flugzeuges, zur Vorbereitung des Überführungsfluges und der Aufnahme des Flugbetriebs beim LTG 62 an.

Airbus hat am 27. September das 50. Exemplar des Militärtransporters A400M an einen Kunden übergeben. © Airbus

Klicken Sie hier, um Teil 1 des Berichts zu lesen.

Die Verantwortung für den Aircraft Delivery Assistance Prozess (ADA) liegt beim LTG 62, Fliegerhorst Wunstorf, das enge Verbindung zum Luftwaffentruppenkommando (TrKdoLw) in Wahn hält. Das Geschwader stellt für den ADA-Prozess das Team mit seinem Leiter, einem Offizier des Truppenversuches, den ADA National Focal Point (NFP), auf. Weitere Teammitglieder sind ein Technischer Offizier aus dem Bereich der Continuing Airworthiness Management Organisation (CAMO) und ein weiterer Techniker. Aufgabe des ADA-Teams ist es, alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um das Flugzeug und die dazugehörigen Konfigurationsteile und Rüstsätze innerhalb eines vertraglich vereinbarten Zeitraumes auf den Heimatplatz zu überführen. Hierfür erhält es Unterstützung durch das parallel aufgestellte ADA-Team des Herstellers Airbus.

Die A400M der Bundeswehr sind beim LTG 62 in Wunstorf stationiert. © Nurgün Ekmekcibasi/Luftwaffe

Damit der Überführungsflug stattfinden kann, erteilt die spanische Luftfahrtbehörde als rechtliche Grundlage die Genehmigung für einen einmaligen Überführungsflug von Sevilla nach Wunstorf. Auf deutscher Seite wird die Genehmigung in Absprache zwischen dem Luftfahrtamt der Bundeswehr (LufABw) und der CAMO der Luftwaffe wirksam. Zu Beginn des Prozesses besprechen die ADA-Teams von Airbus und der Luftwaffe im sogenannten ADA Scope Clarification Meeting die Rahmenbedingungen und legen in der anschließenden Assistance Work Order entsprechende Unterstützungsleistungen nach der Vorschriftenlage des Instandhaltungsbetriebes der Luftwaffe verbindlich fest. Diese Leistungen erfolgen daher grundsätzlich im Beisein des ADA-Teams der Luftwaffe. Hierzu zählen neben anstehenden Inspektionen auch Betriebsmittelergänzungen wie Schmiermittel und Treibstoff, gegebebenenfalls Behebungen von Störungen bis hin zum Wechsel wichtiger Komponenten (Line Replaceable Units, LRUs).

In Absprache mit den Ladungsmeistern des Truppenversuches des LTG 62 werden die Paletten (Heavy Cargo Units, HCU) mit den vereinbarten Zusatzkomponenten, die mit an Bord des Überführungsfluges geladen werden, bestückt und ein Beladeplan gefertigt. Ein weiterer wichtiger Teil vor dem Abflug ist das Überspielen deutscher Navigationssoftware auf die Avionik der A400M, akribisch überwacht durch einen Techniker mit entsprechender Qualifikation. Schließlich übernimmt das deutsche ADA-Team auch formell das eingebaute Kryptogerät.

Der Überführungsflug nach Wunstorf

Für die Planung des Überführungsfluges steht das ADA-Team im engen Kontakt mit dem Gefechtsstand des LTG 62, und gewährleistet so die pünktliche und reibungslose Aufnahme des Flugzeuges und der mitgeführten Ausrüstung nach der Landung in Wunstorf. Am Tag der Überführung überprüft der Technische CAMO-Offizier das Certificate Release of Service (CRS), bevor nun die Besatzung das Flugzeug übernimmt und den Flug nach Deutschland antritt. Aber auch damit ist das Flugzeug noch nicht für den täglichen Einsatz im Geschwader zugelassen.

Die Luftwaffe hat bis November 2017 13 Airbus A400M erhalten. © Nurgün Ekmekcibasi

Nach der Landung am Heimatplatz übernimmt die Technik des LTG 62 die von Airbus übermittelten luftfahrzeugspezifischen Daten wie Flugstunden und Triebwerksparameter in das eigene Betriebsführungssystem und schafft so auch die Grundlage für die zukünftigen Inspektionsintervalle. Nachdem sich der Waffensystemmanager (im TrKdoLw) davon überzeugt hat, dass die Vorschriften für den Betrieb und Materialerhalt des jeweiligen Flugzeuges vorliegen und anwendbar sind, beantragt er beim Luftfahrtamt der Bundeswehr die Verkehrszulassung. Wenn diese Zulassung vorliegt, kann der A400M in den Einsatz des Geschwaders gehen.

Einsatz des A400M in verschiedenen Rollen

Die Rüstsätze, die beim Überführungsflug nach Wunstorf geflogen worden sind, ermöglichen eine schnelle Umrüstung (Role Change) der A400M, wie es der jeweilige Einsatzauftrag erfordert. Damit das Flugzeug auch außerhalb des Heimatplatzes flexibel für Folgemissionen eingerüstet werden kann, können Module von einigen Rüstsätzen (Role Equipment) auch im Flugzeug verstaut werden. Erst diese Rüstsätze verleihen der A400M die volle Vielseitigkeit und machen sie so zum „Schweizer Offiziermesser des Lufttransports“, wie sie Airbus beim Erstflug der ersten deutschen A400M im Herbst 2014 beschrieb.

Im Grundsatz unterscheiden sich die unterschiedlichen Rüstsätze der A400M nicht von denen der bewährten Transall C-160. Aufgrund des größeren Laderaumvolumens, der größeren Nutzlast, der möglichen größeren Reiseflughöhe und der Zulassungsbestimmungen sind diese jedoch moderner und auch umfangreicher ausgelegt. Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Rüstzustände, die teilweise mischbar beziehungsweise meist schnell austauschbar sind.

Passagiertransport

Für den Passagiertransport verfügt der Airbus A400M bereits in der Grundausstattung über 54 seitliche Einzelsitzplätze parallel zur Flugrichtung mit Gurtzeug, Rettungswesten und Sauerstoffnotversorgung. Sie sind durch den Einbau von 62 Mittelsitzen auf insgesamt auf 116 Plätze erweiterbar. Hierfür sind dann zusätzliche Sauerstoffmasken und Rettungswesten erforderlich. Der Einbau von modernen Waschräumen für Crew und Passagiere, wie sie auch in Airlinern verwendet werden, ist ein erfreulicher, weil endlich angemessener hygienischer Komfort gegenüber der einfachen Ausstattung der Transall.

Frachttransport

Wie bei der Transall verfügt der Laderaumboden der A400M über verschiedene Verzurrpunkte. Die Rollenbahnen sind bereits im Frachtraumboden eingelassen und können mit wenigen Handgriffen mit der Rollenseite nach oben gedreht werden, so dass sie innerhalb weniger Minuten einsatzbereit sind; die zeitaufwendige Montage, wie sie bei der Transall erforderlich ist, entfällt.

Die Transportrollen im Frachtraumboden sind mit wenigen Handgriffen hervorgeholt. © Luftwaffe

Um Container oder palettierte Fracht rutschsicher zu verriegeln, ist der Laderaum mit einem fest installierten Verriegelungssystem ausgestattet. Gesonderte Rollen und Verriegelungssysteme erlauben die Anpassung auch an nicht militärisch genormte Paletten und Container, wie sie in der zivilen Luftfahrt verwendet werden. Insgesamt kann die A400M Ladung bis zu einem Gewicht von 37 Tonnen („Überlast“) transportieren.

Absetzen und Abwerfen

Für das Abwerfen beziehungsweise Absetzen von Lasten kommen das fest eingebaute Ladesystem und die Rampe zum Einsatz. Es ermöglicht den computergesteuerten Präzisionsabwurf von Luftlasten am Schirm aus verschiedenen Höhen unter Berücksichtigung äußerer Parameter, wie Fluggeschwindigkeit und Wind im Absetzgebiet. Für das Absetzen von Fallschirmspringern sind aber zusätzliche Einbauten notwendig wie Stahlseile zum Einhängen der Reißleinen für die Automatikschirme, zwei Rückholwinden und je ein Windabweiser an der Außenseite der beiden seitlichen Springertüren. Zudem ist das Volumen der Sitze mittels eines variablen Reißverschlusssystems anpassbar und kann so Springer samt Schirm und Gepäck aufnehmen.

Verwundeten- und Krankentransport MEDEVAC

Für den Kranken- und Verwundetentransport MEDEVAC sind im Flugzeug 66 Sanitätstragen einrüstbar. Für den Transport von Intensivpatienten dienen bis zu fünf genormte PTE (Patienten Transport Einheiten) mit eigener Kreislaufüberwachung und Sauerstoffversorgung, die zukünftig für den Ein- und Ausbau im Laderaum auf einzelnen Paletten befestigt sein werden, und so abermals ein schnelles Umrüsten erlauben.

Die A400M der Luftwaffe können schnell mit einem Medevac-Rüstsatz versehen werden, um Verletzte oder Verwundete zu evakuieren. © Luftwaffe

Zur vorgesehenen Rolle Luftbetankung führt die Bundeswehr zur Zeit einen Truppenversuch durch, der erfolgreich angelaufen ist. Nach Einrüstung in eine begrenzte Anzahl der A400M wird diese eine spürbare Erweiterung der bislang sehr knappen und für die Luftwaffe nur auf die A310 MRTT beschränkten Fähigkeit führen.

Fazit

Die multinationale Fertigung des Airbus A400M, seine zivile Zulassung und neue technische Betriebsverfahren führen zunächst zu einem erhöhten personellen und zeitlichen Aufwand bei der Abnahme, danach aber zu weitgehend einheitlichen technischen und fliegerischen Verfahren bei den Nutzerländern. Unter dem Gesichtspunkt der Standardisierung wird sich das jedoch als sehr vorteilhaft erweisen, sei es bei der gemeinsamen Ausbildung oder aber im fordernden Einsatz

 

(Inhaltlich weitgehend angelehnt an „Das Fliegende Blatt – Die Zeitung für den Fliegerhorst Wunstorf“, Ausgabe 51, April 2017, S. 6-11.)

Hans-Werner Ahrens/Stefan Bitterle

 

 

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Über Hans-Werner Ahrens

Hans-Werner Ahrens, Generalmajor a.D., Jahrgang 1948. Von 1970 bis 2010 ca. 4.500 Flugstunden als Flugzeugführer auf Transall C-160, fliegerische Hilfseinsätze ab 1973. Verwendungen in der Truppe (u. a. Kommodore) und in Stäben (u.a. BMVg, NATO, Attaché) im In- und Ausland, sowie bei IFOR/SFOR und ISAF. Letzter Kommandeur des Lufttransportkommandos bis 2010. Autor von "Die Luftbrücke nach Sarajevo 1992 bis 1996: Die Transportflieger der Luftwaffe und der Jugoslawienkrieg."
Journaliste chez Aerobuzz.fr

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